Steuerberater werden durch BWL oder Jura studium?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Ein Steuerberater muss in den relevanten Steuergesetzen ziemlich, ziemlich fit sein.

Er muss viele wesentliche Steuergesetzparagraphen quasi auswendig wissen, nahezu alle Paragraphen zumindest inhaltlich kennen und verstehen sowie anwenden können, und es darf nicht einen einzige Steuerrechtsnorm geben, mit der er nicht zumindest vage etwas anfangen kann.

Mehr noch, er muss sich regelmäßig und intensiv mit den einschlägigen Interpretationen des Steuerrechts befassen - also verstehen, was eine Rechtsnorm inhaltlich bedeutet, das mit anderen Rechtsnormen verknüpfen können und daraus auch - für den Laien unerwartete - Konsequenzen schließen können.

Dazu muss er sich regelmäßig mit aktuellen Informationen füttern und immer auf dem Laufenden in Sachen Steuerrecht bleiben.

Das ein Steuerberater einen Mandanten aufgrund veralteter Kenntnisse falsch berät, darf nicht passieren!

Dieses Wissen setzt der Steuerberater u.a. dazu ein, um für Kaufleute und größere Unternehmen anhand deren Daten die Buchhaltung zu führen (wobei das eher ein Nebengeschäft ist, welches seine Angestellten übernehmen) und im wesentlichen die Jahresabschlüsse seiner Mandanten zu erstellen. Dazu muss er auch souverän Fehler in der Buchführung seiner Mandanten erkennen und korrigieren.

Selbstverständlich hat sein Beruf auch sehr viel mit komplexer Finanzmathematik zu tun.

Mal so als kleines Schmeckerwöhlerchen die Berechnung der Pensionsrückstellungen unter Zugrundelegung von Gehältern, Zugehörigkeit und Alter der Mitarbeiter und  anschließend noch die Abzinsung der Rückstellungen auf den Gegenwartswert.

Kurz: Der Steuerberater muss für seine Mandanten einen Jahresabschluss aufstellen (oder ihnen dabei beratend zur Seite stehen), an dem nichts für das Finanzamt zu bemängeln ist. Dabei noch legale Gestaltungsmöglichkeiten finden, die die Steuerlast des Mandanten gering hält oder andere erklärte Ziele des Mandanten erreichen.

Meiner persönlichen Meinung nach (aber da sind sicher etliche anderer Meinung) ist ein verheißungsvoller Weg dorthin über den Bilanzbuchhalter und langjährige Erfahrung in einem etablierten Steuerberaterbüro.

Am besten BWL (FH-Studium reicht schon) mit Schwerpunkt Steuern. Inzwischen gibt es sogar schon spezialisierte FH-Sudiengänge "Taxation".

Danach einschlägige Praxis und dann die Steuerberaterprüfung. Ist aber gepfeffert und nicht mal eben so nebenbei erreichbar !

Ein Steuerberater kommt aus dem Bereich der BWL. Er muß Buchungsätze und Sachlagen bewerten können. Dazu gehört es auch den Kontenrahmen mehr oder weniger auswendig zu können.

Buchhaltung ist wie eine Fremdsprache. Da übersetzt man Zahlungsvoränge und Abläufe in die Sprache der Buchaltung. Dabei ersetzt man Begriffe wie z. B. Kasse oder Bank durch Zahlen.

Beispiel: Bargeld von der Bank holen und in die Portokasse einzahlen heißt dann nur noch Bank an Kasse über Transitkonto = 1200 an 1360 und 1360 an 1100.

Dafür muss man einfach wissen, wie was gebucht wird und wie die bestehenden Gesetze dafür angewand werden. Diese Zahlenkolonnen gibt man in Programme ein wie z. B. Lexware, SAP oder DATEV. Diese Programme muss man dafür auch bedienen können. Das Rechnen übernehmen diese Programme. Man selber rechnet nur noch, um es zu kontrollieren, ob man es richtig gebucht hat.

Klar muss man dafür Gesetze wissen, aber in erster Linie ist das eine Gedächnisleistung und Fleißarbeit.

Was du da vom Aufgabenbereich beschreibst, ist ein Wald- und Wiesenbuchhalter, noch nicht mal ein Bilanzbuchhalter, und schon gar nicht ein Steuerberater.

1
@Mojoi

Wenn man einen Vorgang beschreibt, dann nimmt man immer einfache Beispiele und nicht totale Insiderbeispiele. Wie sonst soll man erkären, was im Prinzip dabei passiert?

Ein Bilanzbuchhalter und ein Steuerberater sind für mich einfach hoch qualifizierte und gut ausgebildete Buchhalter. Sie machen im Prinzip das Gleiche nur mit komplizierten und komplexen Vorgängen (Fristen und viel Papierkrieg). Soll ich einem der sich nicht zwischen Jura und BWL dafür entscheiden kann erkären wie man Bilanzen aufstellt, abschreibt, Provisionen oder 1/11 Regeln errechnet, um das Wesen des Steuerwesens aufzuzeigen?

Steuerberater und Bilanzbuchhalter sind eben wandelnde Gedächnisspeicher und Fleißarbeiter. Auch sie müssen ihr Handwerk dabei verstehen und die üblichen Steuerprogramme bedienen können.

0
@Realisti

Das trifft es schon eher.

Aber mit deiner eingängigen Antwort hast du eher falsche Hoffnungen geweckt, dass man da nur "Bank an Kasse" buchen muss.

Du hättest ruhig tief in die Kiste greifen können. Denn Steuern auf Profi-Niveau ist ein hochkomplexes Thema, bei dem viele auf der Strecke bleiben. Da darf man ruhig ein bisschen einschüchtern.

0
@Mojoi

Die Buchung "Bank an Kasse" ist nicht erlaubt.

0
@Realisti

Was für ein Quatsch!

Bareinzahlung auf eigenes Bankkonto. Was soll daran nicht erlaubt sein??? Quelle?

0
@Mojoi

Die Buchung geht über Transitkonto 1360. Direkt bekommt man Ärger bei jeder Steuerprüfung. Ist nicht erlaubt, da es die buchalterische Klarheit stört. Das ist ein Klassiker.

0
@Realisti

Ich wiederhole: Das ist Quatsch!

Es birgt bestenfalls das Risiko eine Doppelbuchung, und die Verwendung eines Transitkontos ist EIN Weg, das zu umgehen, aber die Direktbuchung zwischen zwei verschiedenen Finanzmittelkonten ist mitnichten verboten.

Welche Steuerrichtlinie oder welcher Anwendungserlass soll denn das hergeben?

1
@Mojoi

Ich habe erst im Fühling meine Prufung zu dem Thema abgelegt.

Für die Nichtbenutzung des Transitkontos gab es schweren Punktabzug, weil schwerer Anfängerfehler.

Unser Finanzamt macht zudem schwer Ärger, wenn man es nicht benutzt. Ohne stehen gleich böse Verdächtigungen im Raum und man wird besonders akribisch geprüft.

0
@Realisti

Ein Bilanzbuchhalter und Steuerberater machen im Prinzip vielleicht das gleiche aber im Detail sieht das ganz anders aus. Der Steuerberater ist noch mal eine Klasse höher und hat im Vergleich zum Bilanzbuchhalter viel tiefgreifenderes Gesetzeswissen als der Bilanzbuchhalter. Die "direkte Vorstufe" (wenn man es so nennen will) ist der Steuerfachwirt, dieser ist auf gleicher Höhe mit dem Bilanzbuchhalter hat allerdings den Schwerpunkt Steuergesetzte. Ein Bilanzbuchhalter bekommt schon einiges an Wissen der Steuergesetze vermittelt hat aber als Schwerpunkt eher Kosten- und Leistungsrechnung sowie Finanzierung. Im Vergleich zum Steuerfachwirt werden hier die Gesetze nur mal gestreift.

Ich persönlich habe großen Respekt vor den Steuerberatern, deren Fachwissen ist so gut wie ungeschlagen. Nicht ohne Grund liegt die Durchfallquote bei der Steuerberaterprüfung bei 70-80% und bei den Bilanzbuchhaltern und Steuerfachwirten liegt die Quote eher bei 50-60%.

0
@JaBu84

Ein Bilanzbuchhalter und Steuerberater machen im Prinzip vielleicht das gleiche...

Würde ich (als Bilanzbuchhalter) niemals (!) behaupten.

... dieser ist auf gleicher Höhe mit dem Bilanzbuchhalter hat allerdings den Schwerpunkt Steuergesetzte.

Da liegt auch beim Bilanzbuchhalter der Schwerpunkt.

Im Vergleich zum Steuerfachwirt werden hier die Gesetze nur mal gestreift.

Diese Sichtweise teile ich keinesfalls.

Ich persönlich habe großen Respekt vor den Steuerberatern, deren Fachwissen ist so gut wie ungeschlagen.

100%ige Zustimmung.

 

1
@Realisti

Ich nehme an, dass war eine Kaufmannsprüfung?

Den Kaufleuten werden in der Ausbildung einige gängige und übliche Buchungstechniken beigebracht, um sich selbst vor häufigen und bekannten Fehlern in der Praxis zu schützen.

Dementsprechend erwartet man auch, dass diese Techniken angewandt werden, ob sie nun gesetzlich vorgeschrieben sind oder nicht.

Ich könnte mir hier konkret vorstellen, dass es um die taggleiche Buchung der Bareinzahlung geht. Da von Seiten der Bank am Einzahlungstag noch kein Beleg vorliegt, kann und darf die Bank an diesem Tag nicht bebucht werden. Da hilft natürlich beispielsweise ein Transitkonto.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Direktbuchung  nicht verboten ist.

Wenn du dich intensiv mit dem Thema befasst hast, kannst du auch sicherlich eine Quelle nennen, die dieses Verbot hergeben soll.

0
@Mojoi

Meine Kaufmannsprüfung habe ich bereits vor 30 Jahren abgelegt.

Nein, ich habe Anfang des Jahres mal wieder Buchhaltungskurse belegt um mich auf dem Laufenden zu halten und um zu gucken  "was es so Neues gibt"

Manche Finanzämter und ihre Leute haben ihre eigene Sichtweise zu den Gesetzen. Auch wenn man anders buchen würde, bestimmen sie wo es langgeht. In unserem Bezirk steht man auf dem Standpunkt: Eine Firma die ohne Tansitkonto Zahlungen hin- und herbewegt versucht was zu drehen. Punkt! Sie gestatten Buchungen ohne nur sehr kleinen Betrieben mit überschaubarer Anzahl vorn Buchungen.

Da lassen sie auch nicht mit sich diskutieren.

0

Kein Jurist muss Gesetze auswendig lernen. Erstens könnte das niemand, zweitens darf man die Gesetze in der Prüfung benutzen. 

Steuerberater kennen viele Paragraphen (sicherlich alle relevanten) des Steuerrechts tatsächlich auswendig, bis auf den Buchstaben genau. Bei den Bilanzbuchhaltern ist es abgeschwächter, sie kennen einige essentielle Paragraphen nahezu auswendig, können viele sinngemäß wiedergeben und haben von fast allen Paragraphen zumindest eine vage Ahnung, um was es da geht.

Und wer in der Prüfung erst anfangen muss, in den Gesetzen zu blättern, hat eh schon verloren. Das muss aus dem ff kommen, das muss sitzen.

Denn - ich zitiere meinen Dozenten - in der Prüfung haben Sie alles mögliche, nur keine Zeit!

0

Was möchtest Du wissen?