Wie sieht die Strafe für Körperverletzung aus, die von einem unter 18-jährigen ausgeübt wurde?

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4 Antworten

Hallo LoveOfLive,

Du hast hier ja eine Menge Konstellationen aufgezählt.

Die erste ist die Beleidigung. Die ist nach folgendem Paragraphen strafbar:

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§ 185 StGB - Beleidigung

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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Dann zu Deinem Satz:

eine Androhung von Körperverletzung und das ohne richtigen Grund

Diese Androhung kann man zwar durchaus als Bedrohung ansehen, aber es liegt keine Bedrohung im Sinne des Strafgesetzes vor, denn das Strafgesetz sagt zur Bedrohung:

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§ 241 StGB - Bedrohung 

(1) Wer einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Ebenso wird bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, daß die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.

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Ausschlaggebend ist, dass das Opfer mit einem Verbrechen bedroht wird. Körperverletzung und selbst die gefährliche Körperverletzung sind rein rechtlich gesehen keine Verbrechen, sondern nur Vergehen.

Somit liegt auch keine Bedrohung im Sinne des Strafgesetzbuches vor.

Dann im Bezug auf die vollendete Körperverletzung.

und dieser Person tatsächlich Schaden zufügen (Sprich, Schlag ins Gesicht, Eventuell in den Bauch, Treten usw.)

Bei einem Schlag in den Bauch oder in das Gesicht liegt eine "einfache" Körperverletzung nach folgender Rechtsgrundlage vor:

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§ 223 StGB - Körperverletzung 

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Der Versuch ist strafbar.
 

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Eine "einfache Körperverletzung liegt nach gängiger Rechtsprechung selbst dann vor, wenn mit "normalen" Schuhwerk zugetreten wird.

Handelt es sich bei dem Schuhwerk aber um besonders festes Schuhwerk wie Beispielsweise:

  • Arbeitsschuhe mit Stahlkappen
  • besonders harte Wanderschuhe
  • Spitzhackige oder vorne besonders Spitze Schuhe

sieht die Sache schon etwas anders aus, denn dann sind die Schuhe nach gängiger Rechtsprechung als gefährliches Werkzeug einzustufen und es wird durch das zutreten mit diesen Schuhen, der folgende Straftatbestand erfüllt:

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§ 224 StGB - Gefährliche Körperverletzung 

(1) Wer die Körperverletzung 

  1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
  2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
  3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
  4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
  5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. 

(2) Der Versuch ist strafbar. 
 

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Allerdings ist eine Geld.- oder Freiheitsstrafe die für einen Erwachsenen vorgesehen ist, für einen Jugendlichen nicht möglich. Auschlaggebend ist das folgende Gesetz: 

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§ 5 Jugendgerichtsgesetz – Die Folgen der Jugendstraftat

(1) Aus Anlaß der Straftat eines Jugendlichen können Erziehungsmaßregeln angeordnet werden. 

(2) Die Straftat eines Jugendlichen wird mit Zuchtmitteln oder mit Jugendstrafe geahndet, wenn Erziehungsmaßregeln nicht ausreichen. 

(3) Von Zuchtmitteln und Jugendstrafe wird abgesehen, wenn die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt die Ahndung durch den Richter entbehrlich macht.

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Das bedeutet, die Bestrafung für einen Jugendlichen von 17 Jahren mit einer Geld.- oder Freiheitsstrafe ist ausgeschlossen.

Vermutlich wird er als Ersttäter noch einmal mit einer Erziehungsmaßregel (die meist in Form von Sozialstunden die in einer sozialen Einrichtung wie beispielsweise einem Altenheim abgeleistet werden müssen, verhängt wird) davon kommen  

Wie Du dem Gesetz entnehmen kannst, können auch Zuchtmittel oder Jugendstrafe verhängt werden.

Aber in den letzten 20 Jahren, habe ich noch nicht erlebt, dass ein Ersttäter der Zugeschlagen hat oder Zugetreten hat, mehr als die angeführten Erziehungsmaßregeln erhalten hat.

Nur bei Angeklagten die die schon mehrfache Vorstrafen hatten oder die Verletzungen die er zugefügt hat so gravierend waren, dass  bleibende Schäden entstanden sind wurden erfolgten Zuchtmittel oder gar ein Jugendarrest.

Schöne Grüße
TheGrow

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Ich kenne mich nicht sehr mit diesem Thema aus, aber ich denke, es hängt von den jeweiligen Personen ab. Ist der (Haupt)Täter einsichtig und reuevoll, tippe ich auf Sozialstunden und/ oder Geldstrafe. Neigt er jedoch zu Wiederholungstaten (laut Jugendamt), dann könnte es passieren, das er/ sie in den Jugendarrest muss.

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Kommentar von LoveOfLive
14.02.2016, 17:56

Das heißt also wenn der Täter auch nur so tut als täte es ihm Leid, dann fällt die Strafe auch niedriger aus? Egal ob er es ehrlich so meint oder nicht?

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Hier geht es um die gefährliche Körperverletzung nach §224 Abs. 1 Var. 4 StGB. Die Strafzumessung für Jugendstrafrecht kann ich dir in diesem Fall nicht sagen, allerdings liegt diese in einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Für das Jugendstrafrecht dürfte diese weitaus niedriger ausfallen, von einer Jugendstrafe nach §17 Abs. 2 JGG ist erstmal abzusehen. Wahrscheinlicher sind eher Zuchtmittel i.S.d. §13 Abs. 2 Nr. 1, Nr. 2 JGG mit Auflagen nach §15 JGG.

Eine Anzeige sollte hier auf jeden Fall in Betracht gezogen werden, ansonsten sind keine Konsequenzen zu erwarten, die Schulleitung wird eher weniger tun können.

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Kommentar von furbo
14.02.2016, 15:39

allerdings liegt diese in einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Das Mindestmaß der Jugendstrafe beträgt sechs Monate, das Höchstmaß fünf Jahre. 

10 Jahre sind eine absolute Ausnahme und bei keinem KV-Delikt zulässig.

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Kommentar von JuraErstie
14.02.2016, 15:40

Das war bezogen auf das reguläre Strafmaß bei einer §224. Wie erwähnt, fällt diese für Jugendstrafrecht deutlich niedriger aus.

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Wenn vorher schon feststünde, welche Urteile nach Gerichtsverhandlungen gefällt werden, dann könnte man sich die Verhandlungen sparen.

Im Strafgesetzbuch steht dazu folgendes:


§ 223
Körperverletzung


(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der

Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
mit Geldstrafe bestraft.


(2) Der Versuch ist strafbar.


Ich denke aber, ihr solltet es unter Schülern hinkriegen, eure Konflikte ohne Polizei, Anzeige und Gerichtsverhandlung zu lösen.




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Kommentar von JuraErstie
14.02.2016, 15:17

1. Es geht hier um eine gefährliche Körperverletzung, das ist kein Vergehen mehr, sondern ein Verbrechen.

2. Sowas "unter sich auszumachen" ist nach so einem Umstand doch wirklich fehl am Platz. Du bittest ja auch nicht den Dieb höflich dir deine Sachen wieferzugeben und sowas nicht mehr in Zukunft zu machen, irgendwo ist auch die Grenze des guten Menschen vorbei.

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Kommentar von JuraErstie
14.02.2016, 15:18

Ups, natürlich ist es ein Vergehen, mein Fehler, im § verrutscht.

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