Sterben im Alter/Krankheit, allein oder im Beisein?


16.02.2020, 06:17

Meint ihr, Sterbende ohne Bewusstsein, können im "Unterbewusstein" noch handeln?

Z.b. Schwerkranke die Angst haben oder nicht sterben wollen, können den Tod gewissermaßen hinauszögern. Welche die loslassen können und im vorneweg sagen "es ist ok wenn ich sterbe", sterben meist schneller. So meine Auffassung.

Wenn jemand im Sterbeprozess nicht mehr bei Bewusstsein ist, denkt ihr er ist in einer gewissen Art dennoch fähig Dinge zu "kontrollieren" - beispielsweise warten bis die Personen den Raum verlassen?

12 Antworten

Und genau das ist es ,Menschen sterben erst wenn ihre Angehörigen den Raum verlassen haben.So war es bei meiner Mutter.Habe es schon bei meinen Vater nicht ertragen.Habe sie in Stich gelassen und mache mir Vorwürfe.Gerade da möchte man doch da sein für die Menschen die man so geliebt hat und es noch tut über den Tod hinaus.Sie waren auch immer für mich da.Man möchte was zurückgeben.Für mich war das ,das schlimmste überhaupt.Man wollte ihre Hand halten zeigen bin da bist nicht alleine.Wenn einen das genommen wird ist der Abschied noch schlimmer.Man hat sie überlebt und durfte nicht mal bis zum Ende bei ihnen bleiben.

Was dabei auffällt ist ganz häufig, dass Menschen trotz aktivem Sterbeprozess, erst dann versterben wenn die Familie den Raum verlassen hat.

Da kann ich Dir teilweise beipflichten denn ich habe es persönlich auch erleben müssen als mein Mann mich verlassen hat!

Ich war die letzten 5 Tage und Nächte immer an seiner Seite! Als es dem Ende zuging verlangte mein Mann nach seinem Bruder, der dann auch sofort mitten in der Nacht im Krankenhaus eintraf!

Nachdem er sich von meinem Mann verabschiedet hat, habe ich meinen Schwager aus dem Zimmer begleitet, wir blieben nur kurz vor der Tür stehen und ich ging wieder in das Zimmer zurück.

Ich habe mich ins Bett gelegt und nach ein paar Minuten ist mir aufgefallen, dass ich den Atem meines Mannes nicht mehr wahr nehmen konnte. Den Tag war es sehr deutlich wahrnehmbar und nicht zu überhören, so ist es kurz vor dem Sterben wurde mir vom Krankenhauspersonal berichtet.

Ich ging an sein Bett und musste feststellen, er hat in dem Moment, wo ich aus dem Zimmer war das Leben verlassen.

Wieso, weshalb und warum das so ist, ist wohl für niemanden erklärbar denn wiederum gibt es auch Sterbende, die in den Armen eines geliebten Menschen ihren letzten Atemzug tun.

Mein Mann war bis zu seinem letzten Atemzug noch bei vollem Bewusstsein und ich würde auch behaupten wollen er wusste, dass es dem Ende zuging.

das sind Fragen, über die man heute nicht nachdenkt und das Thema wird gerne verdrängt. Das Sterben gehört zum Leben dazu - und Sterbebegleitung ist eine zutiefst menschliche Aufgabe. Ich bewundere dich dafür.

Ich sehe es so - die Versterbenden wollen vielleicht unbewusst die Angehörigen nicht belasten mit dem Finalen Atemzug. Der Vergleich hinkt zwar, aber der letzte Atemzug ist etwas sehr intimes, und vor Fremden vielleicht einfacher. Sicher ist es in anderen Kulturen anders gehandhabt.

Ja die Vermutung habe ich auch. Es ist einfach sehr faszinierend oder fraglich, in wie weit das Sterbende noch kontrollieren können, ob da so ein Wille ist, um beeinflussen zu könnem "wann" man den letzten Atemzug macht.

Danke für deine Antwort.

2

Sterbebegleitung wie du sie machst, ist eine tiefmenschliche Aufgabe. Danke, dass du dich dafür entschieden hast.

Dieses Thema beschäftigt mich immer wieder. In meinem Praktikum in einem Pflegeheim durfte ich den Sterbeprozess einer hochbetagten Frau, zusammen mit einer sehr erfahrenen Pflegerin, miterleben. Es schien mir im Nachhinein, als wollte diese Frau nicht allein sterben. Während des Waschprozesses ist sie plötzlich gestorben. Meine Vorgesetzte hat auch anschliessend noch liebevoll mit ihr gesprochen. Das war meine erste Begegnung mit dem Tod, sehr berührend, aber auch schön.

Beim Tod einer Verwandten war die ganze Familie am Sterbebett anwesend. Zwei Personen, die sich äusserst unwohl und gestresst gefühlt haben, verabschiedeten sich vorzeitig. Ein paar Minuten später konnte die Sterbende loslassen. Auch das liess bei mir Fragen zurück.

Wer sich mehr mit diesem Thema befassen möchte, dem empfehle ich das Buch von Elisabeth Kübler-Ross "Gespräche mit Sterbenden". Sie gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Sterbeforschung.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich habe von Kollegen im Krankenhaus schon Geschichten gehört, dass manche erst verstorben sind wenn die Familie noch einmal da war. Da herrscht jedoch weniger die Meinung vor, dass sie nicht Sterben "wollen" solange die Familie noch dabei ist, sondern das sie die Familie (oder ihnen wichtige Menschen) noch ein letztes mal sehen wollen bevor sie gehen. Ist dieser Wunsch dann erfüllt, können sie leichter los lassen.

Sicher ist das natürlich nicht, aber ich finde es eine schöne Erklärung.

Ich finde es auch ganz toll, dass du das machst. Es ist traurig, wenn man alleine sterben muss

Ja das mit dem "warten bis die Familie da ist" ist mir auch schon aufgefallen. Allerdings kenn ich es nur so dass sie warten bis alle sich verabschieden konnten, aber gestorben sind erst dann wenn sie den Raum verließen und das tatsächlich kurz drauf.

1
@DerStudent1993

Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie ist mir gerade der Gedanke gekommen, dass diese Menschen ihren Familien vielleicht keine Sorgen machen wollen. Das ist jetzt nicht so schön formuliert, da das Sterben immer Sorge und Trauer hervorruft, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch etwas anderes ist wenn man dabei ist wie jemand stirbt oder wenn einem gesagt wird das der Angehörige nun Verstorben ist.

Womöglich versuchen die Sterbenden Menschen ihren Familien so die Situation zu erleichtern

1
@Tsukino38

Ja das Gefühl hab ich auch.

Gerade in so Fällen wo die Person dann tatsächlich nicht bei Bewusstsein ist (bzw. man weiss das ja nicht so genau was da noch wahrgenommen wird), finde ich das sehr, .. mir fällt kein passendes Wort ein, fasszinierend oder bin verwundert, wie das "sein kann". Auch in wie weit diese Menschen das noch mitbekommen oder kontrollieren können. Bekannt ist mir dass bei Schwerkranken die am Leben klammern oder Angst haben, den Tod "herauszögern können", welche die einfach loslassen können, schneller sterben manchmal. Ob da im "Unterbewusstsein" irgendwas abläuft obwohl sie gar nicht mehr bei Bewusstsein sind!?

2
@DerStudent1993

Ich stelle mir häufig die Frage wie viel Menschen noch mitbekommen die z.B im Koma liegen. Ob sie Dinge noch willentlich beeinflussen können. Gerade das erst Sterben wenn die Familie da war.

Das wird wohl leider für immer ein unerforschtes Feld bleiben. Oder man findet es erst heraus, wenn man selber soweit ist.

1

Was möchtest Du wissen?