Spezialinteressen, aber kein Autist?

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6 Antworten

Wir wollen mal eines festhalten: Zwar kommen bestimmte Eigenheiten bei psychischen "Krankheiten" oder Zuständen vor (Autisten reden gern auch von Seinsform und sehen sich nicht als krank oder behindert an!), aber das muss noch lange nicht heißen, dass diese Eigenheiten schlecht sind, nur weil sie mit diesen psychischen Auffälligkeiten assoziiert werden!

Mein Bruder hatte das Downsyndrom und dadurch viele Einschränkungen; das Downsyndrom konnte also eine Erklärung für vieles liefern, das er *nicht* konnte, aber hatte auch Begabungen, die möglicherweise auch mit dem Downsyndrom einhergingen, z.B. sich Dialoge auszugsweise wörtlich zu merken oder eine sehr gute räumliche Orientierung (Leuten im Auto den Weg zeigen, ohne einmal selbst gefahren zu sein und ohne den Weg schon oft gefahren worden zu sein). Jetzt kann man ja nicht sagen, dass alle anderen, die diese Begabungen haben, behindert sind oder sich Sorgen machen müssen, dass dies auf eine weitere Einschränkung hinweist!


Viele Menschen haben Spezialinteressen und viele Menschen haben Phasen, in denen sie sich nur für eine Sache interessieren. Grundsätzlich gibt es Menschen, die vieles parallel machen, z.B. mehrere Hobbys ausüben und andere, die ein Hobby eine Weile sehr intensiv betreiben und dann das nächste anfangen. Und ja, wenn man sich für etwas sehr interessiert, bemerkt man es stärker im Alltag und wenn es etwas ist, mit dem viele nichts anfangen können freut man sich über kompetente Gesprächspartner auf dem Gebiet und sucht sich diese ggf. auch aktiv.

Von meinem Bruder kann ich sagen, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit "nur" das Downsyndrom hatte, aber auch einige Fähigkeiten, die man eher Autisten zurechnet, z.B. konnte er einen Haufen Spielfiguren/ Playmobilmännchen sehen und genau sagen, welches fehlte (das waren natürlich Figuren, die ihm gehörten und die er täglich benutzte).

Ich würde mal dankbar sein für Fähigkeiten und nicht gleich auf Defizite schleißen, weil die Konzentration auf Defizite einen lähmen kann - am Ende schränkst du dich noch bewusst ein, um keinen mit deinem vermeindlichen "Austismus" zu belästigen. Die Konzentration auf Defizite ist da gut, wo man bewusst an bestimmten Schwächen arbeiten kann oder sich entspannen kann, weil man weiß, dass man bestimmte Inhalte langsamer lernt oder anders wahrnimmt als andere (weil man bspw. eine Rechen- oder Rechtschreibschwäche hat) und sich nicht unter Druck setzt, mit anderen mithalten zu müssen. Wenn man, statt sich peinlich berührt zu entschuldigen oder Situationen auszuweichen, entspannt erklären kann, dass man hier eine Schwäche hat und deshalb anders/ langsamer an das Problem heran geht oder erst mal zu Hause nachlesen muss, bevor man etwas Neues versteht.


Bedenke, wie viele Leute heute besondere Interessen haben, die man nicht als traditionelle Hobbys ansehen kann und wie viele Leute traditionelle Hobbys sehr intensiv betreiben (da fotografiert einer und kann aber auch die Kamera komplett auseinander nehmen und wieder zusammensetzen, oder einer fotografiert Züge oder Flugzeuge, was man ja auch in Richtung Autismus interpretieren könnte, aber durch die Bezeichnung "Train- oder Planspotting" zum "normalen" Hobby erhoben wird). Viele Serienfans kennen jede Szene bis ins Detail, Biografie und Filmografie der Schauspieler, teilweise komplette Übersetzungen, Trekkies lernen Klingonisch usw. Das könnte man auch alles als nicht mehr normal ansehen, es ist aber nur Ausdruck einer Begeisterung, die in diesen Falle von vielen Fans geteilt wird. Wenn man nun ein Hobby hat, das nicht so viele begeistert oder dessen Anhänger man nicht kennt, kann man sich schnell als exotisch vorkommen, wenn man sich für Details interessiert.

Es gibt aber durchaus normale Kinder, die in der Grundschule "Experten" für das Alte Ägypten sind (und mehr darüber wissen, als so mancher Erwachsene) oder jedes Autokennzeichen kennen, einfach, weil sie das früh interessiert hat, ohne dass sie ein Defizit hätten.  Und natürlich Hochbegabte, bei denen man gar nicht nach dem Defizit fragt und sie nur für ihr Wissen und ihre Interessen bewundert, auch wenn diese exotisch sind (oder man erwartet sogar exotische Interessen und besonderes Wissen auf eher unbekannten Gebieten von ihnen).

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Ich habe selber Asperger aber kenne viele neurotypische Menschen (also "normale", man achte auf die Anführungszeichen) die eher introvertiert sind und sich in ihre Spezialinteressen flüchten. Kommt in individualistischeren Gesellschaften wie hier eh oft vor.

Das muss man nicht zwangsläufig pathologisieren wenn es nicht seehr stark ausgeprägt ist, vielleicht deutet es auf keine psychologische Störung o.ä. hin.

Peace

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Warum muss denn deiner Ansicht nach ein gesondertes Interesse an einer Tätigkeit ein Diagnosekriterium für irgendeine Erkrankung/Behinderung etc sein? Es gibt viele Menschen die sich für irgendein Thema ganz speziell interessieren und können völlig gesund sein. Und nicht jeder Autist hat Spezialinteressen!

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solche eingleisigen Menschen gibt es. Aber das hat mit Autismus nicht viel  zu tun und ist auch keine seel. Störung.

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Hallo Dreamecho,

ja, das ist normal. Ein guter Lehrer sagte immer: "Nur was interessiert, wird registriert." Genau so ist es! Es nennt sich auch Genie :-)

Mache Dir bitte nicht so viele Gedanken um Krankheiten, sondern nehme dies als Gabe oder Geschenk an. Es wäre schade, daraus etwas Krankes zu machen.

LG und alles Gute

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Spezialinteressen sind weder eine Bestätigung noch ein Ausschlusskriterium für Autismus.

Diese können auch ohne einen pathologischen Hintergrund vorhanden sein.

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