Soziale Marktwirtschaft sozial?

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1 Antwort

Warum hat das keiner beantwortet? Nun, Soziale Marktwirtschaft ist ein theoretisches Konzept. Der Vergleich des Konzepts mit der Realität wirft die Frage auf, wieviel davon noch in unserer Realität übrig ist, ob man diese Wirtschaftsrealität noch als Soziale Marktwirtschaft im Sinne der Erfinder nennen kann. Dazu kommt, dass der Begriff Soziale Marktwirtschaft zum politischen Schlagwort ohne analytischen Hintergrund verkommen ist. Für "links" Orientierte ist der Begriff emotional negativ besetzt, für Marktwirtschaftler positiv, allerdings mit dem Fragezeichen, ob es in der Realität überhaupt noch wesentliche Bestandteile davon gibt, weil der Staat immer mehr eingreift und die negativen Folgen davon flugs der "Sozialen Marktwirtschaft" untergeschoben werden.

Die nächste noch wichtigere Frage ist: Was bedeutet "sozial"? Da gehen die Vorstellungen je nach politischer Bindung extrem weit auseinander. Manche halten es für sozialer, wenn alle gleich arm sind als wenn es keine wirklich Armen gibt aber davon abgehoben extrem Reiche. Darüber wird in dicken Büchern gestritten und allein schon in den Kriterien, nicht mal in den Therapien, gibt es größte Uneinigkeit. Genau genommen ist der Begriff "sozial" unbrauchbar, weil außer hoher emotionaler Ladung niemand etwas Diskutables davon ableiten kann. Ist auch nachvollziehbar: Wer Hartz4-Empfänger ist sieht das meistens anders als jemand, der Unternehmer ist. Da ist niemand bereit, von seinem existentiellen Standpunkt herunterzugehen.

Mein Eindruck ist, dass diese Diskussion immer mehr ins Emotionale abgleitet und zum Boxring für politischen Schlagabtausch wird, jenseits jeder Vernunft. Unser Land ist diesbezüglich gespalten, kippt aber immer stärker in Richtung eines allgemeinen sozialen Versorgungsstaates. Wo der dann das Geld herholt, ist fraglich. Ein Staat allerdings, der Wirtschaftsplanungen aufstellt, die auf der Grundversorgung der gesamten Bevölkerung basieren, wird nicht umhin kommen, im Übergang Arbeitsverpflichtung einzuführen, wenn immer weniger Arbeitsfähige einen wachsenden Teil der Bevölkerung versorgen sollen. Das wird dann noch unangenehmer als die Rente mit 67.

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