Stimmt es, dass gebildete Menschen seltener einen Dialekt haben?

33 Antworten

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Als erstes würde ich zwischen Menschen unterscheiden, die nichts außer Dialekt sprechen und denen, die hochdeutsch und Dialekt sprechen!
Das finde ich wichtig, weil ja erstmal nichts gegen Dialekte spricht.

Persönlich habe ich in meinem Umfeld, ich wohne in einer Stadt mit großem, dörflichen Einzugsgebiet, schon die Erfahrung gemacht, dass die Leute es weiter bringen, die neben ihrem Dialekt auch hochdeutsch beherrschen. Ob das jetzt am Intellekt liegt...eher an der Außenwirkung.

Du bist wahrscheinlich nicht weit herumgekommen, wenn du dir einen abbrichst, ohne Dialekt zu sprechen.

Als These würde ich mal in den Raum stellen, dass es tatsächlich so ist, dass du keinen hochintelligenten Eindruck machst, wenn du ausschließlich Dialekt sprichst. 
Bsp.: Hört euch mal eine Rede vom Oettinger an oder stellt euch vor, die Kanzlerin würde ausschließlich in ostdeutscher Mundart sprechen.

Dankeschön!

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Einmal abgesehen davon, dass eine hochdeutsche Sprache auch zu „universeller“ Verständlichkeit im deutschen Sprachraum führt: Wer hochgebildet ist, der muss sich mehr Schrifttum zuführen und sucht in der Regel notwendigerweise auch höhere Bildungsstätten in größeren Städten oder in Ballungsräumen auf.

Je größer eine Stadt oder ein Ballungsgebiet, desto mehr tritt die Wichtigkeit des regionalen Dialektes in den Hintergrund. Einmal mehr, da bekannt und anerkannt ist, dass die Hochsprache als Grundlage erweiterter persönlicher Chancen unverzichtbar ist. Folglich wird schon mit dem Aufsteigen in der allgemeinbildenden Schule auch ein höherer Wert auf Hochsprache gelegt. Zwangsläufig (!) also beherrscht der höher Gebildete die Hochsprache regelmäßig besser als weniger Gebildete, auch wenn er als Kind stark von regionaler Mundart geprägt worden ist.

Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass das Sprechen eines Hochgebildeten stärker von seiner eingeborenen Mundart geprägt ist als sein Verstehen: Das Hören und Verstehen eines anderen Dialektes oder gar einer Fremdsprache ist entschieden zu unterscheiden von dem Beherrschen einer Sprache als selbst genutztes Kommunikationsmittel!

Von all dem Vorgenannten unbenommen bleibt auch in Ballungsräumen und bei höherer Bildung eine charakteristische Beeinflussung durch die Region abgeschwächt erhalten. In der Regel beeinflusst das dann aber nicht mehr die universelle Verständlichlichkeit innerhalb der Hochsprache.

Konkreter auf die Frage hin ausgerichtet heißt das aber auch, dass, wo Bildung als Beitrag gefragt ist, der Dialekt eine geringere Rolle spielt. Ein Maß für die Intelligenz des Menschen ist die Mundart nicht.

Ich denke es ist weniger der Dialekt, sondern eher die allgemeine Sprechweise. Ich bin geborene Leipzigerin und spreche Sächsischen Dialekt. Aber, und das betone ich, versteht man mich sehr gut und es ist nicht dieses ''billige'' Sächsisch das furchtbar klingt. Gerade in der Comedy wird mein Dialekt eher negativ rübergebracht. Dialekt zu sprechen verläuft auch eher unbewusst. Logisch, wenn man damit aufgewachsen ist. Im Alltag versuche ich ''sauber'' zu sprechen, aber es bleibt nicht aus das ich statt laufen loofen sage, oder kaufen koofen.

* auch - o(o)ch

* kannst Du - kannste

* nein - nee

* gehst Du - gehste

Ich verwende auch althergebrachte Begriffe nicht, aber ich weiß was sie bedeuten. Zum Beispiel für Schnitte/Brotscheibe - Bemme. Beim extremen Sächseln gruselt es mich. Die Bildung hat in gewisser Weise damit etwas zu tun. Und ich nenne es jetzt mal Gossenjargon bei den weniger Gebildeten. ..

 

Es schließt sich nicht gegenseitig aus, sowohl einen Dialekt als auch die "Hochsprache" (z.B. Hochdeutsch) zu sprechen. Manche Menschen wechseln je nach Situation auf eine Variante.

Sicher gibt es Menschen, die nur Dialekt sprechen (und sonst nichts), das ist heute eher selten geworden (kommt aber in sehr ländlichen Gegenden vor). Aber auch das heißt nicht, dass diese Leute ungebildet wären. Sie sind halt eher "bodenständig" (und auch das kann ein Vorteil sein).

Ich kenne auch einen Professor, der Schwäbisch spricht (natürlich gibt es Leute, die ein noch ausgeprägteres Schwäbisch benutzen). Das tut seiner Bildung keinen Abbruch.

Übrigens hatte auch Albert Einstein zeitlebens Schwäbisch gesprochen.

Inzwischen finde ich es sogar interessant, mich mit Dialekten zu befassen (übrigens nicht nur mit deutschen Dialekten). Das ist ein Teilgebiet der Linguistik. Auch Dialekte gehören (ähnlich wie Bräuche und Trachten) zum schützenswerten Kulturgut.

Dass man daneben auch die hochdeutsche Sprache pflegen sollte: klar, das sehe ich auch so.

Auch Dialektsprecher sind manchmal auf eine überraschende Weise zweisprachig: ich habe in der Schweiz Leute getroffen, die von Berndeutsch auf Französisch wechseln konnten (wohlgemerkt ohne Hochdeutsch). Oder umgekehrt.

Richard Wagner sächselte bis zum Schluss und Friedrich Schiller schwäbelte ganz stark. So viel dazu...

Das waren doch ganz andere Zeiten. 

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@matroschka

@matroschka:Ja, die guten Zeiten der Dichter und Denker... Sicherlich alles andere als verkehrt!

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Scharfer Intellekt und die Beibehaltung des eigenen Dialekts schließen einander jedenfalls nicht aus.

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