Stimmt es, dass Chirurgen meistens emotionslose und kalte Menschen sind?

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10 Antworten

Da ich als OP-Schwester jeden Tag mit Chirurgen zusammenarbeite, kann ich das nicht bestätigen. Es gibt immer irgendwelche arrogante Ärzte, die man als kalt und emotionslos bezeichnen könnte, aber Ärzte haben schon Mitleid mit ihren Patienten und tun alles, um ihnen helfen zu können. Man sieht es dem ein oder anderem Chirurgen auch oft an, wie schlimm er es findet, wenn der Patient schon zum dritten oder vierten Mal in den OP kommt, man sieht ihnen aber auch an, dass sie sich freuen, wenn zB die Verletzung besser wird.

Was aber stimmt, und das kann ich auch von mir sagen, man macht nicht bei jedem Patienten einen auf “buhu, der arme arme Mensch...“. Natürlich geht einem das Schicksal der Leute nahe, wenn man aber anfängt, sich nur noch darüber Gedanken zu machen, wird man nicht mehr fertig. Ich hoffe, du verstehst mich nicht falsch. Zum Beispiel: Darmkrebs ist schlimm, immer. Aber wenn ein Patient in meinem Alter (23) mit Darmkrebs auf dem Tisch liegt, geht mir das näher wie ein Patient, der schon 70 ist. Und das Schicksal des 70-jährigen würde mir wieder näher gehen, wenn es zB der Vater von einem Freund ist.

Chirurgen haben da aber viel zu viel mit dem Patienten zu tun, um als richtig emotionslos durchzugehen. Sie lernen den Patienten vor der OP kennen, müssen ihm mitteilen, dass er vllt schwer krank ist und eine große OP ansteht. Nach der OP will der Arzt, dass der Patient schnell wieder auf die Beine kommt, dass er gesund wird.

Und so strikt nach Ablauf kann man auch nicht jeden Patienten operieren. Nicht bei jedem Patienten ist die Anatomie so, wie sie im Lehrbuch steht. Die OP wird vorher  auch geplant, da steckt mehr dahinter wie ein bisschen rumschnippeln. ZB wird anhand eines Röntgenbildes genau berechnet, welche Größe einer Prothese für die Hüfte benötigt wird.

Und es geht einem Arzt auch wirklich nahe, wenn ein Patient stirbt. Da gehört viel Einfühlungsvermögen und Emotion dazu, wenn man mit den Angehörigen sprechen muss.

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Grade, wenn du einen Chirurgen in der Familie hast, weißt du doch, wie der ist. Oder kannst du den als emotionslos und kalt bezeichnen?

gingerboy 03.04.2016, 22:00

Danke für deinen Beitrag 👌🏻 ich würde ihn nicht als so extrem emotionslos bezeichnen, aber er ist oft sehr sachlich und beherrscht sich eben, auch emotional, mehr als andere.

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sabbsi 03.04.2016, 22:09
@gingerboy

Leute, die mit so was jeden Tag zu tun haben, sehen das eben auch aus einem anderen Blickwinkel. 

Zb habe ich letzte Woche das erste Mal mit einem extrem untergewichtigem Patienten zu tun gehabt, der seit 40 Jahren an Anorexie leidet. Das ist schlimm, der Patient sah auch schrecklich aus, so was hatte ich in echt noch nie gesehen.  

Hab das dann meiner Schwester erzählt, die hat darauf ganz anders reagiert wie ich, und die hat den ja nicht mal gesehen. Die wollte dann eben eher das wie und warum wissen, ich fand es eher interessant, dass das ein Körper 40 Jahre lang aushalten kann. Aber trotzdem ging mir der Patient das ganze Wochenende nicht aus dem Kopf, das ist so ein Schicksal, das mir wirklich nahe geht, das ich aber eben leichter auch aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

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Schwierig. Wie ein Metzger denken die bestimmt nicht, Chirurgie ist teilweise höchst filigrane Arbeit, die, z.B. am Auge, nur mit Op-Mikroskop möglich ist. Man kann aber schon sagen, dass Chirurgen einiger Fachrichtungen emotional eher distanziert sind und weniger am Patienten als Mensch als an der Herausforderung einer schwierigen OP interessiert sind. Mal plakativ gesagt: Wenn ich bei einem Kind einen Hirntumor operieren muss, hilft es nicht, wenn ich dabei heule.

Halte ich für ausgemachten Blödsinn. Also der Aussage kann ich bis zu dem Punkt zustimmen, bis es heißt Chirurgen seien dann im Alltag genauso.

Natürlich läuft alles wie ein Handwerk - das sollte es ja bitteschön auch. Ich würde mich nicht bei einem Chirurgen unters Messer legen wollen, der beim Anblick meiner Gedärme in Tränen oder in Gelächter ausbricht...;-) Lieber ein Metzger, der halt nur das sieht, was er vor sich hat.

Das hat - meiner Meinung nach - aber nichts mit Herzlosigkeit zu tun, sondern mit Professionalität.

Was stimmt, ist dass bestimmte Berufsgruppen meistens eine bestimmte Art von Humor haben. Aber auch das ist meistens eine Art Schutzmechanismus. Ich selbst bin ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig und wenn ich nicht manchmal eine Art schwarzen Humor entwickeln würde, würde ich an den Anforderungen im Dienst so manches Mal verzweifeln.

Barbdoc 04.04.2016, 00:14

Metzger ist der falsche Begriff. Chirurgen wollen das Leben erhalten.

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Mondhexe 05.04.2016, 16:52
@Barbdoc

Habe den Begriff nur aus der Ursprungsfrage übernommen. Nichts für ungut....;-)

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Man kann nicht aus Mitleid weinen, wenn man dem Patienten helfen will. Der Vergleich mit einem Metzger ist absolut unangebracht. Ein Metzger zerlegt ein geschlachtetes Tier. Ein Chirurg fügt das, was durch eine Verletzung verletzt wurde behutsam! wieder zusammen. Der Beruf ist anstrengend. Ich möchte Che Guevara zitieren, der auch Arzt war :Man muß hart werden, ohne je seine Zärtlichkeit zu verlieren.

Ich habe eine Freundin die unheimlich gerne Chirurgin werden würde und auch überhaupt kein Problem mit Blut und des weiteren hat, wo ich mich wirklich zusammenreißen muss. Aber ich kann nicht sagen dass sie emotionslos oder dergleichen ist. Sie ist wie jeder andere auch nur dass sie halt nicht so empfindlich bezüglich auf Blut und so ist. Sie arbeitet auch Ehrenamtlich beim DLRG, sie war ziemlich niedergeschlagen als sie eine vermisste Person nicht finden konnten :/ das hat sie schon mitgenommen. Kann ja sein dass manche Ärzte "kalt" sind aber gewiss nicht alle :) 

Das ein Mediziner emotional Abstand zu seinen Patienten hält und voll auf die schwierige Aufgabe konzentriert ist sollte man doch nicht negativ auslegen und Schlüsse auf den Charakter des Menschen ziehen....

Wäre dir ein Operateur zitternd aus Angst,Wut oder Trauer lieber der sich wegen seiner Gefühle nicht konzentrieren könnte?

Finde ich gar nicht. Chirurgen sind auf ihre Behandlung fokussiert und manchmal nicht immer mit Feingefühl unterwegs, aber emotionslos auf keinen Fall. Dann eher Pathologen, die sind bestimmt mehr emotionslos:-)

Ja, habe ich auch schon erlebt, dass Chirurgen manchmal ein wenig kühl sind, aber da wird es auch "normale" geben! ;)

Wie sollen sie den sonst arbeiten,solle sie beim schneiden weinen und sich von ihren Gefühlen ablenken lassen?
Ganz sicher nicht,deshalb ist der Beruf ja auch für Leute die sowas ertragen(ich zum beispiel wär dafür nicht geeignet,ich kann sowas nicht sehen ohne zu weinen oder unkonzentriert zu werden).
Das heisst aber nicht das sie im wahren Leben auch so sind :)

Typischer Fall von Vorurteil. Du wirst in Deinem Leben noch öfter mit vorurteilsbeladenen Menschen zu tun haben. 

Wichtig ist, dass Du Dir kein Bespiel daran nimmst.

Mit herzlichen, unvoreingenommenen Grüßen

Ein Chirurg.

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