Stimmt eigentlich Alles, was in Geschichtsbüchern preisgegeben wird?

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11 Antworten

Das Entscheidende an der Geschichtsschreibung ist die Quellenlage. Je kürzer der Abstand zwischen heute und dem betrachteten Ereignis ist, desto höher ist die Chance, Quellen zu finden. Zu diesen Quellen gehören schriftliche Aufzeichnungen, schriftlich überlieferte Mythen und Erzählungen sowie archäologische Funde.

Aus all diesen Puzzleteilen versucht dann der Historiker ein Bild zusammen zu setzten. Und hierin liegt ein Problem der Geschichtsschreibung, denn es werden nie alle entscheidenden Informationen weitergeleitet. So kennt man recht gut die Ansichten von Bismarck und den Kaiser Wilhelms, da es persönliche Aufzeichnungen, schriftliche Dokumente und Berichte von Zeitzeugen gibt, wie aber ein Industriearbeiter in Berlin, Hamburg oder anderswo gelebt hat, welche Hoffnungen und Wünsche er hatte, kann oftmals nur aus Briefen und anderen Dokumenten mehrerer Menschen der Zeit erschlossen werden, dieser Rückschluss erfolgt immer auch unter Beeinflussung der Annahmen und Erfahrungen des jeweiligen Autors, sodass verschiedene Historiker auf der Basis der gleichen Informationen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Und diese lückenhafte Quellenlage, selbst über die Regierenden, steigt mit der vergangenen Zeit. So kennt man zwar z. B. Karl den Großen, viele heute bekannte Quellen haben aber eine propagandistische Färbung, da der Autor ein bestimmtes Ziel verfolgte, diese Übertreibungen, Auslassungen und Verfälschungen zu erkennen ist nicht immer einfach.

In vielen Fällen der Ur- und Frühgeschichte entwickeln die Historiker auf der Grundlage der bisherigen archäologischen Funde Theorien über das Leben der damaligen Menschen. Diese müssen in sich logisch sein, aber nicht zwingend die reale Vergangenheit widerspiegeln. Oftmals bringen neue Funde neue Fakten, die in die bisherige Theorie nicht mehr widerspruchsfrei integriert werden können, dann muss die Theorie überarbeitet werden. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben von Historikern und Archäologen.

Geschichtsbücher werden teilweise politisch beeinflusst,z. B.sind in Japan noch immer falsche Angaben über Japans Rolle im zweiten Weltkrieg.
Zuweilen irren ja auch Archäologen,oder man erkennt,daß z. B.fast alles vom grausamen Cäsar Nero von seinen Gegnern aufgeschrieben wurde-das wirkt sich halt sehr aus!
Aber generell sind die meisten geschichtlichen Dinge von mehreren Menschen erforscht worden,die Bücher haben viele Quellen.

Man kann aus Ausgrabungen und schriftlichen Aufzeichnungen gewisse Rückschlüsse ziehen. Hierbei müssen die Historiker beachten, dass die schriftlichen Aufzeichnungen fast ausschließlich von den Siegern kriegerischer Auseinandersetzungen stammen. Hierbei können die Historiker richtig liegen, oder sich irren, oder bewusst falsche Aussagen treffen, weil die herrschende Meinung nun mal die Meinung der Herrschenden ist.

Tendenziell enthalten die Geschichtsbücher aber deutlich mehr wahre als falsche Aussagen. 

Deine Skepsis ist durchaus berechtigt. Die Geschichtsbücher können immer nur den gegenwärtigen Stand der Forschung wiedergeben. Das beruht manchmal auf Aufzeichnungen, die lückenhaft oder von Interessen beeinflusst sind.

Ein Beispiel: Die Römer hatten eine sehr ausgeprägte Geschichtsschreibung. Aber sie schilderten alles natürlich so, dass sie dabei besonders gut aussahen. Das prägt bis heute unser Bild vom tollen, kuturell hochstehenden Römischen Imperium. Dieses Bild ist nicht ganz falsch - aber total übertrieben. Das zeigt: Wer schreibt, der bleibt. Von der wahrscheinlich gleichwertigen Kultur der Kelten wissen wir viel weniger - die haben nichts aufgeschrieben.

Dennoch sind die Inhalte unserer Geschichtsbücher nicht komplett falsch, denn viele Irrtümer korrigieren sich im Lauf der Zeit. Ein ganz anderer Punkt ist, dass sich manche Länder schwer damit tun, eigene Fehler oder unrühmliche Epochen anzusprechen. Da hat Deutschland erfreulicherweise eine Kultur entwickelt, z. B. mit der Nazi-Zeit offen umzugehen - während z. B. die Türkei sich heute noch schwer damit tut, den Völkermord an den Armeniern auch so zu nennen. Es gibt auch Beispiele aus anderen Ländern, und wenn eine autoritäre Regierung die Geschichtsbücher beeinflussen kann, kann man sich vorstellen, wie sich das auf den Wahrheitsgehalt auswirkt.

In der Türkei ist kürzlich die Evolutionstheorie aus den Geschichtsbüchern gestrichen worden. Nun steht in den Geschichtsbüchern natürlich nicht drin, daß die Welt früher mal von Eidechsen regiert wurde. Die Falschangaben beziehen sich meist auf Kriegsschuld, die Verschleierung von Verbrechen, die Höherbewertung des eigenen Volkes u.ä. Im großen und ganzen stimmen sie also, nur der wahre Mechanismus halt nicht.

seniorix 05.07.2017, 14:02

In der Türkei ist kürzlich die Evolutionstheorie aus den Geschichtsbüchern gestrichen worden

Was hat den Biologie mit Geschichte zu tun?

Kannst du dafür eine Quelle nennen?

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Geschichtsbücher werden ja nicht von ahnungslosen Laien geschrieben und auch nicht von solchen redigiert. Ferner werden sie von einer kritischen community mit Sachverstand (Lehrer) praktisch dauerüberwacht.

Insofern sind die benannten Fakten alle stimmig und stichhaltig. Wertungen wiederum werden dort eben zur Diskussion gestellt.

Insofern ein glasklare

Ja!

Zumindest wird da der aktuelle Forschungsstand vorgetragen.

Da müsstest du dich halt damit auseinandersetzen, das geht nicht in einem Satz...

Aufzeichnungen. (Schriften, Bilder, etc.)

Eigentlich ist das wie wenn du von deinem besten Freund herausfinden willst, was am Vortag passiert ist. Du schaust auf Indizien, zählst eins und eins zusammen, etc.

Weil die Menschen es aufgeschrieben haben, oder man Rückschlüsse aus archäologischen Funden ziehen kann.

Das Thema Götter gehört allerdings nicht ins Fach Geschichte, sondern ins Fach Religion. Und da wird es sehr eng mit dem Wahrheitsgehalt.

Das meiste wurde nach bestem Gewissen Recherchiert basierend auf Schriften, Erzählungen etc.

 

Ob das wirklich alles zu 100% stimmt? Man weiß es nicht.

Dafür gibt es Archäologen und Historiker, um so was rauszufinden.

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