Stirbt das Opern/Klassikpublikum aus?

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12 Antworten

Opern- und Konzerthäuser bieten nur einem kleinen Kreis von Interessenten ein Angebot. Sie sind keine Bühne für Massenveranstaltungen.

Gute, qualitätsvolle Aufführungen sind zumeist gut besucht. Das wird auch noch in den nächsten Jahrzehnten so sein. Es gibt heute und auch in Zukunft Menschen, die die Schönheit der Musik der Vergangenheit zu schätzen wissen.

Ich selbst höre Musik aus allen Jahrhunderten, weil die Menschen in allen Jahrhunderten es verstanden haben, wundervolle Musikstücke zu schaffen - das schließt auch die heutige moderne Zeit mit ein! Gregorianik hat ebenso ihre Faszination wie z. B. der mittelalterliche Minnesang, die Renaissance- und Barockmusik, Klassik, Romantik, Impressionismus, Expressionismus. Selbst moderne Komponisten verstehen es, faszinierende, wohlklingende, überhaupt nicht ernste sog. "ernste" Musik zu komponieren.  :-)

Nur das Atonale halte ich für einen Irrweg, weil diese Art von "Klangkunst" viele Menschen, die über keine musikgeschichtlichen Kenntnisse verfügen, von der Vielfalt der nichtzeitgenössischen Musik abschreckt.

MfG

Arnold        






Wenn man in die Oper oder zu Aufführungen klassischer Musik geht, dann ist der Großteil des Publikums deutlich älter als der Durchschnitt, das stimmt. Viele Kulturinstitutionen versuchen daher, teilweise gezielt ein jüngeres Publikum anzusprechen, um für die Zukunft auch noch ein Publikum zu haben - was aber diese Zielgruppe auch nicht wirklich überzeugt.

Der Witz ist dabei, dass das seit Jahrzehnten so ist. Die Zuschauer müssten also schon längst ausgestorben sein, was aber nicht der Fall ist.

Inzwischen ist man zu der Überzeugung gekommen, dass diese Art von Musik eben erst ab einem bestimmten Alter für das breite Publikum interessant wird. Das heißt, dass zwar trotzdem überdurchschnittliche viele Ältere zu solchen Veranstaltungen gehen, dass dieses Publikum aber mit jeder neuen Generation "nachwächst".

Deswegen ist es trotzdem total ok, sich auch mit 16 für Oper und klassische Musik zu interessieren, da hat halt jeder seinen Geschmack. Aber die breite Masse kommt eben erst etwas später auf den Geschmack, das dann dafür aber recht zuverlässig.




Hallo,

mir ist es ähnlich ergangen, wie dir. In der Schule waren wir die totalen Außenseiter, weil eine Kollegin bereits an der Musikakademie Klavier studierte und ich eine Profi-Ballettausbildung absolvierte. Natürlich waren wir in erster Linie an klassischer Musik interessiert und hatten von den aktuellen Charts weder Ahnung, noch Interesse daran.

Was ich nicht bestätigen kann, ist die allgemeine Überalterung des Publikums. In der Wiener Oper sieht man erfreulich viele junge und sehr junge Menschen im Publikum. Klar, in den großen philharmonischen Konzerten sieht man hauptsächlich älteres Publikum, was aber meiner Meinung nach, an den teils horrenden Preisen liegt. Geht man aber zu den nachmittags stattfindenden, viel billigeren Generalproben, trifft man durchwegs junges Publikum. Auch die Jeunesse-Konzerte sind stets bestens besucht.

Da ich viel mit meinem Mann, einem Sänger, weltweit unterwegs bin, sehe ich auch, wie es in anderen Ländern zugeht. Erstaunlicherweise habe ich das jüngste Publikum in den Opernhäusern und Konzertsälen im Norden gesehen: Oslo, Kopenhagen, Stockholm, etc. Das ist wirklich auffallend. Enttäuscht war ich diesbezüglich in Nordamerika, wo das Publikum deutlich überaltert ist. Egal, ob New York, Chicago, San Francisco, Los Angeles - überall relativ altes Publikum. Die jungen Leute rennen dort alle in die Musicalaufführungen........

In Mittel- und Südamerika ist es schon wieder ganz anders. Z. B. habe ich in Mexiko und Argentinien sehr junges, beigeistertes Publikum in Oper und Konzerten erlebt.

Alles in allem denke ich, wir können zuversichtlich in die Zukunft schauen. Das Publikum für "unsere" Musik, wird so schnell nicht aussterben!

Liebe Grüße

Lilly

Ich komme von der klassik und beobachte diese entwicklungen schon über 40 jahre.

Grundsätzlich bin ich eine positive optimistische natur. Nur: Die zunehmende technisierung der welt führt dazu dass wir das eigene vermögen/können/wissen (für das man sich anstrengen muss) immer mehr der technik übergeben. Warum sich bemühen wenns einfacher auch geht?

In mein studio kamen z.b. immer wieder (v.a. sehr junge) möchtegern-sänger mit einem irrsinnigen selbstbewusstsein, ohne wirklich gutes gehör, aber der meinung es sei ja halb so wild denn man kann technisch eh alles "hinbügeln"!

Irgendwie kommt mir das symptomatisch für die zeit vor: ich bin dann cool wenn ich möglichst wenig kann aber andere für mich und mein ego einspannen kann.

Die klassische musik fordert ein ganz anderes publikum, das auch aus schule oder persönlicher umgebung wenigstens eine bestimmte musikalische bildung bzw. grundbefähigung mitbringt, das musik auch wirklich "zuhören" will und kann und idealerweise vielleicht auch selbst musiziert oder mal musiziert hat.

Nicht die klassische musik (im weieren sinn natürlich) stirbt aus sondern ihr publikum, das sehe ich also durchaus genauso!

Erstaunlicherweise aber "frisst" das publikum beim film oft klaglos alle mögliche musik die es sich sonst nie "antun" würde. Eines der wenigen rückzugsgebiete für so manche musik, die sich ansonsten offenbar überlebt hat...

LG Max

es wird immer (auch junge)  Menschen geben, die sich  für die Oper interessieren  ich habe die Erfahrung gemacht  (Gesangsstudium in Wien vor 30 Jahren)  dass schon damals auch junge Leute in ihrem Alter begeistert auf den Stehplätzen waren ( Oper muss auch nicht teuer sein)  Und in mittleren Häusern wie Nürnberg  seh ich auch immer wieder junge Leute.

Wenn eine Inszenierung spannnd gemacht ist , der Inhalt gut vermittelt wird dazu der Liveeindruck  und man sich vorher bereits mit dem Sujet auseinandersetzt.  Z Bsp mit der Vorlage-  Shakespeare -Verdi  , dann wird die angebliche Langeweile schnell vorbei sein.  Gehen Sie doch mal mit ihren Freunden in ein Werk, wo das Thema sie alle interesiiert. Reden Sie darüber,  schimpfen sie auch  auf das, was ihnen nicht gefallen hat und nehmen sie sich Zeit dafür :)

natürlich sind die Preise hoch, die Bezuschussungen werden mittlerweile auch gekürzt für Live Veranstaltungen. Einige Symphonieorchester bei uns sind zusammengelegt oder aufgelöst worden.

Ich höre auch Bach oder Chopin. Mit Opern kann ich aber auch wenig anfangen.

Ottorino Respighi ist ganz nett mit Fontana di Roma, Pini di Roma.

Soweit sind wir noch nicht. Wenn sie aufhören in der Schule etwas ausser McDonald's zu unterrichten, dann velleicht schon.

Keine Sorge, dein Musikgeschmack wird von der dekadenten Gesellschaft mitgetragen und staatlich finanziert. So kommt es, dass Unsummen für irgendwelche Gebäude wie dieses Philharmoniedingens ausgegeben werden, obwohl man damit nur ein schmales Publikum bedient.

Kommentar von 3halbe
16.04.2016, 21:50

diese musik spiegelt ja auch unsere Kultur wieder und sollte nicht in Vergessenheit geraten!!!

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Kommentar von JBEZorg
17.04.2016, 10:17

Ich glaube das Dingens das du Hirn nennst sollte vielleicht staatlich finanziert werden. Von sich aus scheint es nicht zu laufen.

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Kommentar von PurpurSound
18.04.2016, 01:44

Das muss man wohl kaum kommentieren...

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Hallo 3halbe,

mit deinen 16 Jahren bist Du ein äußerst wertvolles Element in deiner Klassengemeinschaft.
Leider können das die meisten nicht würdigen. Ein hervorragendes Beispiel in heutiger Zeit ist Amira Willighagen (damals 9 Jahre!)

(Sie singt ab1:50)

Ich glaube nicht, dass klassische Musik in Vergessenheit geraten wird, aber ob es so viele Orchester und Konzerte geben wird wie heutzutage, bezweifle ich, da das Publikum über die Jahrzehnte, glaube ich, schrumpfen wird, und es sich nicht besonders lohnt, Orchestermusiker zu werden. Ist ein sehr ausbildungs- und zeitintensiver Beruf, der relativ schlecht bezahlt wird.

Sicher, es geben nicht viele zu. Aber bei Klassik-Radio gibt es z.b. viele Studenten, die sich da ein Musikstück wünschen. Ich glaube nicht, dass wir klassik-freunde irgendwann aussterben. Kopf hoch :-) 

Also ich bin auch kein Opernfan, allerdings finde ich die allgemeinen Rap-Songs auch nicht schön.

Das klassische Musik ausstirbt, glaube ich nicht.

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