Stimmt es, dass intelligente, gebildete und belesene Menschen tendenziell seltener zu Rassismus, Sexismus und Homophobie neigen?

50 Antworten

Ehm...ich glaube das ist schwierig.

Ich sehe es so: Das ist eher eine Frage der Empathiefähigkeit. Der Mensch wird wie Tiere auch schon sehr früh in sozialen Dingen geprägt und manches, das in jungen Jahren sich nicht gut entwickelt, kann man im Erwachsenenalter nur schwer nachholen oder korrigieren.

Die meisten Menschen oder beinahe alle Menschen haben - und die gleich erwähnte Fähigkeit ist eine Sache, die uns maßgeblich vom Tier unterscheidet - die Fähigkeit ihre Empathie auszuweiten. Man kann sich nicht nur in die Eltern hineinversetzen, ihre Lage, Gefühle, ihr Verhalten verstehen und Dinge wie Mitgefühl, Verständnis, Fürsorge etc. empfinden, sondern in der Regel lernt man in der Pubertät das auch auszuweiten auf Freunde, natürlich auch auf andere Spezies, auf Tiere. Ein gesunder, gut entwickelter Mensch ohne Störungen kann mitfühlen, wenn ein Hund leidet.

Und dann differenziert es sich so langsam. Manche können dieses unsichtbare Feld der Empathie auch noch auf ihre nähere Umgebung ausweiten, Bekannte, Arbeitskollegen, die Leute im Dorf, Fremde, die man trifft in der Stadt. Es tut einem Leid, wenn ein völlig fremder älterer Mann zu Boden stürzt oder man empfindet Mitleid mit dem kleinen Jungen, der beim Klauen erwischt wurde und nun da steht wie ein Häufchen Elend usw. Man kann sich mitfreuen auf dem Weihnachtsmarkt, wenn völlig fremde Menschen lachen und sich wohl fühlen, färbt das ab.

Das alles ist Empathie. Und da sind dann schon einige raus. Vielen ist maximal noch die Familie und die Freunde nachvollziehbar, der Rest schon nicht mehr. Mit Fremden aus der näheren Umgebung ist die Empathie schon so schwach, dass da kaum noch ein Reindenken möglich ist, erst recht nicht mehr bei Leuten, die man nicht nur nicht kennt, sondern auch nicht mag aus irgendeinem Grund. Ein gesunder Mensch würde trotzdem nicht lachen, auch wenn sich der ungeliebte Chef das Bein bricht.

Und die ultimative Empathie ist natürlich dann erreicht, wenn man fähig ist sich auch in wirklich völlig Fremde hineinzudenken, die komplett anders aufgewachsen sind. Nicht mal in dem Umfeld wie man selbst, sondern in einem ganz anderen Land, anderes Schulsystem, andere Familienverhältnisse, andere Bildung, andere Prioritäten, andere Kultur usw. Je fremder etwas wirkt desto schwere mit der Empathie. Kaum einer hat noch Mitleid mit einer Ameise, auf die er tritt. Und bei der eigenen Spezies da geht es manchen fast genauso - leider.

Einigen in der AfD ist ein Afrikaner so egal wie dir eine Ameise davon kannst du ausgehen gefühlsmäßig. Ob sie leben oder sterben ist denen egal. Sie sollen weg bleiben, weil sie sind seltsam fremd, man versteht sie nicht, kann ihre Beweggründe nicht nachvollziehen usw. Ihr Leiden interessiert einen nicht, übrigens auch nicht ihre Freude.Man empfindet, also solche Leute, empfinden keine Empathie mehr, weil sie das nie gelernt haben oder man könnte sogar böswillig und wertend sagen, weil sie in dem Punkt unterentwickelt sind, denn man kann wohl schon sagen, dass Empathie etwas Menschliches, Sinnvolles und Erstrebenswertes ist. Ähnlich wie Bildung.

Langes Vorwort, aber jetzt zu deiner Frage: "Stimmt es, dass intelligente, gebildete und belesene Menschen tendenziell seltener zu Rassismus, Sexismus und Homophobie neigen?"

Ja und nein. Es stimmt wahrscheinlich, aber es ist keine direkte Ursache-Wirkung-Verbindung. Es gibt keinen direkten Kausalzusammenhang wie Politiker immer gerne sagen. Es ist mehr oder weniger Zufall beziehungsweise ein gehäuftes Vorkommen, darum stimmt es teilweise. Nämlich: Wer viel Empathie besitzt, bringt es im Leben auch oft weiter, also ist eher fähig sich anzupassen, zu lernen und sich zu bilden, darum sind Gebildete Menschen oft auch empathiefähiger, aber eigentlich sind sie gebildet, weil sie empathiefähig waren und sind. Das ist natürlich nicht Pflicht, aber eben häufig so. Empathie erleichtert auf jeden Fall die Kommunikation, den Austausch, das Lernen von Neuem und generell hat ein Mensch mit Empathie vermutlich mehr Neugier, weniger Ängste und mehr Wissensdurst. Aber eben nicht nur Menschen mit Empathie können es zum gebildeten Menschen schaffen.

1% der Weltbevölkerung etwas sind sogar Psychopathen, also Menschen, die Gefühle anderer gar nicht nachempfinden können. Das klingt wenig, aber musst dir nur mal vorstellen im Schnitt in drei Schulklassen ein Psychopath dabei oder auf jedem Weihnachtsmarkt laufen 5-6 rum, auf jedem Open-Air-Konzert sind statistisch ein paar hundert Psychopathen rum, je nach Größe der Veranstaltung. In Führungspositionen erhöht sich der Anteil übrigens auf knapp 14%. Daran siehst du schon auch oder sogar gerade Psychopathen können sich bilden und viel erreichen, erfolgreich sein, im öffentlichen Leben stehen oder hohe Positionen bekleiden. Tun sie sogar sehr gerne und sehr häufig, aber eben aus völlig anderem Antrieb als Empathen. Auch narzisstisch gestörte Persönlichkeiten wie z.B. Trump können sehr erfolgreich sein und gebildet (wobei man sich in dem Fall sogar fragen kann wie weit die Bildung wirklich vorhanden ist, aber komplett ungebildet ist der mann sicherlich nicht).

Das sind natürlich Extrembeispiele, aber daran sieht man eben, dass auch Unterstufen von Psychopathen, also Menschen mit einem geringen Anteil Empathie und nicht der Fähigkeit diese auszuweiten, gebildet sein können. Sie sind aber in der Unterzahl, dennoch sind es bestimmt 10-15% der Bevölkerung, die da nicht voll entwickelt sind, zwar keine Psychopathen aber schon mit Defiziten in der empathischen Empfindungsfähigkeit. Oft könne sie nicht mal etwas dafür. Es ist nicht völlig klar wie viel die Gene ausmachen und wie viel die Erziehung, frühkindliche Erfahrungen etc.

Also abschließend kann man wohl sagen: Ja Empathiefähigkeit geht häufig einher mit Bildung, ist aber kein zwingender Zusammenhang. Bildung hilft nicht automatisch gegen Rassismus. Empathie hilft gegen Rassismus. Das ist so ähnlich wie wenn du die Behauptung aufstellst Hundebesitzer haben mehr soziale Kontakte. Das mag hinkommen, weil Hundebesitzer eben tendenziell mehr rauskommen, ein Thema mehr haben und generell nicht unsozial sich verhalten, sonst hätten sie vermutlich keinen Bock für ein Tier zu sorgen, aber daraus kann man dann nicht schließen, dass man nur jedem einen Hund kaufen müsste und dann würde er sozialer werden. Man muss aufpassen mit solchen vermeintlichen Kausalzusammenhängen.

Alles Gute!

Ich denke, dass bei diesen Punkten mehrere Dinge zusammenspielen. Daher ist diese Frage nicht eindeutig zu beantworten.

Grundsätzlich gilt, dass ein intelligenter Mensch nicht damit überfordert ist auch komplexe Inhalte zu verstehen.

In so manchen Fällen ist Rassismus oftmals die einfache "Lösung". Weil man nicht imstande ist die komplexeren Ursachen, die zu einer gewissen Lage geführt haben, zu verstehen.

Aber das ist immer nur ein Teilaspekt.

Es gibt auch noch die Sozialisation. Wenn wir von klein auf damit aufwachsen, dass der Schwarze immer der Gangster ist, weil es eben so im Fernsehen gezeigt wird, wenn Mama und Papa immer etwas ähnliches sagen, dann wird das einfach als "Wahrheit" übernommen.

Dann gibt es noch den Bereich schlechte Erfahrungen, die einen prägen. Wenn wir erst einmal in einer Situation waren, die gefährlich für uns war, versuchen wir uns davor zu schützen. Indem wir Kontakt zu Menschen zu meiden, von denen wir uns denken, dass sie uns gefährlich werden könnten.

Hier fällt uns beispielsweise viel auf. Es kann sein, dass wir danach alkoholisierte Menschen meiden, aber es kann sein, dass man hinterher auch Menschen mit anderer Hautfarbe meidet. Unser Gehirn speichert ein für uns auffälliges Merkmal ab. Wenn wir nun selbst weiß sind, wird uns die weiße Hautfarbe einer anderen Person nicht auffallen, wenn wir häufig mit Menschen anderer Hautfarbe zu tun haben, wird unser Hirn das nicht als auffälliges Merkmal abspeichern, wenn es allerdings die erste Begegnung mit einem Menschen anderer Hautfarbe zu tun haben, kann es sein, dass unser Gehirn das abspeichert.

Zur Homophobie gibt es auch noch zu sagen, dass die Phobie oftmals wirklich eine Phobie ist und zwar vor der eigenen homosexuellen Veranlagung.

Nein es ist wie bei den Ausländern. Es gibt solche und solche. Reiche und Akademiker können auch intolerant sein aber Arbeiter und arme Menschen können dafür sehr tolerant sein. Ich erlebte eher, dass reiche Menschen schlechte, überhebliche und arrogante Menschen waren die selten Trinkgeld hergaben weil sie zu geizig waren während arme Menschen zusammenhalten, freundlicher sind und besser im Charakter. Ich weiß das weil ich alle drei Schichten kennenlernte und ich in allen drei Schichten schon lebte. :)

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