Stimmt das, das mehr Depressive leute rauchen?

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8 Antworten

"[...] weil mir kommt das [...] fast alle rauchen wieso ist das so?"

Das mag sein, kommt aber nicht ganz hin.

Menschen die an einer depressiven Erkrankung leiden, sind nicht alles Raucher - auch nicht fast. Was jedoch stimmt, ich stütze mich dabei auf eine Studie der Centers for Disease Control and Prevention, ist, dass Menschen mit einer depressiven Erkrankung leiden, mehr und häufiger rauchen, als Menschen ohne eine solche depressive Erkrankung.

Die Studie findet sich, wohlgemerkt auf englisch, bei Interesse, hier:

https://www.cdc.gov/nchs/data/databriefs/db34.pdf

Eine deutsche Zusammenfassung findet sich hier:

https://www.praxis-dr-shaw.de/blog/rauchen-menschen-mit-depressionen-mehr-als-andere/

Als Kernaussage, für die Beantwortung deiner Frage, lässt sich festhalten:

"43 per cent of adults with depression were current smokers compared to 22 per cent without depression."

Die Tatsache, dass Menschen mit depressiven Erkrankungen häufiger und exzessiver rauchen, lässt sich vielfältig Begründen. Zum einen wirkt, so beschreiben es viele Raucher, das Rauchen entspannend und regulierend - insbesondere eine Stresssituation lässt sich mich einer [anschließenden] Zigarette vermeintlich besser bewältigen. 

Dieser Effekt ist begrüßenswert, insbesondere aufgrund der Komorbidität einer depressiven Erkrankung. Als häufigste Begleiterkrankung bei einer Depression, obwohl es immer schwer ist auszumachen, welche nun die primäre Störung ist, sind sämtliche Formen der Angststörung - dementsprechend, aus dem zusätzlichen Stress des Angstgefühls, ist rauchen ein bevorzugtes Mittel zur "Selbstmedikation".

Weiterhin, ohne zu sehr in biologische Feinheiten abdriften zu wollen, ist das Nikotin ein entscheidender Faktor. Im Zentralen Nervensystem regt Nikotin die Ausschüttung von Adrenalin und den Neurotransmittern Serotonin und Dopamin an - es erfolgt entsprechend eine Stimulation durch das Rauchen, welches oft als "Belohnungssystem" beschrieben wird. Gerade im Rahmen einer Depression, ist eine solche Stimulierung ein sehr wünschenswerter Effekt, der so oft herbeigeführt werden will, wie nur möglich - im Endeffekt raucht man also einfach mehr. 

An dieser Stelle hat man entsprechend eine Stressregulation und eine positive Stimulierung zu verzeichnen - Rauche ist bei einer Depression entsprechend attraktiv.

Jetzt könnte man soziale und gesellschaftliche Faktoren noch mit einbeziehen und anführen. Nicht selten sieht man Filme oder liest Bücher mit, scheinbar zu Depressionen neigenden, Charakteren und sieht sie Rauchen und/oder Trinken - es entstehen Verknüpfungen. Gerade im Bezug auf das Trinken von Alkohol findet sich dies häufig. Solche Verknüpfungen werden auf vielen Wegen geschaffen und beeinflussen auch das Verhalten - insbesondere für das Anfangen mit dem Rauchen ist dies entscheidend.

Zusammenfassen kann man dies auch als "Raucher-Ästhetik". Der Mann oder die Frau, die nachdenklich, mit einem verlorenen Blick im ernsten Gesicht, an der Zigarette ziehend, in einer runtergekommenen Bar sitzen oder auch bei sich Zuhause - zwischen massig Qualm, in der unaufgeräumten Wohnung. Rauchen ist schließlich nicht mehr en vogue, sondern ein Symbol für Krankheit, Verfall und Tod geworden - wie gut sich dies doch, mit einer Depression und den Gefühlen dieser deckt.

Es gibt sicherlich noch weitere Erklärungsansätze, schließlich gibt es selten eine pauschale Antwort aber ich hoffe einen Ansatz geboten zu haben. 

Liebe Grüße.

Weil Rauchen wegen dem enthaltenen Nikotin einen "beruhigenden" bzw "entspannenden" Effekt hat, und man damit auch bis zu einem gewissen Grad "Gefühle unterdrücken" kann.

Also zumindest ähnlich wie bei Alkohol. Depressive Leute trinken ja meistens auch gerne.

melymllr 21.01.2017, 10:15

Muss natürlich nicht alles zusammenhängen, und es ist auch garantiert nicht bei jedem so.

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Nashota 21.01.2017, 10:16

Nicht-Depressive trinken (sich) auch sehr gerne (ins Koma).

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Ich war mal in der Psychiatrie auf einer Station für Depression und da haben von 24 Leuten bestimmt 20 geraucht.

Ich kann mir das nur so erklären, dass Rauchen beim Stressabbau bzw beim Entspannen hilft. Beides sind Dinge, die vielen Menschen mit Depressionen schwerfallen.

Ein kleiner Punkt zu deiner Frage, nur weil jemand Depressionen hat, hat er nicht gleich Suizidgedanken und nur weil jemand Suizidgedanken hat, ist er nicht zwangsläufig depressiv.

Nashota 21.01.2017, 11:38

In Kliniken herrscht auch oft Langeweile. Ich habe das letztes Jahr in einer Suchtklinik mitbekommen. Eine an, eine aus. Die Leute wurden zum einen zu wenig beschäftigt. Und zum anderen waren viele Angebote an Auflagen geknüpft, die aus meiner Sicht keinen Sinn ergaben. Das wurde auch im Angehörigengespräch sehr deutlich gemacht von den Betroffenen.

Wer zum Beispiel in die kleine Schwimmhalle wollte, brauchte mindestens 3 "Mitschwimmer". Waren alle anderen aus der Gruppe zu faul, schaute auch derjenige in die Röhre, der sich was Gutes tun wollte.

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depressivekunst 21.01.2017, 11:45

Das kann ich aus der Klinik in der ich war nicht bestätigen.

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Smudo1284 21.01.2017, 13:47
@depressivekunst

@ nashota, sowas was du beschreibst, habe ich von kinder-und jugendpsychiatrie mitbekommen, dass die nur in der gruppe raus durften.

in einer normalen psychiatrie für erwachsene raucht tatsächlich fast jeder, aber das sind nicht nur depressive, sondern egal welche psychische diagnose.

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Ich glaube viele tun es, da es beruhigt, aber ich selbst war in einer Klinik und nicht viele haben dort geraucht. Ich denke nicht dass da wirklich ein Zusammenhang ist. (Meine Meinung). Jeder ist ein Idividuum, in meiner Schule haben 80% geraucht, in der Klinik ur 20%... Ich glaube es hat auch viel mit Stress zu tun, es beruhigt wie ich schon sagte, habe es noch nie getan..

ich habe mal gehört, dass generell die meisten psychisch kranken, egal mit welcher diagnose meistens raucher sind.

das trifft aber nicht auf alle zu, kenne auch psychisch erkrankte, die nichtraucher sind.

warum das so ist, keine ahnung.

ich habe sowieso durch die menschen die ich kenne, das gefühl, dass es normal ist, wenn leute rauchen, wenn da mal ein nichtraucher drunter ist, ist es schön und gut, aber die mehrheit die ich kennenlernte im leben sind raucher, nichtraucher sind in meinem umfeld / bekanntenkreis selten.

in meiner familie sind zwar ein paar nichtraucher, aber weil ich die sowieso manchmal nur einmal im jahr oder seltener sehe, zähle ich sie kaum zu meinem umfeld.


Nur weil man depressiv ist, muss man nicht automatisch Suizidgedanken haben oder rauchen.

Wer raucht, ist süchtig und braucht den Sargnagel aus anderen Gründen.

Denke ich nicht.
Ich bin depressiv und werde nie rauchen.

Vielleicht ist die Gefahr von irgendwas abhängig zu werden (z. B. auch Alkohol) größer, aber das heißt ja nicht das fast jeder süchtig ist ^^

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