Spinnen die Nachts angeblich in den Mund krabbeln?

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Erstmal zum Ursprung dieses Gerüchtes. Im Jahr 1993 verfasste eine kanadische Reporterin in einer Computerzeitschrift einen Bericht, der recht grosse Aufmerksamkeit auf sich zog: Jeder Mensch isst, einer Studie zufolge, pro Jahr im Schlaf ca. 8 Spinnen unbewusst. Es wurde aber kein Studiendesign veröffentlicht und auch kein Versuchsaufbau. Jetzt fragt man sich: Warum in einer Computerzeitschrift? Das ist doch eher was für ein Boulevardmagazin oder eine biologisch wissenschaftliche Zeitung wenns denn eine Studie dazu gibt. Der Grund ist ganz einfach. Besagte Reporterin wollte beweisen, daß Menschen fast alles unreflektiert glauben was sie lesen, sei es auch noch so unwahrscheinlich. Es ging also nicht um Biologie, sondern den grundsätzlichen Umgang von Menschen mit Massenmedien. In Anbetracht der Tatsache, daß sich dieses moderne Märchen so lange gehalten hat hatte sie wohl Recht. Der Beweis ist geglückt. Es ist auch bekannt, daß diese Geschichte aus einem Buch über Insekten und Folklore aus dem Jahr 1954 übernommen wurde. (Die Namen der Reporterin, der Zeitschrift, des Buches von 1954 und dessen Autorin sind mir bekannt und die Veröffentlichung im letzten Tipp wohl der Grund, weswegen er gelöscht wurde. Man hat es wohl als illegale Werbung fehlinterpretiert. Daher werde ich diesmal darauf verzichten)

Der Gründe warum sich so ein Gerücht so lange hält sind folgende: Es ist aufsehenerregend, wird schnell verbreitet und der Gegenbeweis ist nicht zu erbringen.

Und nun zu den Fakten aus Spinnensicht: Eine Spinne würde niemals freiwillig in einen offenen Mund kriechen, es sei denn der dazugehörige Mensch wäre tot und würde demzufolge nicht atmen. Der Luftstrom, der beim Atmen entsteht würde jede Spinne auf der Stelle vertreiben. Die Sinnesorgane einer Spinne sind so empfindlich, daß zum Beispiel Kreuzspinnen schon aus grösserer Entfernung eine Fliege von einer Wespe am Flügelschlag unterscheiden können. Sie würden Luftströme rechtzeitig genug wahrnehmen um nicht beim "Einatmen" angesaugt zu werden. Ausserdem hat der Mensch einer Spinne nichts zu bieten. Menschen sind als Nahrung für Spinnen ungeeignet. Bei Stechmücken und Bremsen ist das anders.

Nun aus der Sicht des Menschen: Versucht mal bei einem Schlafenden mit einerFeder die Lippe zu kitzeln. Was denkt ihr passiert? Nun er wird nicht wie eine Venus Fliegenfalle die Feder schnappen und verschlingen. Er wischt sie entweder weg oder bläst sie weg. Wer jetzt auf den Schluckreflex hinweist, dem sei gesagt, daß dieser tief im Rachen beim Kehlkopf sitzt. Dahin müsste die Spinne erstmal vordringen. Es gibt aber noch einen anderen Reflex: Stellt euch mal vor beim Fahrrad fahren fliegt euch irgend ein Tier in den Mund. Was tut man automatisch ohne darüber nachzudenken? Schluckt man es runter oder spuckt man es aus? Man spuckt es aus und zwar schneller als man überlegen kann was da gerade reingeflogen ist. Ausserdem dreht sich ein Mensch mehrmals pro Nacht spontan um. Es würde in den Betten immer wieder Spinnen geben die man quasi aus Versehen beim Umdrehen plattgelegen hat. Es gibt aber durchaus andere Tiere wie Stechmücken und Bremsen, die sich von Menschenblut ernähren, wenn sie nicht vorher von einer Spinne gefangen und gefressen werden.

Aus statistischer Sicht: Es mag vielleicht statistische Untersuchungen geben, die die Häufigkeit von Spinnen in unserer nächsten Umgebung untersuchen und bei denen herauskommt, daß wir statistisch von der Häufigkeit ihrer Existenz ausgehend eigentlich unbewusst Spinnen essen müssten. Statistik ist immer eine Rechenaufgabe und in dieser das Verhalten von Mensch und Spinne rechnerisch mit zu berücksichtigen, würde einen so hohen Aufwand in der Datenerhebung darstellen, daß es praktisch nicht durchführbar ist. Das natürliche Verhalten bleibt bei dieser Art von Berechnungen unbeachtet. Statistisch gesehen ist es auch möglich in der Sahara von einem Eisbär gefressen zu werden, wenn man ausser Acht lässt, daß die Tiere nicht freiwillig in die Sahara gehen würden.

ich wünschte, mit diese wunnerbare Antwort hat sie die gefühlte Million SpinnenVERSCHLUCKfragen vonne Kiddies - die inzwitschern die Schwangerpinkelstreifenfragen überholt haben - ääändlich erledigt. tödlichlaaangweil

Danke wernilein für die schlaue Nachfrage mit wiederrauskrabbeln!!!

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das merkst du doch gar nicht was für ein getier da rein läuft. da gibts spinnen, fliegen, käfer, milben und was weiss ich was alles des nachts auf dir rumlatscht.

Das ist eines der weitestverbreiteten Internetmärchen. Keine Spinne krabbelt nachts in Deinen Mund.

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