Spartakus

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Spartakus (lateinisch: Spartacus; griechisch: Σπάρτακος) hat einen von Sklavenaufstand 73 bis 71 v. Chr. dauernden Sklavenaufstand angeführt.

Antike Hauptquellen sind: Plutarch, Crassus 8 – 11; Appian, Ἐμφύλια/Bella civilia/Bürgerkriege 1, 116 – 120; Florus 2 , 8 (in Bibliotheken gibt es deutsche Übersetzungen)

Angaben über die Anzahl weichen teilweise etwas voneinander ab und sind oft eher unsichere Schätzungen. Über einen größeren Zeitraum hinweg sind anscheinend Zehntausende an Sklaven zu Spartakus gekommen. Genaue Schlachtabläufe sind nicht überliefert.

Überblicke in Nachschlagewerken zur Antike:

Björn Onken, Spartacus. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2001, Spalte 795 – 796

Hans Volkmann, Spartacus. In: Der Kleine Pauly : Lexikon der Antike, auf der Grundlage von Pauly's Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter bearbeitet und herausgegeben von Konrat Ziegler und Walther Sontheimer. Band 5: Schaf bis Zythos. Nachträge. Stuttgart : Druckenmüller, 1975, Spalte 292 – 298

Friedrich Münzer, Spartacus. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE IIIA.2 Sparta bis Stluppi. Stuttgart : Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1929, Spalte 1628 - 1536

eine nützliche einführende Darstellung ist:

Kai Brodersen, Ich bin Spartacus : Aufstand der Sklaven gegen Rom. Darmstadt : Primus-Verlag, 2010 (Geschichte erzählt ; Band 23), vor allem S. 59 – 84

eine kürzere Darstellung:

Michael Zahnt, Spartacus – der peinliche Krieg gegen die Sklaven. In: Erinnerungsorte der Antike. Herausgegeben von Elke Stein-Hölkeskamp und Karl-Joachim Hölkeskamp. Band 1: Die römische Welt. München : Beck, 2006, S. 219 - 233

ein Buch, das berücksichtigt werden kann, auch wenn in einigen Deutungsfragen umstritten:

Antonio Guarino, Spartakus : Analyse eines Mythos. [Übersetzung aus dem Italienischen von Brigitte Gullath]. München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1980 (Dtv : dtv-Wissenschaft ; 4366). ISBN 3-423-04366-0

im Rahmen einer weiter angelegten Untersuchung:

Thomas Grünewald, Räuber, Rebellen, Rivalen, Rächer : Studien zu Latrones im Römischen Reich. Stuttgart : Steiner, 1999 (Forschungen zur antiken Sklaverei ; Band 31), zu Spartakus vor allem S. 82 – 103)

englischsprachig:

Theresa Urbainczyk, Spartacus. London : Bristol Classical Press, 2004 (Ancients in action). ISBN 987-1-85399-668-8

Barry Strauss, The Spartacus war. 1. hardcover edition. New York : Simon & Schuster, 2009. ISBN 978-1-416-53205-7

Keith R. Bradley, Slavery and rebellion in the Roman world : 140 B.C. - 70 B.C, Bloomington : Indiana University Press, 1989, S. 83 – 101

Spartakus war ein Thraker (Athenaios 6, 272 – 273, Appian 1. 116; Florus 2, 8, 8), aus einem nomadischen Stamm bzw. aus dem Stamm der Maider (Plutarch, Crassus 8, 2; es gibt unterschiedliche Lesarten des Handschriftentextes). Es wird erzählt, eine Seherin aus dem gleichen thrakischen Stamm wie er habe mit ihm in Capua zusammengelebt und sei mit ihm aus der Gefangenschaft entflohen (Plutarch, Crassus 8, 3 – 4).

Spartakus hat vorher Militärdienst geleistet. Darüber, ob er für die Römer gekämpft hat, dann desertierte und gefangengenommen wurde oder ein Kriegsgefangener war, der gegen die Römer gekämpft hatte, gibt es Abweichungen bei den antiken Autoren. Anscheinend hatten sie keine zuverlässigen Kenntnisse. Spartakus ist nicht freiwillig einer Gladiatorenschule beigetreten sondern wurde dazu verurteilt, Gladiator zu sein, und verkauft.

Im Jahr 73 v. Chr. ist er mit anderen Gladiatoren, die meisten Kelten/Gallier und Thraker, aus der Gladiatorenschule des Gnaeus Lentulus Batiatus in Capua ausgebrochen (Spartakus war nach Florus 2, 8, 12 ein als Murmillo [eine Gladiatorengattung] kämpfender Gladiator). 200 Gladiatoren hatten eine Flucht geplant. Als die Absicht entdeckt, wurde gelang ungefähr 70 die Flucht.

Zahlenangaben:

78: Plutarch 8, 2

74: Livius, Periochae 95, Frontinus, Startegemata 1, 5, 22, Eutropius 6, 7, 2; Orosius 6. 24, 1

ungefähr 70: Appian 1, 116

64: Velleius Paterculus 2, 30. 5 (vielleicht eine Textverderbnis statt 74)

weniger als 70: Augustinus, De civitate Dei 3, 20

nicht einmal 50: Cicero, Epistulae ad Atticum 6, 2, 8

30 oder mehr: Florus 2, 8, 3

Als weitere Anführer der aus einer Gladiatorenschule in Capua ausgebrochenen Kämpfer werden neben Spartakus die als Gallier/Kelten geltenden Krixos/Crixus und Oinomaos/Oenomaus genannt (Schreibweisen griechisch und lateinisch).

Eine persönliche Freundschaft des Spartakus zu Krixos/Crixus kommt in den Quellen nicht vor. Spartakus soll zur Ehrung des gefallenen Krixos/Crixus später 300 gefangene Römer bis zum Tod gegeneinander haben kämpfen lassen.

Namentlich genannte Mistreiter im Sklavenaufstand (ob ganz zu Anfang schon beteiligt, ist nicht ausdrücklich gesagt) sind außerdem Castus, Gannicus (bzw. Cannicus; in der Namensform gibt es Varianten) und Publipor.

Aus Capua ausgeschickte römische Soldaten wurden von den geflohenen Gladiatoren besiegt und zurückgeschlagen. Die Ausgebrochenen flohen Richtung Süden, nahmen weiter flüchtige Sklaven in ihre Reihen auf und bezogen an den Hängen des Berges Vesuv (Mons Vesuvius) Stellung. Gleichmäßig verteilte Beute aus Raubzügen in der Umgebung soll weiteren Zulauf bewirkt haben.

Aus Rom wurde der Propraetor Gaius Claudius Glaber geschickt, der 3000 hastig gesammelte, wenig kampferfahrene Soldaten befehligte. Die Aufständischen wurden am Vesuv eingeschlossen und der einzige vom Gipfel herabführende Weg versperrt. Sie flochten aber Strickleitern/Seile aus Reben der den Berg damals bedeckenden Weinstöcke, ließen sich daran über einen steilen Abhang hinunter, überraschten mit diesem Abseilen die Römer, schlugen sie in die Flucht und nahmen deren Lager ein.

Im Herbst des Jahres 73 v. Chr. führte der Praetor Publius Varinius einen Feldzug gegen sie. Spartakus und seine Leute schlugen 3000 Mann des Legaten (Unterfeldherrn) Furius, dann eine weitere Truppe des Legaten Lucius Cossinius, der getötet wurde. Sie besiegten auch Publius Varinius in mehren Gefechten, wobei sie sein Pferd und seine Liktoren (Amtsdiener) in ihre Hände fielen. Zwischen Anhöhen eingeschossen gelang Spartakus und seine Leuten mit einer Kriegslist (an Pfähle wurde Leichen in Kleidung und mit Waffen festgebunden und das Lager mit Fackeln erleuchtet, was aus der Ferne den Anschein eines Wachtposten erzeugte; sie selbst zogen nachts still weg) der Abzug aus Campanien.

Publius Varinius nahm mit verstärkten Truppen die Verfolgung auf. Krixos/Crixus und die Gallier/Kelten und Germanen (wer mit der Bezeichnung gemeint ist und was für eine Abgrenzung zu den Kelten vorliegt, ist unklar) und sollen sich für sofortigen Kampf ausgesprochen haben, während Spartakus eine Zurückführung der Aufständischen ihre Heimatländer anstrebte (Sallust, Historiae 3, 96 – 98).

Spartakus führte die Sklaven durch die Gebirgszüge Campaniens, Samniums und Lucanies über Nares Lucanae nach Forum Anni, das sie im Morgengrauen überfielen. Gegen die Befehle und Bitten des Spartakus soll es dabei zu Vergewaltigungen und grausamen Quälereien und Ermordungen gekommen sein. In Lucanien ist wohl auch der letze Sieg über Publius Varinius erfochten worden. Danach ist nach Appian 1, 116 das Heer der Aufständischen auf 70000 angewachsen. Nach Orosius 6, 24, 2 befehligte Spartakus bald 30000, Krixos/Crixus 10000 Mann.

Dann wurde den Consuln des Jahres 72 v. Chr., Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus und Lucius Gellius Publicola die Kriegsführung gegen Spartakus übertragen. Jeder von ihnen hatte wohl 2 Legionen und der Propraetor Quintus Arrius eine Truppe gleicher Anzahl.

Krixos/Crixus wurde mit 30000 Mann in Apulien, in der Nähe des Berges Garganus (Mons Garganus) von Lucius Gellius Publicola und bzw. oder Quintus Arrius geschlagen und getötet, zwei Drittel seiner Truppe vernichtet (vgl. auch Ampelius 41 und 45, 3).

Spartakus besiegte die Consuln Gnaeus Cornelius Lentulus und Lucius Gellius Poplicola nacheinander, zog nach Oberitalien und schlug bei Mutina den Proconsul (und Statthalter der Provinz Gallia Cisalpina) Gaius Cassius Longinus, der ein Heer von 10000 Mann hatte. Danach rückte er aber nicht über die Alpen ab, sondern zog wieder südwärts (möglicherweise - so deuten es zumindest einige antike Autoren - unter Druck seiner vom Sieg berauschten Truppen, die in Italien sichere Beute erwarteten und das Land nicht so bald, wenn überhaupt, verlassen wollten). Ob ein Plan zum Angriff auf die Stadt Rom bestand, ist sehr zweifelhaft. Diese Auffassung haben wohl einige antike Autoren aus Richtungswechseln herausgedeutet.

Spartakus schlug die beide ihm in Picenum entgegentretenden Consuln. Auch der Praetor Gnaeus Manlius erlitt eine Niederlage. Spartakus zog nach Süden und nahm Thurioi/Thurii zum Stützpunkt, wo er seine Leute besser bewaffnete. Plinius, Naturalis historia 38, 49 betont, Spartakus habe in seinem Lager den Besitz von Gold und Silber verboten (vgl. Appian 1, 117).

Im Sommer des Jahres 72 v. Chr. übertrug der Senat die Kriegsführung gegen Spartakus an Marcus Licinius Crassus (Praetor des Jahres 73 v. Chr.), wohl mit einem außerordentlichen Kommando (imperium extraordinarium), nämlich ein proconsularisches Kommando (imperium proconsulare). Damals bestand die römische Republik, einen römischen Kaiser gab es nicht, Crassus konnte nach den Regeln der Ämterlaufbahn frühestens 70 v. Chr. Konsul werden. Crassus befehligte neben den Resten der bisher eingesetzten Truppen 6 neue Legionen. Sein Heer hatte wahrscheinlich eine Stärke von 40000 – 45000 Mann.

0

Das Heer der Aufständischen wird für das Jahr 72 v. Chr. auf 40000 bis 120000 Mann geschätzt.

Zahlenangaben für Mitte des Jahres 72 v. Chr.:

etwa 60000 Eutropius 6, 7

90000 Velleius Paterculus 2, 30, 6

mehr als 100000 Orosius 5, 24, 19

120000 Appian 1, 117

Der von Crassus mit 2 Legionen zur Umgehung ausgeschickte Legat (Unterfeldherr) Mummius wurde von Spartakus besiegt. Crassus soll die zuerst geflohene Kohorte mit Dezimierung (jeder Zehnte wurde – nach Auslosung - hingerichtet) bestraft haben (die Glaubwürdigkeit der Berichte über diese Dezimierung wird angezweifelt).

Der Proconsul Crassus drängte Spartakus und seine Leute in den Süden zurück. Spartakus versuchte, mit Hilfe kilikischer Seeräuber nach Sizilien überzusetzen (er wollte 2000 Mann hinüberbringen). Diese betrogen ihn aber, nahmen die Vorauszahlung und erschienen dann nicht (Plutarch, Crassus 10, 3 – 4). Versuche mit selbst hergestellten Booten und Flößen scheiterten (Florus 2, 8, 13; Marcus Tullius Cicero, Orationes in Verrem 2, 5 , 5; Sallust, Historiae 4, 30 – 31).

Crassus hinderte sie mit einer Befestigungslinie an der Rückkehr in das Innere Italiens: Crassus ließ eine 300 Stadien = 53 km lange hohe und starke Sperrmauer (wohl Erdwall mit Pfählen) mit Graben quer durch Bruttium bauen, je 15 Fuß Breite und Tiefe. Mehrere Versuche der Aufständischen, die Umklammerung auf der Halbinsel zu durchbrechen, scheiterten unter Verlusten. In einer stürmischen Winternacht (Winter 72/71 v. Chr.) mit Schneefall gelang Spartakus und seinen Leuten, ein Stück des Grabens an einer unbewachten Stelle aufzufüllen, die Befestigungen zu durchbrechen und einen Teil des Heeres hindurchzuführen. Crassus gab die Belagerung auf und folgte Spartakus Richtung Norden.

Ein von Castus und Gannicus geführter Teil, der Aufständischen wurde 71 v. Chr. von Crassus in Lucanien, in der Gegend von Paestum vernichtet. Spartakus zog sich in die Berge von Petelia zurück und besiegte die ihm folgenden Truppen unter dem Legaten (Unterfeldherrn) Quintus Marcius Rufus und dem Quaestor Gnaeus Tremellius Scrofa. Spartakus zog ostwärts Richtung Brundisium. Wie er erfuhr, war aber dort der aus Makedonien zurückkehrende Proconsul Marcus Terentius Varro Lucullus mit einem Heer gelandet. Von Norden nahte Gnaeus Pompeius, von Süden zog Crassus heran und suchte eine Entscheidungsschlacht. Sie fand (wohl im Frühjahr) 71 v. Chr. in Lucanien, in der Nähe der Quelle des Flusses Silarus statt und war lange und blutig (nach Livius, Periochae 97 wurden 60000 Aufständische getötet). Spartakus soll versucht haben, zu Crassus durchzudringen, tötete zwei ihm entgegentretende Centurionen und fiel schließlich, bis zum letzen Atemzug kämpfend. Seine Leiche wurde nicht gefunden (Appian 1, 120).

Der Sieger ließ 6000 gefangene Sklaven an der Via Appia von Capua bis Rom kreuzigen.

Etwa 5000 aus der letzen Schlacht nach Norden Fliehende wurden vom aus Hispanien zurückkehrenden Heer des Gnaeus Pompeius niedergemacht.

0

Was möchtest Du wissen?