Sozial ist alles, was Arbeit schafft?

18 Antworten

Sozial ist, was Arbeit schafft? Ist das richtig zu ende gedacht?



Ja, wenn man "Arbeit" zum Lebenszweck erklärt.

Wer behauptet, dass nur sozialisiert - also "in die Gemeinschaft integriert" - werden kann, wer Arbeit hat; der setzt Arbeit als eigentlichen Zweck - und damit als Wertbestimmung - des Lebens an. 

Mit anderen Worten: Es ist ein klassisch-neoliberales Konzept, das im Menschen einzig den Wert der (noch zu leistenden) Arbeit sieht.

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BTW: Dieser Werbeslogan, mit dem die CDU 2004 auf Wählerstimmenfang ging, ist von der NSDAP-nahen "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot", die als Wahlbündnis aus Stahlhelm, Landbund und DNVP bestand, abgekupfert. Diese Kampffront wurde vor allem von Industriellen, Rüstungs- und Medienunternehmern gestützt, und war im Grunde hauptsächlich Wählerstimmen-Anker und geheime Parteienfinanzierung für die NSDAP.

Diese Kampffront warb schon 1933 mit dem Slogan:

"Sozial ist, wer Arbeit schafft.

(Man beachte: "Wer" wird durch "was" substituiert; ansonsten ändert sich nix.)

  • CDU: http://www.lumperladen.de/media/grafik/CDU_Wahlplakat_2008-06-08.jpg
  • Kampffront Schwarz-Weiß-Rot: "Derjenige ist wirklich und wahrhaft sozial, der Arbeit schafft." (Hugenberg, Rüstungs- & Medienunternehmer und Hitler-Sympathisant)

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Allerdings ist selbst das - bisher - noch zu kurz gedacht: 

Schon heute werden, vorsichtig geschätzt, ca. 10 - 15 Prozent der Erwerbsfähigen nicht mehr benötigt, um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben umfassend zu realisieren und voranzutreiben. Das wird in Zukunft (s. "Automatisierung", etc.) noch deutlich zunehmen. 

Einschlägige Studien gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit bis zu 80 Prozent der Erwerbsfähigen nicht mehr benötigt werden.

Doch selbst, wenn es nur 20, 30 oder 40 Prozent werden, die im "Arbeits-Prozess" - und damit nach diesem neoliberalen Modell auch in der Gesellschaft -  überflüssig geworden sind, wird sich die Gesellschaft Gedanken machen müssen, wie sie mit diesen "überflüssigen Menschen" umgehen will.

Hitlers Antwort auf die "Überbeschäftigung" war damals einfach: Er verbot etwa den Straßenbau-Unternehmen die Nutzung von Maschinen und ließ dafür Arbeiter mit Hacke und Schaufel schuften. 

Die Lösung der Neoliberalen ist allerdings bis heute noch nicht bekannt. Falls sie also eine Lösung haben, so hüten sie dieses Geheimnis ausgezeichnet; denn bis heute gibt es noch nicht einmal Vermutungen, wie sie das Problem anzugehen gedenken.

Da aber selbst Hitler auf "Profitreduzierung als Patentlösung" abstellte (Maschinen waren auch damals schon leistungsfähiger und gerade bei Großaufträgen deutlich billiger als menschliche Arbeitskräfte), dürfte die Verzweiflung in den Think Tanks der Neoliberalen ob des unangenehmen Dilemmas "Profitreduzierung auf Hitlers Weg; oder Profitreduzierung auf dem Weg der Linken" durchaus omnipräsent sein.

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Hitlers Alternativ-Angebot an die Wirtschaft zum Ausgleich der entgehenden Profite war übrigens "Aufrüstung". Welche Vorschläge werden wohl die Neoliberalen machen, sobald sie ihr Dilemma aufzulösen gedenken? 

Ich denke, man muss schon auch den Aspekt der Zukunftstauglichkeit von Arbeitsplätzen beachten. Ich denke da z.B. an Kohleförderung und die Stahlindustrie, die lange Zeit auch hier in Deutschland (und in UK) stark betrieben wurde. Heute ist der Untertage-Abbau von Kohle entweder ganz verschwunden (oder auf ein Minimum reduziert, ich weiß es nicht genau).

Kohle und Stahl können auch außerhalb von Mitteleuropa hergestellt werden, dazu muss man kein Hochtechnologie-Land sein. Noch heute leiden einige britische Regionen, die auf Montanindustrie spezialisiert waren, und die den Anschluss an modernere Technik verpasst haben.

Soll man einen unrentablen Industriezweig aus dem einzigen Grunde subventionieren, dass er Arbeitsplätze schafft?

Ein anderes Beispiel betrifft die deutsche Milchwirtschaft. Wurde jahrelang subventioniert, heute wissen die Leute nicht mehr, wohin mit der Milch (Preisverfall).

Arbeit braucht auch eine entsprechende Nachfrage nach dem Produkt. Zudem muss man zu rentablen Konditionen produzieren können. Für Mitteleuropa stelle ich mir mehr moderne Technologie vor, Rohstoffe (und Stahl) werden inzwischen in der ganzen Welt günstiger produziert.

Die Aspekte Wertschöpfung und Zukunftstauglichkeit gehören dazu.

Nein! Erstmal müssen wir uns klar machen, dass die Väter unseres "demokratischen Abendlandes" im alten Griechenland Arbeit nicht als Privileg sondern als Zumutung empfanden und sie deshalb von Sklaven erledigen ließen.

Dann wurde die Sklaverei (glücklicherweise!) abgeschafft. Und es nahte Mitte des 19. Jahrhundert die technische Revolution, jetzt musste man dem Volk erklären, dass "Arbeit adelt", was natürlich per se absoluter Quatsch ist. Arbeit versklavt, es sei denn man arbeitet an Kunstwerken, phiosophischen Gedanken oder in der Pflege und Sorge für andere.

Jetzt kommen die Digitalisierung und die Roboter, die den Unterprivilegierten die stumpfsinnige Arbeit abnehmen.

Jetzt müssen sich die Arbeitgeber etwas ausdenken, damit die Arbeiter nicht einen Anteil von dem einfordern, was die Maschinen für sie erarbeiten. Ein Superargument wäre: "Wir brauchen das erwirtschaftete Geld, um damit Euren Wohlstand zu sichern".

Dabei wäre Wohlstand, also ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ganz leicht zu realisieren, man bräuchte dafür nur ca. 05 % auf jede Transaktionssteuer.

Aber ich sehe schon kommen, dass, wenn alle erkennen, dass unsere überdrehte Konsumgesellschaft am Ende ist, die Besitzer unserer Daten im Silikon Valley keine andere Wahl haben, als ihre Datenbestände, die sie nicht mehr für Werbungsoptimierung nutzen können, an die Diktatoren dieser Welt verscherbeln werden, damit diese ihre Widersacher schneller ausmachen und ausmerzen können. Denn Gewissen und Moral gehört nicht zu ihrer Kernkompetenz.

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