Spiegelbild auf dem Kopf

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5 Antworten

Angenommen, Du stehst vor dem Spiegel aufrecht, die rechte Hand nach Osten und die linke Hand nach Westen ausgestreckt. Das Spiegelbild zeigt den Kopf oben, die Füße unten, die rechte Hand im Osten und die linke Hand im Westen, also alles realitätsgetreu. Auch der Ring an Deiner rechten Hand wird auf der rechten (östlichen) Seite abgebildet.

Wenn Du nun Dein Spiegelbild als eine reale räumliche Figur betrachtest, sitzt an dieser Figur der Ring an deren linker Hand, weil sie nach Deiner Vorstellung in die entgegengesetzte Richtung blickt. Das kommt daher, dass wir uns bei horizontalen Richtungsangaben meistens nicht an objektiven, sondern an relativen Bestimmungen orientieren wir "rechts" und "links". Diese Richtungen vertauschen sich mit einer halben Körperdrehung. Die relativ objektiven Angaben "oben" und "unten" dagegen werden vom (planen) Spiegelbild nicht berührt. Unklarheiten ergeben sich erst beim Kopfstand: Da kann das Wort "oben" als "kopfwärts" gedeutet werden oder auch als "himmelwärts", also entgegengesetzt.

Es soll übrigens Naturvölker geben, deren Sprachen keine Bezeichnungen für "rechts" und "links" kennen. Das heißt dann z.B. eben "bergwärts", "flusswärts" oder "seewärts". Mit solchen objektiven Richtungsangaben kommen die wahrscheinlich nicht auf Dein Spiegelproblem.

In einer solchen Kultur möchte ich mich allerdings keinesfalls einem Chirurgen anvertrauen zur Amputation eines Beines, das in meiner Patientenakte als das "bergseitige Bein" dokumentiert ist. Eine Verwechslung wäre ja schwerlich mit einem zweiten Versuch zu korrigieren, wenngleich der zweite Versuch keine Verwechslung mehr ermöglichte.

dompfeifer 28.06.2014, 02:39

Letztlich ist es ja auch eine Frage der Spiegelebene. Die scheinbare "Rechts-Links-Vertauschung" erfahren wir so isoliert nur beim vertikalen Spiegel. Wenn Du Dich auf einen eben liegenden Spiegel stellst, dann steht Dein Spielbild auch noch auf dem Kopf, seine Füße scheinen oben am Spiegel zu kleben!

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Du schaust auf den Spiegel und durch die Reflexion siehst du dich selbst.

Da du nach unten schaust, um deine Füsse zu sehen und an der Spiegeloberfläche der Einfallswinkel des Lichtstrahls (wie auch dein Blick) gleich dem Ausfallswinkel ist, kann dein Kopf nicht unten erscheinen. Sonst müsste es keine Reflexion sondern Brechung sein (wie das Phänomen des "durchgebrochenen" Strohhalms im Trinkglas)

Du kannst dir das genauso vorstellen, als ob das kein Spiegel sondern ein Fenster wäre. Die Person auf der anderen Seite steht ja auch nicht Kopf. Nur müsste sie genau genommen, die Klamotten falsch herum tragen und sich auf den Hinterkopf ein Gesicht malen ;)

Dann leg dich mal hin. Ist dann der Kopf dort, wo du die Füße vermutest oder umgekehrt? Rechts bleibt rechts, links bleibt links, oben bleibt oben, unten bleibt unten.

Der Spiegel tauscht genau genommen nicht rechts und links sondern vorne und hinten.

Hebst du die rechte Hand hebt das Spiegelgelbild auch die Hand die in Relation zu dir gesehen rechts ist. Da du dich aber gedanklich in das Spiegelbild hineinversetzt ist deine Relation die, dass du aus dem Spiegel heraus guckst. Demzufolge gaukelt dir dein Gehirn vor es wäre die linke Hand.

Alles also eine Frage der Relation.

Der "Fehler" liegt hierin dass das Spiegelbild nicht echt ist und du dich eigentlich gar nicht in dieses hineinversetzen dürftest.

Mal dir einen Punkt auf die Rechte Hand. Das Spiegelbild wird ihn aus seiner Relation auf der linken haben.

Das Spiegelbild stellt Dich genau so dar, wie Du vor dem Spiegel stehst. Deine rechte Hand ist auch rechts im Spiegelbild.

Da wird nichts verdreht.

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