Sprachlogik: Unnötige Verdoppelungen?

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6 Antworten

Das ist gut beobachtet/zugehört. In der Tat gibt es in der Sprache oft redundante (also eigentlich "überflüssige") Informationen.

die doppelte Verneinung: ist zum Beispiel in etlichen Dialekten üblich

Dat will ik för keen Geld nich. (Plattdeutsch)

doppelte Perfekt-Bildung: (kenne ich aus dem eigenen Dialekt, Moselfränkisch, manche Leute haben dies tatsächlich so benutzt)

Eisch hann gesaat gehaat. = Ich habe gesagt gehabt.

(Nur scherzhaft - in Selbstironie - auch dreifach:
Eisch hann gesaat gehaat gehoot.)

Ich vermute mal, dahinter steckt das Bestreben, die Sache zu verdeutlichen. Ein Wort alleine wird als "zu schwach" empfunden.

Im Serbischen und im Sorbischen muss (!) man sogar die doppelte Verneinung anwenden. Im Spanischen auch manchmal:

No he visto nada . = Ich habe nichts nicht gesehen.

Im Isländischen ist die doppelte Verneinung nicht zwingend, sie ist aber in etlichen Begriffen und Formulierungen üblich.

ósjaldan = "unselten" = oft (es gibt aber auch "opt")

Und das kann man wiederum verneinen.

Hann kom ekki ósjaldan. = Er kam nicht unselten.
= Er kam nicht oft./Er kam selten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelte_Verneinung

Ja, in Dialekten (ich kenne vor allem die süddeutschen) ist die doppelte Verneinung häufig vertreten. Manchmal wird sie auch ironisch verwendet, aber nicht von jedem so verstanden. Als ich mal scherzhaft sagte "Einfach garnicht ignorieren!", bekam ich zur Antwort: "Wenn ich's nicht ignoriere, dann macht's ein anderer!"

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In der Edda gibt es oft "bewusst ausschweifende" Formulierungen, z.B. Verdoppelungen und andere langen Konstruktionen, um die Größe oder die Anzahl eindrücklicher zu beschreiben.

Fimm hundruð dura     
ok umb fjórum tögum,
svá hygg ek á Valhöllu vera; (aus Grímnismál)

Fünfhundert Tore
und dazu vier Zehner
so viele denk ich in Walhall sind; (es sind also 540)

þrysvar brendu
þrysvar borna
opt, ósjaldan,    
þó hon enn lifir. (aus Völuspá)

drei Mal verbrannt
die drei Mal geborene
oft, unselten,
doch sie lebt noch

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Ich stimme Dir zu. Dem albernen Gebrauch des Wortes "mutmaßlich" in den Medien könnte man im Übrigen ein ganzes Buch widmen. 

Naja, wenn's an der richtigen Stelle benutzt wird, stört's mich nicht.

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Ich kann Dir nicht ganz zustimmen.

2. Er bezweifelt, ob... ist schon von Haus aus schlechtes Deutsch. Richtig wäre Er bezweifelt, dass... oder Er zweifelt (daran), ob das .... Noch korrekter wäre sogar vielleicht der Futur, also in beiden Fällen die Fortsetzung...das gelingen wird, aber da kämen dann vermutlich Leute wie Du und würden sagen, das sei doppelt gemoppelt.

1. Er soll bestohlen worden sein bezieht sich auf das Hörensagen. Wenn man mutmaßlich einfügt, drückt man damit aus, dass daran vielleicht ein wenig mehr ist.

3. Solange es keine Klarheit gibt bezieht sich darauf, dass es momentan anscheinend nur Unklarheit gibt. In diesem Fall zu sagen: Bevor es Klarheit gibt..., ist  Quatsch, das merkst Du doch hoffentlich selber.

Ich kann dir nicht folgen.

"'Er bezweifelt, ob...' ist schon von Haus aus schlechtes Deutsch" - Genau das sage ich doch auch! Es ist sogar falsches Deutsch. Wo siehst du da einen Widerspruch?

Du hast recht, "Er soll bestohlen worden sein" könnte eher auf Hörensagen hindeuten, während "Er wurde mutmaßlich bestohlen" andere Vermutungen ausdrücken könnte. Dennoch ist eine Kombination der beiden Ausdrucksweisen seltsam.

"Bevor es Klarheit gibt..., ist  Quatsch, das merkst Du doch hoffentlich selber" - Nein, das merke ich nicht selber, weil "Bevor es Klarheit gibt" korrektes Deutsch ist, auch wenn es für dich vielleicht ungewohnt klingt. Aber wenn du "Quatsch" sachlich begründen kannst, höre ich dir gern zu.

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@boppa

Also gut!

Fangen wir mit dem letzten an. Bevor es keine Klarheit gibt oder Solange es keine Klarheit gibt, ist eine (und zwar in beiden Formen grammatikalisch korrekte) Aussage, die man in einer Situation macht, in der (noch) keine Klarheit besteht. Nimm z. B. an, A sagt: "B lügt" und B sagt: "A lügt". Dann kannst Du z. B. sagen: "Bevor/solange es keine Klarheit gibt, kann ich weder A noch B glauben." Soweit verstanden? Aber in dieser Situation zu sagen: "Bevor es Klarheit gibt..." ist Mist, weil inhaltlich nicht passend oder grammatikalisch falsch. Grammatikalisch und sachlich richtig wäre dann etwa: "Bevor es nicht Klarheit gibt.." oder "Solange/bevor es keine Klarheit gibt..."

Weiter: Mutmaßlich hat sehr viele Bedeutungen und keine ist in dem zit. Satz ganz klar. Aber mutmaßlich fügt dem reinen Hörensagen noch eine Bedeutung bei, das sollte auch klar sein.

"Er bezweifelt, ob..": Schön, wenn Du das so siehst. Du kannst aber nicht auf Sprachlogik verweisen und unnötige Doppelungen kritisieren, wenn Du schon von Anfang ein Beispiel wählst, das grammatikalisch falsch ist. Es ist lächerlich, wenn Du z. B. einen Satz wie: Nein, ich bin kein Bayer nicht gewesen sein täte! kritisierst wegen Verdoppelungen, hoast me?

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@Dingelstein

Zu deinem ersten Absatz: Einerseits bestätigst du, dass du meine Kritik an dem Beispielsatz verstanden hast, denn du wiederholst mit anderen Worten, was ich auch gesagt habe. Dann machst du aber genau den Fehler, den wir beide kritisieren - merkst du das nicht?

Dein zweiter Absatz: Auch da wiederholst du mit anderen Worten, was ich in meinem Kommentar gesagt habe. Da haben wir also keine Meinungsverschiedenheit.

Dein dritter Absatz: Natürlich habe ich ein Beispiel gewählt, das grammatikalisch falsch ist! Das sage ich doch. Hast du das Prinzip hier nicht verstanden? Da scheinst du hier der Einzige zu sein.

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@boppa

Immer glaubt Herr Klotz, mir auf den Fersen  zu sein. Aber immer, wenn ich mich auf sein Zurufen nach ihm umwende, sehe ich ihn ganz seitab in einer Staubwolke auf einem Wege einhergehen, den ich nie betreten habe.

(Lessing, Wie die Alten...)

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@Dingelstein

Vielleicht siehst du wieder den richtigen Weg, wenn sich der Staub etwas gelegt hat?

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Du hast recht mit deinen Beispielen.
Aber unpräzisen Sprachgebrauch, der sich zum Teil in der Umgangssprache etabliert, gab es doch schon immer ...

Mit dem biblischen Vorschlag:
"Eure Rede sei ja - ja, nein - nein." kommt man halt nicht weit.


Du hast natürlich Recht, in der Umgangssprache gab es das schon immer. Aber dass es sich allmählich sogar in die Tagesschau einschleicht ... ?

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@boppa

Ja, es wird die Tagesschau noch mit dem Schriftzug enden:
"Thx for looking Tagesshow!"   (:-))

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@boppa

Ich lebe seit 14 Jahren ohne Fernseher und sehe nur alle paar Jahre mal die Tagesschau. Mein Eindruck ist, dass sie nicht mehr wirklich ernstzunehmen ist. Beim letzten Mal wurden dort ernsthaft Twitter-Meldungen irgendwelcher Leute eingeblendet und vorgelesen! 

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@Goodquestion42

Die Twitter-Meldungen wurden (ergänzend zur Meldung) als Stimmungsbild zitiert. Wenn das deutlich so gekennzeichnet wird, ist dagegen m. E. nichts zu sagen - das ist dann eine zusätzliche Information. - Aber darum geht es hier nicht.

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Ich stimme dir zu.

Die Beispiele sind gut gewählt und realistisch. Ähnliches fällt auch mir immer wieder auf. In der SZ zum Beispiel gibt es eine Kolumne, in der fast täglich solche Klopfer aufgespießt werden.

Aber ich fürchte: Das nützt nichts. Auch bei Tagesschau und "heute" wurde schon, horribile dictu, "anscheinend" mit "scheinbar" verwechselt. Und umgekehrt.

Aber: "Was lernt und das?" Und: Was nützt das Klagen?

;-)

Gruß, earnest


Oh... da vorne steht ein weißer Schimmel

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