Sterbehilfe - Moralisches Dilemma?

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4 Antworten

  • Für mich persönlich besteht das primäre Dilemma bei Sterbehilfe darin, den Missbrauch zu verhindern. Also Menschen nur deswegen sterben zu lassen, weil ihre Behandlung oder Pflege teuer oder "unbequem" geworden ist. Ein moralisches Dilemma kann daraus werden, wenn sterbenskranke oder dauerhaft auf intensive Pflege angewiesene Menschen es irgendwann quasi als moralische Verpflichtung ihrerseits sehen würden, ihren Verwandten nicht mehr zur Last zu fallen und den Freitod durch Sterbehilfe wählen zu "müssen". Eine sehr freizüge Regelung zur Stebehilfe kann durchaus moralisch auch vorschnell dazu verleiten, bestimmte Zustände nicht mehr als lebenswert anzusehen.
  • Auf der anderen Seite denke ich, dass jede Form der Freiheit natürlich auch ein Potential für Missbrauch beinhaltet und das Selbstbestimmungsrecht des Menschen, in einem für ihn nicht mehr lebenswerten Zustand den Tod zu wählen, auf jeden Fall höher einzuschätzen ist. Das Siechtum am Ende des Lebens in einem Zustand ohne jede Aussicht auf Besserung ist nicht zumutbar und wer es einmal bei Verwandten selbst erlebt hat, der weiß, dass hier Sterbehilfe richtig wäre und würde es sich fast immer für sich selbst wünschen.
  • Es wird so viel von Würde und Moral geredet, aber wie unwürdig, grausam und mit unfassbarem Leid verbunden die Endphase des Lebens sein kann wird dabei oftmals völlig ignoriert. Würde wird von vielen Kirchenvertretern und anderen Gruppierungen, die von sich meinen, die Moral gepachtet zu haben, völlig falsch interpretiert. 
LifestyleQueen 25.11.2016, 13:31

Vielen Dank! Diese Antwort ist sehr hilfreich für mich !:)

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Der Blickwinkel sollte sein, warum Menschen dies wollen??
Selbstbestimmungsrecht gehört gefördert!! Ok aber aus welcher Intension heraus.

Hier sind Daten von Dignitas Schweiz:
80% der Patienten hatten eine Neurologische Erkrankung! Der Rest Krebs u.a..
Die Pat. haben waren am Beginn ihrer Erkrankung oder mittendrin, nicht erst am Ende. Hatten meist noch nicht mal Schmerzen.

Intension für den assistierten Suizid: die meisten sagten, man will keinem zur Last fallen.

So und nun stelle ich ein paar Fragen in den Raum:
Wie geht es dem Team (ich sag jetzt mal absichtlich nicht Arzt, wenn er auch die Verantwortung trägt) bei dieser Tätigkeit??

Einige sagten auch, warum sie es tun: ich kann es mir leisten. Dignitas kostet ca. 15.000 (sic!) €!

Welcher Gesellschaftliche Druck muss auf den Menschen liegen, dass sie sich dafür entscheiden!

Angehörige verstehen die Entscheidung oft nicht, weil der Todeszeitpunkt des natürlichen Todes unbekannt in der Zukunft liegt, und man einige Zeit noch zusammen leben könnte.

....und diesem Menschen das Leiden zu verlängern? Eine andere Alternative gibt es für mich nicht. Leidensverlängerung ist in meinen Augen etwas zutiefst unmoralisches.Ich möchte ganz für mich alleine entscheiden, wann es für mich zuende ist. Aber ich glaube, das wird jetzt eine lange und interessante Diskussion! :-)

LifestyleQueen 25.11.2016, 13:11

Ja das habe ich mir auch schon überlegt:) Danke dir :) brauchte einen kleinen Schubs.
Deshalb habe ich das Thema auch gewählt. Ich finde es sehr interessant und möchte damit einen Kompromiss finden. Ich denke, jeder hat ein Recht darauf, selbst zu bestimmen, wann es vorbei sein soll. Denn wer würde denn gerne weiterleben, wenn man todkrank ist und die beste Zeit hinter sich hat? Jetzt fehlt mir noch ein Gedankenexperiment:)

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Was verstehst du unter Sterbehilfe??

Wenn du schon eine Diskussion lostreten willst, solltest du dies präzisieren. Wie z. B. assistierter Suizid.

Ich kann in diesem Kontext immer wieder nur auf die Möglichkeit von Palliative Care hinweisen.

LifestyleQueen 25.11.2016, 13:14

Oh stimmt, muss ich vergessen haben. Assistierten Suizid meinte ich.

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Heduda12 25.11.2016, 13:16
@LifestyleQueen

Welche Erkrankungen glaubst du und was sind die Hintergründe wieso Personen sich dafür entscheiden??

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Dxmklvw 25.11.2016, 14:04
@LifestyleQueen

Der gesellschaftliche Blickwinkel in dieser Diskussion liegt mir nach meinem Geschmack viel wenig auf den weiteren Folgen, die sich daraus für solche Assistenten ergeben können.

Wie fühlt sich ein Arzt, der jemandem hilft, daß Ende abzukürzen, wenn er am Tag darauf erfährt, daß es ein Heilmittel gegen die betreffende Krankheit gibt, er davon aber nichts gewußt hatte, vielleicht noch verbunden mit dem Selbstvorwurf, sich nicht gründlich genug informiert zu haben?

Das ist zwar ein Extrembeispiel, wie es in der Praxis eher nicht vorkommt, aber es ist ein Denkanstoß dafür, daß es noch weitere Aspekte gibt, die das Dilemma noch mehr vergrößern.

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