Stottern und Schweißausbrüche

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3 Antworten

Hallo,

das ist ein Ärgernis.. Aber letztlich bleibt Dir nur, Dich vor solchen Situationen nicht zu verstecken, sondern Dich zu üben und Dir klar zu machen, dass Stottern in den meisten Fällen nur so schlimm ist, wie Du es bewertest. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die versuchen Schwächen andere auszunutzen... Aber davor ist niemand geschützt-

Andreas Starke 30.05.2015, 17:28

Nur so schlimm wie bewertet? Richtig und falsch, das ist von Fall zu Fall verschieden. Richtig ist es, weil viele Stotterer ihr Stottern völlig überbewerten, d.h. als schimmer beurteilen, als es von ihren Mitmenschen wirklich beurteilt wird. Diesen Menschen hilft es auch nicht, wenn sie ihre Gesprächspartner befragen, weil sie fürchten oder sogar sicher sind, dass diese sie belügen, aus Mitleid oder weil das zum "guten Ton" gehört, Stottern "nicht schlimm" zu finden.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es Stotterer gibt, deren Sprechstörung wirklich sehr schlimm ist. Als vormals schwerer Stotterer kann ich nachvollziehen, wie schlimm es insbesondere ist, wenn (1) Blocks sehr lange dauern (z.B. 10 Sekunden und länger), (2) wenn man von seinen Zuhörern nicht verstanden wird und (3) wenn man merkt, dass Zuhörer einen zwar sprechen lassen, aber nicht auf das reagieren, was man gesagt hat, weil das Stottern ihre ganze Aufmerksamkeit beansprucht hat.

Kennst Du einen Menschen, der sehr schwer stottert? Findest Du sein Stottern "nicht schlimm"? Wunderst Du Dich dann, dass er es schlimm findet? Ich sehe als Logopäde immer mal Ratsuchende, die meiner Meinung nach "schlimm" stottern und die ihre Sprechweise m.E. zurecht als "schlimm" empfinden.

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Ich antworte Dir als Mensch, auch wenn ich Psychologe bin. Kannst Du Dein Stottern vielleicht mal wie einen kurzen Husten oder ein kurzes Niesen ansehen? Vielleicht hilft Dir das, es zu überwinden. Ich will nichts verharmlosen: Stottern ist eine Hirnfunktion, und die wirst Du wohl kaum los. Aber einen Grund, Dich dafür zu schämen oder Dich peinlich zu fühlen, gibt es deswegen eigentlich nicht. Wenn die Qualen zu schwer sind: probiere alle Trainings und Hilfen aus.

Aber Du bist als Mensch, der manchmal stottert, nicht weniger wert, als jedes andere Lebwesen auf der Erde. Das ist meine menschliche Auffasssung.

Und dass Du beliebt bist bei Freunden, Kumpels, Mädchen oder Bekannten ist doch ein großes Glück.

..head up!...

Tut mir Leid für dich. Aber mittlerweile wurden Techniken gegen das Stottern entwickelt, die man in Crashkursen lernen kann. Die Erfolgsquoten sund sind beeibdruckend. Google das doch mal.

mariobalotelli 25.03.2015, 22:08

fakt ist man kann es nicht heilen.. aber das stört mich auch nicht, denn bis vor 2 jahren konnte ich eigtlch das unterdrücken und konnte sogar vor personen sehr offen und gerne sprechen... naja so kurse hab ich in meiner nähe keine gefundne

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Andreas Starke 30.05.2015, 17:15
@mariobalotelli

In der Nähe keine gefunden? Ja, das mag wohl sein, je nach dem, wo Du wohnst. Aber schau doch mal, was Du an Therapieangeboten findest, die nicht in Deiner Nähe stattfinden. In unserer Zeit, in der es moderne Verkehrsmittel gibt wie Auto, Bahn, Flugzeug kann man in kurzer Zeit von jedem Ort in Deutschland jeden anderen Ort erreichen. Wir haben Teilnehmer aus allen Gegenden Deutschlands und aus der Schweiz, Österreich und Südtirol, die ins Ostseebad Boltenhagen kommen ...

Du hast recht, heilen kann man Stottern nicht in dem Sinne, dass es weg ist beim spontanen Sprechen in allen Situationen ohne den Einsatz von Hilfsmitteln, wie z.B. Sprechtechniken. Jedenfalls nicht bei Jugendlichen und Erwachsenen und durch Therapie. Selbstheilungen kommen vor, aber niemand weiß, wie man diese systematisch organisieren kann. (Manche Psychotherapeuten behaupten, sie könnten das, aber denen glaube ich nicht.) Aber die gute Botschaft ist trotzdem: Große und dauerhafte Verbesserungen (ohne "ganz weg") gibt es trotzdem, und zwar nicht aus Ausnahme, sondern als Regel.

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Andreas Starke 30.05.2015, 17:06

Wenn ich das richtig verstehe, meist Du mit "Crashkursen", intensive und kurze Kurse. Diese funktionieren nicht! In Holland werden nicht 80 Prozent aller Teilnehmer in 10 Tagen vom Stottern befreit. Das ist wahrscheinlich das, was Du als "beeindruckende Erfolgsquoten" bezeichnest. Diese Erfolgsquoten sind vorgetäuscht. Ihnen liegt das zugrunde, was in der Statistik als "selection bias" bekannt ist. Sie kommen so zustande:

Wenn man mit mehreren Hundert, sagen wir 1000, Teilnehmern 10 Tage lang irgendetwas macht, z.B. Atemübungen, Gymnastik, Dauerlauf, Kopfstand, Yoga, Meditation, Tai-Chi oder wasweißich, wird es immer ein paar geben, die aus irgendwelchen Gründen weniger oder gar nicht mehr stottern, jedenfalls vorübergehend. Wenn man noch den Placebo-Effekt dazurechnet (Besserung durch Glauben an die Besserung) könnten es sogar mehr als "ein paar" sein. Diese Teilnehmer, die dann meist sehr dankbar sind, kann man im Fernsehen präsentieren, besonders mit Videoaufnahmen von vor der Teilnahme und vor Glück weinenden Angehörigen, um diese "beeindruckenden Erfolgsquoten" zu belegen.

Stern TV und andere Magazinsendungen haben es immer versäumt, zumindest die Mitglieder einer ganzen Teilnehmergruppe über längere Zeit, sagen wir zwei Jahre, zu begleiten. Dann sähe das Bild nämlich ganz anders aus!

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