Stimmt es, dass Transponieren den Charakter der Musik verändert?

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9 Antworten

Hi! Meine Antwort ist "Ja und Nein". Wir als Coverband haben oft das Thema, das ein Song für unsere stimmlichen Möglichkeiten zu hoch oder zu tief ist. Dann suchen wir nach Ideen, wie man diese Klippe umschiffen kann - das Transponieren ist dann natürlich eine Variante. Und dabei kommt es oft vor, dass ein Song z.B. ein oder zwei Halbtöne höher auch noch funktioniert aber ein anderer schon mit einem Schritt mehr oder weniger einfach "unrund" klingt und das Feeling des Songs weg ist. Ich kann das nicht "wissenschaftlich" erklären, das hat vermutlich tatsächlich mit dem Bezug Text, zu Rythmus zu Tönen zu tun - das ergibt m.E. die Stimmung des Songs und wenn man das zu sehr verändert passt es halt nicht mehr so wie es gedacht war oder wue man es gewohnt ist. Aber: manchmal entsteht dabei auch was komplett Neues, z.B. durch zusätzliche Änderung der Rythmik und es funzt plötzlich wieder. Ist immer spannend. Gruss Don

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Kommentar von BGPONE
04.11.2016, 18:05

Danke, also sagt die Erfahrung, dass der Charakter des Liedes geändert wird. Ich habe mal ein Klavierstück von mir, welches als Midi-Datei vorliegt, einen halben Ton höher transponiert und fand nicht, dass sich etwas geändert hat, außer der Tonhöhe.

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Kommentar von DonCredo
04.11.2016, 18:19

Ja, kann ja sein. Erstens ist das vielleicht auch subjektiv, und zweitens bei einem Solostück vielleicht wieder anders als im Bandgefüge. Ich denke mal, da muss jeder "seine Wahrheit" finden. Gruss

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Ja, es verändert den Charakter.

Wenn ich mit der Gitarre ein Lied ohne Capo spiel (wie es vom Komponist gedacht war) klingt es so, wie er es gehört hat als er es komponierte.

Spiele ich das Lied (original z.B. in A-Dur) in der gleichen Tonart, aber mit Capo im 5. Bund z.B. (also hier dann ein E gegriffen) ist die Tonart A zwar richtig, aber die Töne viel höher (Oktave) und die Gitarre klingt eher wie eine Ukulele oder Mandoline.

Das verändert sehr stark den ursprünglichen Charakter.

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Das kann man soo nicht sagen.

Wie auf dem piano gibts eben zwischen den Akkorden ja auch nur Halbton schritte. Wie bei b und c. Oder e und f.

Je nach lage kann das durchaus den akkordfolge ändern.

Hinzu kommt das man dann vlt die gleichen akkorde spielt, aber durch die andere lage andere obertöne betont werden, bzw sich die grund Frequenz ändert. Was ein subjektiven Einfluss hat. Menschen hören nichr theoretisch sondern subjektiv. 

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Kommentar von BGPONE
04.11.2016, 18:09

Diese Antwort leuchtet mir ein, es findet eine Veränderung statt, die mit den Obertönen zu tun hat. Außerdem wird natürlich die Frequenzdifferenz zwischen den Halbtönen immer größer, je höher die Tonlage ist.

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Es gab wenige Leute, die keinen Unterschied gehört haben und
viele, die einen Unterschied gehört haben. Die Interpretationen des
Unterschieds gehen aber auseinander. Einige finden das transponierte Stück „strahlender“
oder „heller“, andere finden es „düsterer“ oder „trauriger“. Tendenziell lässt
sich sagen, dass Musiker eher einen Unterschied hören, als Nichtmusiker.

Das hat auch einen Grund und ich glaube, die Lösung gefunden zu haben. 

Bei meinem Klavierstück gibt es keinen harmonischen Unterschied. Das
Klavier (Software) ist gleichstufig gestimmt. In der gleichstufigen Stimmung
verlieren alle Tonarten ihren speziellen Charakter, weil die
Frequenzverhältnisse aller benachbarten Halbtöne gleich sind, egal, in welcher Tonleiter.

In der Musik allgemein gibt es aber diese Unterschiede, speziell in der klassischen Musik. Erstens haben die bekanntesten Klassiker Mozart, Bach und Beethoven nicht die gleichstufige Stimmung benutzt, sondern die wohltemperierte Stimmung. In der wohltemperierten Stimmung sind eben die Frequenzverhältnisse benachbarte Halbtöne nicht überall gleich.

Dann kommt hinzu, dass beispielsweise bei Blasinstrumenten nicht alle Tonarten gleich gut klingen, was mit den physikalischen Gegebenheiten des Instrumentes zu tun hat. Außerdem kann der Musiker, ähnlich wie bei der Geige, den Ton etwas tiefer oder höher intonieren, was auch gemacht wird. Bei meinem "Musikinstrument" aber scheidet das alles aus.

Deswegen glaube ich, dass die Wahrnehmung eines anderen Charakters hier ein psychoakustischer Effekt ist.

Natürlich sind beide Musikstücke auch nicht komplett gleich in ihrer Wirkung, weil das eine etwas höher ist. Das hat einen Effekt, der aber ohne direkten Vergleich nicht hörbar ist. Die Tonhöhe ist ja nur einen Halbton verschieden. Die Tonart aber ändert sich aber beim Transponieren radikal. Folglich müsste auch eine deutlich wahrnehmbare Charakteränderung des Stückes die Folge sein. Das ist aber nicht so. Der Unterschied ist sehr gering. 

Daraus schließe ich, dass die Unterschiede beider Versionen nicht auf der
Veränderung der Tonart beruhen.

Da Musik keine Mathematik ist, sondern Gefühle, ist ein "objektives"
Hören nur schwer möglich, wenn nicht sogar unmöglich.

Danke für die vielen Antworten!

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Hi,

 

bin gerade erst auf Deine Frage gestoßen.

Ich selber komponiere und Transponieren in eine andere Tonart ist quasi mein Steckenpferd.

Das einfache Transponieren verändert den Charakter des Musikstückes nicht, wohl aber das Setzen in eine Tonart eines anderen Geschlechtes - dh. von Dur nach Moll oder umgekehrt.

Dur-Tonarten erklingen IMMER heiter und strahlend, Molltonarten dagegen gedämpft, traurig, depressiv.

Eine dramatische Note erhält man dann zusätzlich noch wenn man Durakkorde absteigend um jeweils einen Tonschritt versetzt bzw. dann noch in Moll versetzt - dann bestimmte Sequenzen hieraus sich wiederholen lässt, bekommt das Stück an dieser Stelle eine sehr düstere und bedrohliche Note.

So kannst Du den Charakter eines Stückes verändern.

Die Bloße Versetzung in verschiedene Tonarten innerhalb eines Tongeschlechtes (C-Dur - F-Dur - óder - a-Moll - d-Moll) verändert den Charakter eines Stückes jedoch NICHT. 

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Kommentar von ApfelBirneSalat
14.03.2017, 17:31

Natürlich ist es auch so, dass ein Transponieren eines fröhlichen Liedes in die nächste Tonart des Quintenzirkels ein Lied noch mehr "strahlen" lässt - aber der CHARAKTER - fröhlich - noch fröhlicher wird nur bestärkt und NICHT verändert.

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Ich sehe das Transponieren nur als eine wundervolle Art an, das Arrangement des Songs zu variieren. Je nachdem mit welchem Intervall dies geschieht, erreicht man wirklich tolle Effekte und Themaerweiterungen. Meistens geschieht dies am Ende des Songs mit dem Refrain.

Im Videoteil ein besonderes Klangbeispiel. In diesem Song wird nach der nicht zuende gesungenen Strophe transponiert, die bei 1:37 beginnt. Zunächst wird die Strophe nur halb gesungen. Dann erfolgt ein unerwarteter Schlagzeugbreak und die Band beginnt die Strophe nochmal von vorn - aber nach oben transponiert. Ich bin jedesmal völlig begeistert, wenn ich diese Stelle höre :)

STATUS QUO - "In The Army Now"


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Kommentar von itsme21
04.11.2016, 15:50

Oh ja, die Stelle finde ich auch unheimlich toll. Habe das Lied mal eine halbe Stunde lang auf Endlosschleife laufen lassen, weil ich die eine Stelle immer wieder hören wollte <3

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Ich bin kein Musikexperte, und vielleicht habe ich Bohnen in den Ohren, aber: Ich merke keine Unterschiede. 

Es ist oft von einem "strahlenden C-Dur" die Rede. Als mir mal jemand auf dem Klavier ein (keine Ahnung mehr wohin) transponiertes C-Dur vorspielte, hat es auch gestrahlt.

Aber, wie gesagt, das kann an meinen Ohren liegen.

(Bisher hat mich hier noch keine Antwort so richtig überzeugt, dass sich der Charakter der Musik verändere. Ich bin aber gespannt. Wie wäre es mit einem Hörbeispiel?)

Gruß, earnest

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