Stimmt es, je schwerer man in eine Gruppe reinkommt, desto stärker ist die Loyalität, der Zusammenhalt und das Wir-Gefühl?

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2 Antworten

Nein, das ist nicht zwangsläufig so.

Derjenige, der gern in die Gruppe möchte, und zunächst nicht hineinkommt, ist dann vielleicht sehr dankbar, wenn er schließlich doch aufgenommen wird. Daraus kann eventuell eine gewisse Unterwürfigkeit und Gehorsamkeit gegenüber den Wünschen anderen Mitliedern der Gruppe entstehen bzw. ein übermäßiges Bestreben, die Aufnahme durch ausgeprägtes und bedingungsloses Solidaritätsverhalten wettzumachen.

Das ist sicher keine tiefgehende zwischenmenschliche Solidarität, sondern eine rein funktionelle. Wenn man sich lange um die Aufnahme in einer Gruppe bemüht, dann ist man schließlich in gewisser Weise stolz, wenn man endlich Mitglied ist. Wozu will man unbedingt in eine bestimmte Gruppe? Doch nur zur Aufwertung der eigenen Persönlichkeit. Man gaukelt sich vor, man sei was Besonderes, weil man so schwer Mitglied geworden ist. Man ist stolz auf das "Wir-sind-die-tolle-Gruppe" - aber ist das ein echtes Wir-Gefühl?

Ich halte diese Dynamik für sehr oberflächlich. Sie ist nur ein Ersatz für echte Loyalität und echte zwischenmenschliche Verlässlichkeit.

Gruppen, die sich bilden, weil eine Loyalität zwischen Menschen besteht, überzeugen mich.

Loyalität, die entsteht, weil man sich zur Persönlichkeitsaufwertung und zur Abgrenzung gegenüber anderen zu einer "tollen Gruppe" zusammenrottet, ist eigentlich eher auf Angst und Feigheit gegründet - aber man kann sich damit zusammen sehr stark fühlen.

Eyybb 18.03.2016, 14:57

Wird meines aktuellen Wissenstands oft in Studentenverbindungen oder Sekten so praktiziert. 

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landregen 18.03.2016, 15:22
@Eyybb

Ja, auch in anderen religiös fanatischen Gruppen und z. T. wohl in Nazi-Gruppen. Aber auch ein bisschen in weitaus harmloseren Gruppen, kann auch einfach eine Clique an einer Schule sein.

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Der Zusammenhalt einer Gruppe setzt sich zusammen aus 2 Faktoren:

1. Gemeinsame Merkmale der Gruppenmitglieder (Was verbindet uns?)

Dies kann auch den Faktor beinhalten, dass es schwer ist in einer Gruppe reinzukommen (Initiationsrituale - s. Burschenschaften, Bundeswehr ...). Alle die es dann geschafft haben, haben dann schon mal diese Tatsache gemeinsam und können dann ihrerseits die Neulinge quälen. Ansonsten können Gemeinsamkeiten bedeuten: Interessen, Beruf, Hautfarbe, Religion, Subkultur, Musik, Klamottenstil, Justin Bieber .... die Liste kann man endlos fortsetzen.

2. Abgrenzung zu Anderen (Was unterscheidet uns von dem Rest)

Diese Abgrenzung kann konkurrierende Gruppen betreffen, wie bei Fußballfans, ethnische Gruppen (wie bei den Pegida-Affen, die ja außer Hass und Angst auch nichts gemeinsam haben) oder auch den ganzen Rest der Gesellschaft, nach dem Motto: Keiner ist so wie wir. Wir sind einzigartig (Wirtschaftseliten-Clubs, Verschwörungstheoretiker, etc. ...). Die Möglichkeiten der Abgrenzung sind schier endlos. Entscheidend ist, dass man seine Identität konstruiert indem man definiert, in welchen Punkten man sich von Anderen unterscheidet.

In den ADAC oder HSV kommst Du leicht rein. Bei den Freimaurern oder Burschenschaften so gut wie unmöglich.

Generell gilt: Je krasser die Abgrenzung, desto schwerer ist es mitzuspielen, desto größer das Zusammengehörigkeitsgefühl, desto potenziell gefährlicher die Gruppierung ;)

Menschen die nur unter sich bleiben wollen haben halt oft ziemlich unappetitliche Gründe dafür.

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