Störung des Sozialverhaltens Diagnostik

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Man muss zwischen Diagnostik iS eines gesamten diagnostischen Prozesses und der Diagnostik iS der Diagnosestellung nach ICD-10 unterscheiden.

Eine Diagnose nach ICD-10 ist die Klassifikation von Symptomen zu klinischen Syndromen, die dann unter Einbeziehung weiterer Merkmale, wie Dauer des Anhaltens eines Syndroms u.ä., als psychische Störung klassifiziert werden. Die klassifikatorischen, beschreibenden Kriterien von Störungen sind im ICD-10 aufgelistet.

Zur Erfassung von Symptomen und Syndromen wie auch Diagnosen nach ICD werden idR verschiedene Instrumente eingesetzt, wie z.B. Screeningfragebögen, Diagnose- und Symptomchecklisten, syndromorientierte Verfahren der Selbst- und Fremdbeurteilung, strukturierte, halbstrukturierte und offene diagnostische Interviews, Verhaltensbeobachtungen, fremdanamnestische Fragebögen und Interviews usw.

Die Ätio- und Pathogenese sind Themen der entsprechenden Theorien, die auch abhängig von Blickwinkel sind. Das ICD ist seit dem ICD-9 frei von ätiopathogenetischen Annahmen und von theoretischen Überlegungen, eben eine rein klassifikatorisch beschreibende Diagnostik, die damit sowohl von Psychiatern wie auch von Verhaltenstherapeuten wie auch Psychoanalytikern wie auch anderen unabhängig von ihrem Blickwinkel benutzt werden kann.

Daher erfolgt neben der ICD Diagnostik auch eine theoriegeleitete Diagnostik (iSe allgeimenen diagnostischen Prozesses), wie zB eine psychotherapeutische Problemanalyse mit Verhaltensanalysen, entsporechenden Fragebögen, Tests usw., oder eine neurosenpsychologische Diagnostik mit Konflikt- und Strukturdiagnostik (zB mittels des OPD-2 und/oder Szenischem Verstehen und/oder projektiven Testverfahren) etc. pp.

Diagnosen dürfen in Deutschland nur von Ärzten gestellt werden, und seit 1999 nach dem Psychotherapeutengesetz auch Psychologische Psychotherapeuten und eingesachränkt Kinder- und Jugendlichentherapeuten. Hier ist auch seit dem klar geregelt, dass klinische Diagnosen bereits Teil von Heilkunde ist (§1 Abs. 3 PsychThG: "Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist."). Dadurch wird i.A. angenommen, dass das Stellen von entsprechenden Diagnosen einer Zulassung bedarf, eben als Arzt oder nicht-ärztlicher Psychotherapeut. Aufgrund dessen und auf Basis des HPG wird i.A. angenommen, dass dies auch für Heilpraktiker gilt, dann auch für solche mit Einschränkung auf das Gebiet der Psychotherapie. Psychologen ohne Approbation als Psychotherapeut oder Zulassung als Heilpraktiker dürfen nach dieser Rechtslage eigenständig und eigenverantwortlich keine klinischen Diagnosen stellen.

Ungeachtet der Erlaubnis, setzt eine Diagnostik psychischer Störungen nach ICD-10 eine umfassende diagnostische Ausbildung voraus (eben ein Medizinstudium oder eine psychotherapeutische Ausbildung). Denn es geht eben nicht nur um das Abfragen von ein paar diagnostischen Kriterien (dann würde eine Fragebogenform des ICD-10 zB als Online-Test völlig ausreichen und man müßte gar nicht mehr persönlich mit den Menschen sprechen, sondern die kämen dann schon mit der gesicherten Diagnose in die Praxis, Ambulanz oder Klinik), sondern es geht um einen schwierigen diffenzialdiagnostischen Prozess.

Eine Buchempfehlung für den Kinder- und Jugendbereich ist zB (wenn auch sicher eher verhaltenstherapeutisch motiviert) zur Einführung (mit ausführlicher Leseprobe): http://www.hogrefe.de/programm/diagnostik-psychischer-storungen-im-kindes-und-jugendalter.html

Also das ICD-10 ist der Diagnoseschlüssel, wo die Kriterien definiert sind, wie sich die Störung manifestiert.
Es gibt z.B. standardisierte Interviews für die Diagnosestellung, die auf den Kriterien von ICD-10 und DSM-IV aufbauen (in Deutschland bezieht man sich auf's ICD-10 für Krankenkassen), aber zusätzlich werden für eine Diagnose auch noch weitere Informationen eingeholt um die Entscheidung zu objektivieren. Je nach Störung lassen sich verschiedene Fragebögen (Fremd- und Selbsteinschätzung) oder Tests machen.
Meist ist die Schlussdiagnose dann eine persönliche Einschätzung des Diagnostikers, obwohl sich gezeigt hat, dass ein statistischer Schluss eine höhere Validität liefert.

In so einem Diagnosemanual stehen noch weitere Sachen drin, die man für eine Diagnose nicht wirklich braucht. Sie dienen z.B. der Forschung. Die Diagnose stellt ein Therapeut, also entweder jemand mit medizinischer Ausbildung (Psychiater) oder mit psychologischer Ausbildung (Psychologe).

Weiss nicht, kann mir vorstellen, dass sich Kindern noch verändern und dass viele Verhaltensweisen noch nicht festgeschrieben sind. Dass es also zum Kind sein dazugehört verschiedene Verhaltensweisen auszuprobieren. Ausserdem können Kinder ihre Probleme weniger gut benennen

"Und (was ganz anderes) hättet ihr eine Theorie warum es bei Kindern schwieriger ist eine spezielle Krankheit zu diagnostizieren?" So etwas liese sich für mich höchstens mit Hausverstand erklären nämlich das Kinder nicht in der Lage sind sich so auszudrücken wie ein Erwachsener und sich das mehr im Verhalten wiederspiegelt und der Charakter nicht annähernd ausgereift ist und sicherlich auch die neurologische Entwicklung nicht außer Acht gelassen werden kann.

Was möchtest Du wissen?