Stammbaumanalyse Vorgangsweise

1 Antwort

Hallo MerKe,

das Thema deiner Klausur ist eigentlich sehr interessant und sobald du es verstanden hast, wirst du das wahrscheinlich auch so sehen. Man kann nämlich anhand solcher Stammbäume wie ein kleiner Forscher Erbkrankheiten auf den Grund gehen. Im Prinzip ist es wie ein kniffliges Rätsel. :-)

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Fangen wir mal mit ein paar Definitionen an. Das Wort gonosomal kommt von "Gonosomen" und das sind die Geschlechtschromosomen - also beim Mann "XY" und bei der Frau "XX". Ein gonosomaler Erbgang ist somit einer, bei dem die zu untersuchende genetische Veränderung auf einem Geschlechtschromosom liegt. Meistens ist das dann das X-Chromosom, nur sehr selten das Y-Chromosom. "Autosomen" sind alle Chromosomen bis auf die Geschlechtschromosomen, somit bezeichnet autosomal Erbgänge, die die Chromosomenpaaren 1-22 betreffen.

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Du weißt bestimmt, was dominant bzw. rezessiv in Zusammenhang mit Vererbung bedeutet, aber der Vollständigkeit halber...

Rezessiv ist ein Erbgang dann, wenn für eine phänotypische Ausprägung des untersuchten Merkmals beide Allele des Gens die Veränderung beinhalten müssen. Beide Eltern müssen also dieses Allel vererbt haben.

Dominant ist ein Erbgang dann, wenn für eine phänotypische Asuprägung des untersuchten Merkmals nur ein Allel des Gensverändert sein muss. Somit ist es möglich, dass nur ein Elternteil ein solches Allel vererbt hat.

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Nun gibt es Erbgänge, die sind autosomal-rezessiv und welche die sind autosomal-dominant.

Diese Erbgänge beziehen sich also immer auf die Chromosomen, die keine Geschlechtschromosomen sind und diese können rezessiv oder dominant vererbt werden. Solche Erbgänge unterscheidet man innerhalb einer Stammbaumanalyse dadurch, dass bei dominaten Erbgängen in jeder Generation der entsprechende Phänotyp auftritt, also gibt es in jeder Generation Individueen, die das beobachtete Merkmal zeigen. In rezerssiven Erbgängen hingegen werden Generationen übersprungen und nicht in jeder Generation gibt es Individueen, bei denen das Merkmal ausgeprägt ist.

Wenn zum Beispiel beide Elternteile nicht betroffen sind, aber deren Kinder teilweise betroffen sind, dann wird das Merkmal rezessiv vererbt. Die Eltern geben dann das Merkmal weiter ohne es auszuprägen und müssen beide heterozygot für dieses Merkmal sein, also 2 verschiedene Allele für dieses Merkmal haben.

Wenn das Merkmal dominant vererbt wird, können betroffene Eltern nur nicht betroffene Kinder haben, wenn keiner der Elternteile homozygot für dieses Merkmal ist. Sind bei einem domianten Erbgang beide Elternteile gesund, bzw. das Merkmal nicht ausgeprägt, so tragen sie auf keinen Fall mehr das Allel für das Merkmal in sich - sind also homozygot und können somit das Allel für das Merkmal auch nicht weitergeben.

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Bei dem gonosomalen Erbgang gibt es ebenfalls eine rezessive Varianten und einen dominante, wobei das Prinzip natürlich das gleiche wie beim autosomalen Erbgang ist.

Der Unterschied liegt darin, dass die unterschiedliche Zusammensetzung der Geschlechtschromosomen bei Mann und Frau zu einer geschlechtsspezifischen Vererbung und Ausprägung führt.

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Ist der Erbgang gonosomal-rezessiv, sind deutlich mehr Männer als Frauen betroffen, da Frauen 2 Allele für das Merkmal auf beiden X-Chromosomen haben müssen um das Merkmal auszuprägen, während bei Männern ein Allel für das Merkmal auf dem einen X-Chromosom reicht. Männer können dieses Merkmal somit nur von der Mutter erben, da sie daher ihr X-Chromosom haben.

Beim gonosomal-dominanten Erbgang ist die Tochter eines betroffenen Mannes automatisch auch betroffen, da sie das X-Chromosom erbt, welches ja dominant ist. Während der Sohn eines betroffenen Mannes dieses Merkmal nicht erben kann, da er nur dessen Y-Chromosom erbt. Ist ein Sohn betroffen, kann er in diesem Erbgang somit nur von der Mutter das entsprechende X-Chromosom haben.

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Wenn du einen Stammbaum vor dir hast, dann schau erstmal, ob der Erbgang rezessiv oder dominant ist.

Anschließend kannst du dann anhand der Erkennnungszeichen, die ich dir beschrieben habe, entscheiden, ob der Erbgang autosomal oder gonosomal ist.

Wenn du noch Fragen hast, dann melde dich gerne bei mir. Außerdem kannst du auch gerne ein Beispiel heraussuchen, dann gehen wir das mal zusammen durch. :-)

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Viel Spaß mit den Stammbaumanalysen und viel Glück bei der Klausur,

Qualia

Beste Definition, die ich je gelesen habe :-) Mir ist so einiges klar geworden. Ich danke dir sehr für deine ausführliche und sehr informative Antwort! Werde jetzt versuchen das ganze mal anzuwenden.. Melde mich falls ich Probleme habe :-)

Vielen, vielen Dank !!!

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@MerKe10

Kein Problem! :-) Melde dich einfach, wenn es Fragen gibt.

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