Sollten man statt dem begriff Asiaten Ostasiaten sagen, wenn man die typischen asiaten meint?


10.05.2021, 19:39

Wir benutzen den begriff asiaten also anders als die eigentliche definition.

Das Ergebnis basiert auf 12 Abstimmungen

Nein 75%
Ja 25%

2 Antworten

Asien ist ein Kontinent. Im Grunde gibt es gar keine einheitlichen "Asiaten" (ethnisch gesehen). Manche glauben, der Kontinent würde etwas Sinnvolles über die Ethnie aussagen. Das tut er aber nicht. Russen wohnen in Europa und in Asien. Türken wohnen in Europa und in Asien. Und Araber wohnen in Afrika und in Asien.

Und wenn ein Russe von Moskau nach Irkutsk umzieht, wird er nicht dadurch zum Asiaten. Und wenn ein Araber von Saudi-Arabien nach Marokko umzieht, wird er nicht zum Afrikaner. Es sei denn, man sieht tatsächlich die Geographie als alleine maßgeblich an. Wenn man das so sieht, würden wir auch im Urlaub zu Italienern (zum Beispiel), und erst nach unserer Rückkehr wieder zu Deutschen.

"Wir benutzen den begriff asiaten also anders als die eigentliche definition."

Es gibt keine "eigentliche" Definition. Es wird eine Vielzahl von verschiedenen Definitionen benutzt. Asien ist ein Kontinent. Keine einheitliche Ethnie, die man sinnvoll zusammenfassen könnte.

https://en.wikipedia.org/wiki/Asian_people

"A variety of definitions and geographical data are presented by organizations and individuals for classifying the ethnic groups in Asia."

Die deutsche Wikipedia hat überhaupt keinen Eintrag zu "Asiat". Wohl aber zu "Asien". Mir ist auch klar, warum. Der Begriff "Asiat" ist an sich nicht hilfreich. Er suggeriert eine ethnische Zuordnung, arbeitet aber mit einer rein geographisch definierten Umgebung (Asien). Das kann nicht 100% korrekt funktionieren.

Und wenn man es genau nimmt, sollte man ganz auf den Begriff verzichten, dann sagt man halt lieber Japaner, Chinese, Koreaner usw. Und wenn man es nicht genau nimmt, macht es keinen Sinn, sich über die Unstimmigkeiten zu wundern, denn die sind ja schon im Begriff angelegt (Geographie ungleich Ethnie).

Manche Ethnien bewohnen 2 Kontinente. Und auch auf einem Kontinent können sehr unterschiedliche Ethnien wohnen. Der Informationsgehalt des Satzes "Armenier sind Asiaten" ist sehr gering, Armenier sind dennoch nicht mit z.B. Chinesen verwandt.

die typischen asiaten sind die man mit dem begriff meint. Also halt die chinesen, japaner, koreaner, taiwaner, mongolen, vietnamesen, phillipinen, singapurer, malaysier, indonesier, thais
  • Ostasien: China, Japan, Taiwan, Korea, je nach Definition auch ein Stück von Rußland und/oder Mongolei
  • Südostasien: Philippinen, Việtnam, Kambodscha, Thailand, Burma, Indonesien, Malaysia
  • Zentralasien: Je nach Definition unter anderem Mongolei, Tibet, Qırgızstan

Das Problem ist also, daß die Bezeichnung „Ostasiaten“ auf keinen Fall Thais oder Indonesier mit abdeckt.

Das tiefere Problem ist meiner Meinung nach ein anderes: Bis ca. 1980 war es infor­mal üblich, Leute aus den genannten Gegenden als „Ѕсhlіtzаugеn“ zu bezeichnen. Und so peinlich diese Bezeichnung auch ist, in gewissem Sinn ist sie vernünftig, denn die Au­genform ist das einzige, was diese Leute gemeinsam haben. Jetzt braucht man einen politisch korrekten Term für die alte Peinlichkeit, und mangels eines besseren Vorschlages hat sich „Asiate“ durchgesetzt, obwohl es ganz offenbar in Konflikt zu Bedeutung von „Asien“ steht.

Und wenn man noch tiefer blickt, dann erkennt man, daß die Gruppierung all dieser Leu­te unter einem gemeinsamen Term keinen Sinn ergibt (außer, vielleicht, wenn man Ophthalmologe ist). Die Vorstellung es handle sich um eine wohldefinierte Grup­pe, hängt nur an der Augenform. Für viele Europäer mit schlechten Geo­graphie­kennt­nis­sen ist das auch schon alle, was ihnen bei der Nennung der entsprechenden Länder einfällt, und das suggeriert ihnen, diese Leute hätten auch sonstige kulturelle oder historische oder ideologische Gemeinsamkeiten.

Die richtige Antwort auf Deine Frage ist also meiner starken Meinung nach: Das Wort „Asiate“ als politisch korrekte Version von „Ѕсhlіtzаugе“ hat kaum jemals eine legi­ti­me An­wendung. Ich kann mir kaum jemals einen Kontext vorstellen, in dem man ge­nau diese Leute zu einer Gruppe zusammenfassen und benennen muß (außer, man spricht über körperliche Merkmale). Wenn Du das anders siehst, dann fordere ich Dich dazu heraus, Beispiele vorzuschlagen — ich sage Dir voraus, daß einer von zwei Fällen eintreten wird:

  1. Entweder ist Dein Satz inhaltlich kaputt, Du redest also Unsinn. Das betrifft ins­be­son­dere die beliebte „asiatische Küche“ (also alles zwischen Běijīng und Ja­kar­ta), die es nicht gibt — es denkt sich ja auch niemand eine Sammelbezeich­nung für al­le Koch­stile Europas aus, die dann von Hákarl über rheinischem Sauer­­bra­ten und Spa­ghetti aglio olio bis Güvec reicht.
  2. Oder, es gibt kontextabhängig eine bessere weil trennschärfere Bezeichnung.
Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

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