Soziale Komponente des Imperialismus

3 Antworten

Die Phase des Imperialismus war ja am Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts...

War sie? Sagt wer?

Nach der einschlägigen Imperialismus-Definition ist "Imperialismus das Bestreben, [...] seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen, bis hin zu deren Unterwerfung und Eingliederung in das eigene Umfeld. Dazu gehört eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten."

Wenn ich mich so in der Welt umschaue, wenn ich nach:

  • Guatemala
  • Panama
  • El Salvador
  • Kuba
  • Nordkorea
  • Afghanistan
  • Irak
  • Iran
  • Syrien
  • Ägypten
  • Somalia
  • Mali

und die anderen insgesamt 67 Länder, von denen ich eine kleine Auswahl oben nannte (nicht alle oben genannten Länder erfreuen sich derzeit unserer "militanten Kulturverbreitung"), in denen derzeit von den USA oder anderen "abendländischen Partnern" als unmittelbar Beteiligte Krieg gegen politische und religiös-politische Gegner geführt wird, sehe ich nicht, dass dieser Definition nicht mehr entsprochen wird.

Im Gegenteil: Wir sind nicht nur bestrebt, notfalls mit Waffengewalt anderen unsere Wertevorstellungen aufzuzwingen; wir sind sogar bereit, Kriege für Rohstoffe zu führen, und diese so erbeuteten Rohstoffe unter - wie überraschend! - ausschließlich "abendländischen Konzernen" zu verteilen. Beispielsweise sind 100% aller rohstofffördernden Unternehmen in Mali in der Hand amerikanischer, kanadischer, australischer, chinesischer und europäischer Konzerne.

sozialen Komponente des Imperialismus

Die soziale Komponente des Imperialismus ist laut Definition "das Ablenken von inneren Problemen, von der Benachteiligung einer Mehrheit sowie von der Bevorteilung einer privilegierten Minderheit durch die Schaffung eines (äußeren) Feindes bzw. Feindbildes". Das war bis zur Mitte der 40er Jahre "der Jude", bis zum Anfang der 90er Jahre "der Russe", dann war es "Al Quaida", heute sind es "der Taliban", bzw. "der Moslem". Und über allem steht "der Sozialist/Kommunist" als General-Joker, der immer dann herhalten muss, wenn die anderen gerade nicht aktiv genug sind.

Kurz gesagt: Es gilt das Primat der Außenpolitik, wonach jegliche Lösung innenpolitischer Probleme vorrangig oder sogar ausschließlich durch die Behandlung außenpolitischer Themen zu erwarten sei.

Dazu gehört im einfachsten Fall "die Schaffung neuer (regionaler) Absatzmärkte". Auch die - in ihrer inneren Beschaffenheit komplexe - Aussage des "Pflichtwachstums der Wirtschaft" ("Kein oder zu geringes Wachstum = Zusammenbruch der Wirtschaft") ist dabei zentraler Punkt. Und es endet nicht bei der Aufwertung der Eigenwahrnehmung durch einen abgrenzenden Vergleich zu (rassisch bzw. sozial) Minderwertigen, um so die inneren sozialen Spannungen zu kanalisieren und zu mäßigen.

DH.
Ich finde es sinnvoll und verdienstvoll, daß Du eine der gängigen Definitionen von "Imperialismus" darauf abklopfst, ob sie nur die VERGANGENHEIT beschreibt.

Gruß, earnest

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eine soziale Komponente per se gibt und gab es nicht im Imperialismus. Wenn es denn eine solche gab und gibt, dann wurde die entweder von Unten erkämpft oder von Oben manchmal notgedrungen eingeführt, um so Linken den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dazu gehörte auch der einstige Systemwettbewerb.

Lies mal online Rudyard Kipling, "Des weißen Mannes Bürde" ("The White Man's Burden").

Da findest Du alle "Argumente", mit denen die imperialistische Ausbeutung wunderschön verklärt wurde.

Gruß, earnest

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