Staatsverschuldung: Fiskalpolitik oder groß angelegter Betrug?

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6 Antworten

Ob Staatsverschuldung durch eine ausgabenfreudige Fiskal- und Sozialpolitik, welche die Leistungskraft der eigenen Wirtschaftsleistung übersteigen, ein groß angelegter Betrug ist, kommt auf viele Faktoren an. Staatsverschuldung heißt ja, dass die Ausgaben des Staates höher sind als seine Einnahmen aus Steuern, Gebühren und Dienstleistungserstattungen. Jetzt kommt eine Investitionsrechnung zum Tragen:

Werden die Schulden unproduktiv für Soziales oder Militär oder sonstigen Konsum ausgegeben oder produktionsfördernd für Bildung, Infrastruktur oder andere Investitionen? Überwiegen die konsumptiven Ausgaben und finanzieren sich die Politiker nur Wahlgeschenke, die später über den Schuldendienst die Beschenkten durch Steuer- und Gebührenerhöhungen, Minderleistungen des Staates bei gleichen Einnahmen oder schleichende Enteignung durch politisch gewollten Niedrigzins selbst bezahlen müssen, dann ist es Betrug.

Werden die Schulden für investive Ausgaben gemacht, sodass die Wirtschaftsleistung durch die Produktionsförderung steigt, sodass die Zinsen und Abzahlungen aus den Leistungssteigerungen bezahlt werden können, dann ist es solide Wohlstands- und Wirtschaftsförderung. Wenn also die Steigerung der Wirtschaftsleistung in China die Steigerung der Staatsverschuldung übertrifft, dann hat diese das Land vorangebracht. Wurde wie in Griechenland nur zu Gunsten weniger umverteilt und ein unproduktiver Beamtenmoloch finanziert, dann verarmt das Land.

Ein gern gebrachtes Beispiel ist folgendes:

Ein reicher Deutscher fährt durch Rhodos und hält bei einem kleinem Hotel an. Er sagt dem Eigentümer, dass er gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten, und legt als Kaution einen 100€ Schein auf den Tresen. Der Hotelier gibt ihm einige Schlüssel.
-Als
der Besucher die Treppe hinaufgegangen ist, nimmt der Eigentümer den
Geldschein, rennt zum Metzger und bezahlt seine Schulden.
- Der Metzger nimmt das Geld und bezahlt den Bauern seine Schulden.
- Der Bauer geht zu seiner Stammkneipe um seine Schulden dort zu zahlen.
- Der Wirt schiebt den Schein einer sitzende Prostituierte, die auch
harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf
Kredit gegeben hatte.
- Die Prostituierte rennt zum Hotelier um ihre ausstehende Zimmerrechnung zu bezahlen mit dem 100€ Schein.
- Der Hotelier legt den 100€ Schein wieder zurück auf den Tresen.

In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen
Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt - und verlässt
Rhodos.

Das ist ein unfreiwilliges Beispiel, wie Schulden oder Geld funktionieren, weil Geld in Wirklichkeit ein Schuldschein ist, einzulösen bei der Zentralbank. Und in unserem Beispiel sind Schulden vielfältig produktiv und erlauben eine Tauschwirtschaft.

Also man kann statt 100,- € auch einen Schuldschein als Schuldenbeleg einführen, der über 100,- € lautet. Dann sieht das wie folgt aus:

Der Hotelier hat einen 100,- € Schuldschein (A) von der Lebedame

Der Metzger hat einen 100,- € Schuldschein (B) vom Hotelier


Der Bauer hat einen 100,- € (C) Schuldschein vom Metzger

Der Kneipenwirt hat einen 100,- € (D) Schuldschein vom Bauer

Die Liebedame hat einen 100,- € (E) Schuldschein vom Kneipenwirt

Jetzt kommt der Schuldscheintausch.


Der Hotelier gibt dem Metzger Schuldschein A und löscht (B).

Der Metzger gibt dem Bauer Schuldschein A und löscht (C).

Der Bauer gibt dem Kneipenwirt Schuldschein A und löscht (D).

Der Kneipenwirt gibt der Lebedame Schuldschein A und löscht (E).

Die Lebedame erhält den Schuldschein A zurück, den sie an den Hotelier ausgestellt hatte und kann ihn ausbuchen.

Da jeder bei jedem verschuldet war, sind durch den Tausch alle Schuldscheine gelöscht. Im Prinzip haben die Schuldscheine die Rolle des Geldes übernommen. Das funktioniert nur, wenn alle bei allen in gleicher Höhe verschuldet sind, was in dem Beispiel absichtlich so konstruiert ist, sonst würde das Beispiel nicht funktionieren.

So wären auch die gegenseitige Schulden in der Welt erst mal gegeneinander aufzurechnen und festzustellen, welche Überhänge bleiben. Nur dann könnte man feststellen, ob den dann übrig bleibenden Echtschulden Werte gegenüberstehen oder nur leere Versprechungen, etwas zu zahlen, wofür man in Wirklichkeit kein Geld hat. Von dieser Unsicherheit, weil bei der Unübersichtlichkeit der gegenseitigen Verschuldung keiner mehr den Überblick hat, lebt die Finanzwirtschaft und ihre Spekulationen. Staaten, die ihre Schuldenberge durch konsumptive Ausgaben erhöhen, erhöhen das Spekulationspotential und irgendwann fliegt der Deckel vom Topf. Die ganze Finanzwirtschaft wird als Geflecht von Rechtskonstrukten mit Absicht sehr kompliziert gemacht, weil dann jeder im Trüben ordentlich spekulieren kann. Und warum dringen die Politiker nicht auf Bereinigung und Klärung? Mauscheln die mit? Na klar. So können sie weiter unproduktive Wahlversprechen auf Schuldenbasis finanzieren, ohne dass sie zur Rechenschaft gezogen werden. Wie momentan alle Politiker in EURO-Land hoffen sie, den Schuldenschnitt möglichst lange rauszögern zu können, damit dem eigenen Volk nicht auffällt, wie sie beschissen wurden.

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Das ist eine Frage des Vertrauens der Märkte in die Leistungsfähigkeit des Schuldners. Aber ich denke schon, dass sich eine Blase aufbaut. Griechenland wurde von den Märkten praktisch fallengelassen, keine Probleme hingegen hat Japan, dessen Staatsverschuldung gemessen am BPI deutlich höher ist, als die Griechenlands. Und das bei einer deutlich überalterten Gesellschaft. Ist das angemessen? Wahrscheinlich nicht. Zurzeit funktioniert es.

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Kommentar von Vienna1000
09.05.2016, 18:22

Sry was redest du da? Die nächste Blase die platzen muss ist die von Deutschland. Was D mit Hartz IV mitunter veranstaltet hat, hatte im realen Binnenmarkt drastische Folgen hinsichtlich von Firmenpleiten. Die meisten entstanden, als die Banken keine Kredite mehr gegeben haben. Dazu kommt die berechnete Überschuldung der deutschen Bevölkerung, da von vorne herein klar gewesen ist, dass das Ziel ein "Billiglohnland" ist.  Was sich da angestaut hat, muss irgendwann aus den Büchern raus. Das sind - ohne nun Zahlen zu kennen - keine "Peanuts mehr, sondern schon alleine das wird ne ähnliche Nummer wie die Sache mit dieser Immoblase. Griechenland von Märkten fallengelassen? Sry. Wie bist du denn ausgebildet? Irgendwer hat in D nen Schalter umgelegt. Abgesehen von frisierten Bilanzen hätte u. a. der deutschen Bank viel früher auffallen müssen, dass etwas schiefläuft. Fakt ist, dass D jetzt Griechenland missbraucht. Es wird EU Geld zusammengezogen.. Geld aus D verwendet, dass zu 0% aufgenommen wird. Für Staatsanleihen Griechenland sind von Griechenland auch noch 4% Zinsen revers zu bezahlen. Von den Hilfsmitteln sind lediglich 9,x Milliarden tatsächlich in Griechenland aufgegangen, der Rest wird durch Griechenland zurück zur Deutschen Bank geschaufelt und bei der Gelegenheit in Griechenland von unten nach oben noch alles zu Geld gemacht, was machbar ist. Zum Spekulationsobjekt ist Griechenland auch noch geworden.. Es ist keine Kontinuität sichtbar.. Jedesmal wenn die Anleihen/Aktienkurse in den Keller sinken erholen sich diese wieder "wie durch Geisterhand".. Darauf kann man "wetten".. Deine Gesellschaftsaussage lässt darauf schliessen, dass du hochgradig manipulativ ausgebildet bist. Selbstverständlich ist es möglich - wie in einer sozialen Marktwirtschaft - von Grund auf zu berücksichtigen, dass Menschen älter werden und dies an erste Stelle in einem System zu rücken. Es ist mir bekannt, dass es in D zwischenzeitlich absolut menschenverachtende Druckwerke auch in Richtung "Personalentwicklung" gibt, die darauf hinauslaufen, dass nur die Industrieproduktivität zählt und diese irgendwann ab 30 beendet ist. Wenn du solchen Gedankengängen folgst und diese weiterdenkst, dann wirst du darauf kommen, dass behinderte Menschen keine Industrieproduktivität erbringen werden und demzufolge nutzlos sind. Das hatten wir schon einmal in der Geschichte und lief unter dem Namen "Eutanasie" "Vernichtung lebensunwerten Lebens" - ganz vorsichtig mit solchen Aussagen zu "Gesellschaftsstrukturen hinsichtlich ökonomischer Verwertbarkeit".. Par. 1 GG gibts nicht umsonst.

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Hmmm ich denke es kommt auf die Art wie die Schulden entstanden sind an, ein Darlehen um dem Staat in schlechten Zeiten unter die Arme zu greifen ist meiner Meinung nach eine legitime Verschuldung, aber so etwas wie uns die Siegermächte nach dem 1 und 2.WK als Reparationen aufgedrückt haben ist unerhört, schließlich wurde beide Male die Führung, die die Schäden verschuldet hat entmachtet und gezahlt wird selbst heute noch von Bürgern die nichts mit den Kriegen zu tun hatten.

Über Zinsen, Zinseszinsen, ect. und ihre Höhe kann man sicher generell streiten über die Art wie mit Geld umgegangen wird, das es vom Tauschmittelersatz zum echten Wertmittel und gar zum Dreh und Angelpunkt unserer Kultur erhoben wurde auch, aber das ist nicht die Frage.

Wenn ich das ganze missverstanden hab sry für die dumme Aussage war mehr oder weniger als Lw schnell in die Sache über den Wikilink von baindl eingelesen^^

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Kommentar von FooBar1
09.05.2016, 07:13

Die Regierung die Schaden verursacht hat? Ich dachte die sei legitim gewählt und das voll steht dahinter? Die Regierung ist das volk. Dafür gibt es ja wählen.

Wer hätte den deiner Meinung für die Schäden aufkommen sollen?

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Die Frage ist nicht zu beantworten. Diese "im Kreis herum Verschuldungen" hätten unauffällig und unproblematisch noch "ewig" weitergehen können. Durch das "Wirtschaftverhalten" Deutschlands rsp. den irrsinnigen Wechseln von einer sozialen Marktwirtschaft über eine freie Marktwirtschaft hin zum sog. reinen "Spekulationskapitalismus" hat nun eine Weltwirtschaftskrise verursacht, die dramatisch die Probleme des Ganzen aufzeigt. Nehmen wir China: In Richtung Staatsverschuldungen wohl das suspekteste Land auf der Erde. China selbst hat eine Staatsverschuldung pro Person die um ein mehrfaches Höher liegt, als die von Griechenland. Was eigentlich dramatisch sein sollte. Scheint es aber nicht zu sein, weil sich China gerade aus der "Weltwirtschaft" als Billiglohnland verabschiedet und auf Binnenland umstellt. Das heisst: Die geben plötzlich extern Geld aus ohne Ende und DAS kann eigentlich gar nicht sein. Zeitgleich hält China die meisten Staatsanleihen der USA.. Das wiederrum heisst: Die USA stehen in unglaublichen Zahlungverpflichtungen zu China, die sie jetzt nicht mehr zurückzahlen können.. Wollen.. Wie auch immer.. Darum das sinnbefreite "Säbelrasseln" zwischen den USA und China.. Da wird der, der die Schulden aufgenommen hat auch noch frech. China hat sich von Staatsanleihen im Wert von 500 Milliarden US$ bereits getrennt und die liegen jetzt irgendwo.. Tataaa.. In Brüssel "geparkt" rum. Anders gesagt: Die USA SIND faktisch pleite, werden aber immer noch mit einem triple A geführt und China gibt Geld aus, dass es nicht haben kann. Das heisst: Mehrere Dinge sind hier durchaus als Betrug anzusehen. Vor allem liegt es Nahe, dass China noch was dreht um massiv an Handelsgüter ranzukommen und die werden dann vermutlich die Weltwährung fallen lassen. Die hatten schon mal eine reine Binnenwährung. Die wissen wie das geht. Jetzt kommen wir mal zu einem kleinen Land wie Ungarn, dass vom "neuen Deutschland" dramatisch verarscht wurde. Angelockt wurden Sie mit dem früheren EU Motto : "Soziale Marktwirtschaft, Europa der Bevölkerungen, Regelvollbeschäftigung für Europa". So Ungarn startet durch. Um Infrastrukturen dafür zu schaffen braucht man einfach Geld. Geht nicht anders. Es muss ja auch Geld an "Startup" unternehmen rsp. überhaupt Unternehmen verliehen werden und die Regionalbanken brauchen ja auch von irgendwoher Geld. Also: In einem komplexen System sind wir am Ende wieder bei "Staatsschulden" rsp. "Staatshaftungen". So, die Wirtschaft läuft normal an.. Geld kommt ins System.. Die Menschen haben vermehrt Arbeit.. Sehen nach vorne.. Dann kommen Konsumentkredite ins Spiel.. Man braucht ja ein Auto... Und egal wie man es dreht und wendet.. Wenn man Geld "hinterhergeht" landet man irgendwie immer bei den Staatsverschuldungen. Was in Ungarn jetzt passiert ist: Es wurde viel viel Aufwand betrieben um Strukturen zu schaffen. Staatsverschuldung + EU Förderungen. Dann kommen "vormals Deutsche Firmen", die sich als "Globalisiert" betrachten.. Produzieren dort rum, nutzen die erschaffenen Infrastrukturen, nutzen die billigeren Arbeitskräfte, lassen dort aber keinen Cent mehr an Steuern liegen. Das wäre die so wichtige Exportwirtschaft. Andersrum kommen wieder Deutsche Firmen mit Importprodukten.. Das heisst: Die Ungarn rennen dort hin und kaufen kaufen kaufen.. Und das Geld verschwindet langsam aber sicher von Ungarn - die eh kaum was haben - noch nach Deutschland. Darum ist Orban an einer Staatspleite vorbeigeschrammt und musste "spezielle Steuern" "erfinden" die in der Regel genau diese Auslandfirmen belasten, die sonst mit allen möglichen Tricks, bis hin zu "Unterfirmen" die Kredite aufnehmen und in die Pleite geschickt werden, arbeiten. Die Handlungsweisen sind am Ende rechtlich als "legal" einzustufen, man wird Firmen wie VW und Daimlerchrysler nie "rechtlich ans Bein pissen können" < Um es mal so zu sagen >. Was hier passiert fällt also nicht wirklich unter den Begriff "Politik" und nicht "Betrug".. Am ehesten trifft menschlich die Bezeichnung "Hochdramatische, weltweite Riesenschweinerei"

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Kommentar von ihatert
10.05.2016, 13:05

Hallo, ein paar Absätze wären wirklich gut für die Lesbarkeit deines Textes, ich konnte ab der Hälfte nicht mehr weiterlesen! Würdest du das nochmal bearbeiten ?  Danke :-)

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Stell dir mal lieber die Frage, wofür die Schulden verwendet werden und warum sie überhaupt notwendig wurden, ansonsten verbleibt alles nur abstrakt, so wie in der Schule dies oftmals der Fall ist. Dann sollte man sich in dem Kontext auch die Frage stellen, ob es zur Verschuldung Alternativen gibt, wie diese aussehen und warum sie nicht genutzt werden.

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