Stammzellen spenden? Wie macht man das?

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2 Antworten

Hallo, 

ich habe bereits peripher Stammzellen gespendet und auch operativ Knochenmark. Zuerst war bei mir die operative Spende und dann nur 6 Wochen später die periphere Entnahme übers Blut. Dies ist sehr selten und wurde nur angefragt, weil bei meiner Patientin aus den USA die Stammzellen leider nicht richtig angewachsen sind. Ich schreib dir mal ein bisschen was zu den beiden Verfahren und meinen eigenen Erfahrungen, ansonsten schau einfach mal nach meinen anderen Beiträgen oder frag einfach, wenn du etwas bestimmtes wissen möchtest. Meine Spenden liefen über die DKMS und waren beide in Köln bei der Cellex.

Mittlerweile werden die Stammzellen nur noch in 20% der Fälle operativ entnommen. Das Knochenmarkblut wird unter Vollnarkose über eine stabile Hohlnadel aus dem Beckenkamm entnommen. Der Spender hat danach für ein paar Tage Schmerzen, ähnlich wie bei einem Muskelkater. Bei mir war es so, dass ich mich gefühlt habe wie eine alte Oma, weil manche (vor allem schnelle Bewegungen) nicht so gut geklappt haben, aber ich fand es dann eher lustig, nach ca. 5 Tagen hatte ich jedoch schon gar keine Schmerzen mehr und irgendwelche Langzeitnebenwirkungen hatte ich auch nicht. Zur Entnahme konnte ich eine Person mitnehmen, die hat dann im Hotel übernachtet und ich selber war in der Klinik, am Tag nach der Entnahme durfte ich wieder nach Hause und war für knapp eine Woche krankgeschrieben.

Bei der peripheren Stammzellentnahme muss der Spender sich 5 Tage vor der Spende den Wirkstoff G-CSF subkutan in den Bauch oder die Oberschenkel spritzen. Wenn man sich das selber nicht zutraut kann man auch einen Pflegedienst hinzuziehen. Ich selbst habe mich von meinem Freund spritzen lassen, da ich keinen Pflegedienst rufen wollte aber es mir selbst auch nicht zugetraut habe (habe ein wenig Probleme mit Spritzen ;)) Die Spritzen sind jedoch ähnlich dünn wie Thrombosespritzen und das Spritzen ist  wirklich gut zu schaffen. Den Wirkstoff muss man sich spritzen, weil er die Stammzellenproduktion im Blut anregt und die Stammzellen ins Blut "ausgeschwemmt" werden. Das macht der Körper von selbst, wenn man z.B. eine Grippe hat. Beim Spritzen können grippeähnliche Symptome auftreten, da dem Körper vorgetäuscht wird, dass er eine leichte Grippe hat. Bei mir zeigten sich die Nebenwirkungen vor allem als Ziehen im unteren Rückenbereich und einer teils extremen Müdigkeit. Jedoch konnte ich trotzdem weiter Arbeiten (Nachtschicht). Wenn dies aber nicht möglich sein sollte, kann man sich auch krankschreiben lassen und auch Paracetamol gegen die Schmerzen durfte man nehmen. Zur Spende durfte ich wieder eine Person mitnehmen und da die Spende ambulant war konnte ich auch im Hotel übernachten und musste nur am Morgen pünktlich in der Klinik sein. Die eigentliche Entnahme erfolgt ähnlich einer Plasmaspende. Man bekommt links und rechts einen Zugang gelegt, eine Seite für die Entnahme und die andere Seite dann für die Rückgabe. Dazwischen wird das Blut gefiltert und es werden ihm gerinnungshemmende Mittel beigefügt. Dies kann dazu führen, dass die Gliedmaßen etwas kribbeln. Das war auch bei mir der Fall und dann wurde mir einfach eine Kalziuminfusion angehangen, nach wenigen Minuten war es dann auch besser. Die Entnahme dauert ca. 4 Stunden, je nach der benötigten Menge an Stammzellen und natürlich auch abhängig davon wie viele Stammzellen der Körper produziert hat. In der Zeit wird man mit Essen und getränken versorgt, man kann fernsehen und ich konnte auch ein Mal zur Toilette.

Also beide Spendeverfahren keine große Sache. Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen. Wie gesagt, wenn du spezielle Fragen hast, kann ich sie dir bestimmt beantworten, aber ansonsten ist es einfach viel zu viel was man da schreiben kann ;) 

Liebe Grüße

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Kommentar von Brainafktime
09.03.2016, 06:22

Danke für mal eine ordentliche, ausführliche und kompetente Antwort!

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Bezüglich der Stammzellenspende haben ich mal gehört, dass das Entnehmen von Knochenmark nicht sehr angenehm sein soll. Über das Blut, gerade über Nabelschnurblut, merkt man aber gar nichts! Hier wird das Blut erst aus der Nabelschnur gewonnen, nachdem diese ihren Zweck erfüllt und "abgenabelt" wurde. Das ist denke ich die angenehmste Methode! Bei Unternehmen wie http://www.seracell.de/ können diese Stammzellen das eingelagert werden und Gutes tun. :)

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