Spanisch länderspezifische Unterschiede

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3 Antworten

Spanisches unterscheidet sich von Land zu Land, auch wenn man einige Regionen einigermaßen zusammenfassen kann. Dennoch gibt es natürlich einige Grundlagen, auch wenn die Umgangssprache dann wieder völlig unterschiedlich sein kann.

Wenn du spanisches Spanisch lernst, also Hochspanisch, hast du zumindest die komplette Spanische Grammatik. Davon blendest du in Lateinamerika Teile aus, da das dortige Spanisch manche Grammatikformen nicht beinhaltet, weil diese eben zur damaligen Zeit noch nicht vorhanden waren, als sich Spanisch in Lateinamerika einbürgerte.

Es handelt sich vor allem um das Pretérito Perfekto (Perfekt), welches in Nordspanien und Lateinamerika praktisch nicht angewandt wird. Hierfür wird das Pretérito Indefinido (eine der beiden Präteritum-Formen im Spanischen) genommen. Die Umstellung ist überhaupt kein Aufwand, falls du dennoch Perfecto sprichst, wird man dich in Lateinamerika trotzdem verstehen, weil es dort an Schulen auch gelehrt wird, aber im Alltag eben nicht angewandt wird. Umgekehrt ist's schwieriger, d.h. wenn du diese elementare Zeitform nicht kennst.

Gleiches passiert mit der 2. Person Mehrzahl. Diese gibt's in Spanien, aber nicht in Lateinamerika. Dort wird dafür die 3. Person Mehrzahl inkl. Höflichkeitsform verwandt. ¿Venis con nosotros? Kommt "ihr" mit uns mit? klingt dort komisch. Statt dessen wird ¿Vienen (ustedes) con nosotros? Kommen "Sie" mit uns gesagt. Auch eine Umstellung, die aber praktisch keinen Aufwand darstellt. Umgekehrt ist's auch hier wieder schwer, d.h. wenn du die 2. Person Mehrzahl nicht kennst, kannst du dir diese nicht denken...

Die Aussprache ist natürlich auch etwas verschieden. Lateinamerikanisches Spanisch klingt oft sanfter (obwohl Mexikaner ziemlich gepresst reden, jedenfalls weite Teile des Landes; oder Argentinier zwar melodischer aber auch hysterischer). Wichtigster Unterschied der Aussprache ist, dass "s" in Spanien oft wie ein spanisches "z" ausgesprochen wird, also gelispelt. Während in Lateinamerika oft sogar ein "c" oder "z" wie ein "s" ausgesprochen wird, also völlig durchgeölt (Aussprache: canción = cansión, corazón = corasón).

Von den Vokabeln ist es natürlich so, dass es auch regionale Wörter gibt. Geh mal in München zum Bäcker und in Berlin. Da heißen viele Sachen wieder anders. In Teilen Lateinamerikas kommt eben noch etwas Indiosprache hinzu, was manche Ausdrücke anbelangt und neuere Wörter werden oft aus dem amerikanischen Englisch übernommen, während in Spanien neuere Wörter aus dem Spanischen neu kreiert werden. Beispiele: Computadora vs. ordenador (Computer); surfear vs. navegar (surfen); celular (von cell phone) vs. móvil (Handy), usw.

Auch hier wieder: mit spanischen Spanisch hast du die spanischen Wörter, die englischen kannst du dir oft selbst denken, die sind eben einfach auf Spanglish angepasst. Umgekehrt ist's schon schwieriger.

Ich habe mir mal Luis Guillermo Solís (Präsident von Costa Rica) angehört:

Die th-Laute "za, ce, ci, zu, zu" spricht er als "s" aus (wie man es oft auch in Andalusien hört)

Beispiele:

statt "pobreza" sagt er "pobresa"

statt "hacer" sagt er "haser"

statt "nacional" sagt er "nasional"


Das d verschluckt er gerne (wie man es oft auch in Andalusien hört)

Beispiele:

"todo" wird zu "too"

"lados" wird zu "laos"


Das "je" und "ge" spricht er etwas wie "h" aus (auch hier erinnere ich mich an Andalusien)

Beispiele:

"Agenda" wird zu "Ahenda"

"Ejercito" wird zu "Ehersito"


Als Ergebnis finde ich NICHT, daß die Unterschiede zur spanischen Version erheblich sind.

Um beurteilen zu können, welches Spanisch in Lateinamerika dem mexikanischen Spanisch am nächsten kommt, müßte man sich mal alle Länder anhören.

Schau mal, ein Österreicher versteht doch auch einen Deutschen und umgekehrt. Und ein Bayer versteht auch einen Norddeutschen (umgekehrt nicht ganz so gut). Macht Euch nicht so einen Kopp wegen ein paar Sprachvarianten.

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