Sollten Kinder im Kindergarten schon lesen, rechnen und Englisch lernen?

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19 Antworten

Richtig sprechen sollten die Kinder können. Und da Kinder im ersten Schuljahr lernen so zu schreiben wie sie sprechen, sind Kinder, die sprachauffällig sind, deutlich im Nachteil. Und nicht nur Kinder mit einem Migrationshintergrund sind sprachauffällig. Etwa 20 % (mit steigender Tendenz) der einsprachig deutsch aufwachsenden Kinder haben ebenfalls Sprachprobleme / Ausspracheauffälligkeiten. Eltern bemerken eine Sprachauffälligkeit ihres Kindes häufig nicht einmal, denn sie haben sich an die Aussprache ihres Kindes gewöhnt. Nach den Schuleingangsuntersuchungen geht dann das Theater los: Wochenlange Wartezeiten für einen Therapieplatz beim Logopäden. Wichtige und wertvolle Zeit geht für das Kind verloren.

In NRW ist der zweistufige delfin-4-Sprachtest für alle Kinder, die in zwei Jahren eingeschult werden, Pflicht für alle 4-4jährigen Kinder. Damit sollen sprachauffällige Kinder herausgefunden werden. NRW-weit wurden beim erstmaligem Testen in 2007 (Testteil 1: Besuch im Zoo) 54 % der Kinder als sprachauffällig eingestuft. Für jedes auffällige Kind sollten 340 € pro Jahr für zusätzliche Sprachförderung zur Verfügung gestellt werden. Nur mit 54 % (von 180.000 getesteten Kindern) hatte wohl niemand gerechnet. Flugs wurde die Entscheidungsmatrix für den 2. Test (Besuch im Pfiffikushaus) stark herabgesetzt, so dass "nur" noch 17 % übrig blieben (mit 54 (!) von 180 erreichbaren Punkten hatte man bestanden). Kinder unter 4 Jahren konnten den Test sogar bestehen, ohne ein einziges Wort gesagt zu haben!

Die GEW-NRW und der dbl laufen Sturm gegen diesen Test. Denn Artikulationsprobleme (z.B. Kind kann keine Doppelkonsonanten wie "kr" oder "bl" aussprechen) fließen nicht mit in das Testergebnis ein.

Wer die Sprachentwicklung und den späteren schulischen Erfolg seines Kindes nicht dem Zufall überlassen möchte, könnte nach dem Lesebilderbuch zur Erkennung von Sprachauffälligkeiten googeln.

Ich denke, man sollte den Kindern erstmal so lange vorlesen, bis sie richtig gut sprechen können und ihnen dann erst lesen beibringen. Man muss ganz genau hinschauen, ob das Kind schon soweit ist. Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man bei der U 8 mal den Kinderarzt fragen.

Das ABC auswendig zu lernen ist nun wirklich keine hohe Kunst, damit kann man nicht so viel Schaden anrichten.

Beim Zählen merkt man sehr deutlich, wann die Kinder bereit sind, rechnen zu lernen. Die meisten Rechenaufgaben stellt ja das Leben selbst und die Kinder lernen es ganz automatisch. Man muss das dann halt als Textaufgaben formulieren und nicht fragen: Wieviel ist sieben minus eins?

Wir hatten mal 5 Gäste und davon waren zwei Kinder, mit unseren waren das dann vier Kinder und insgesamt 5 Erwachsene. Wir haben dann überlegt, wieviele Kinderteller und wieviele große Teller wir brauchen. Meine Tochter (4) konnte das beantworten, obwohl wir noch nie rechnen geübt haben. Und wieviel Stühle wir brauchen, wenn zwei der Kinder im Hochstuhl sitzen. Auch das konnte sie beantworten. Aber wenn ich sie frage, wieviel sieben minus eins ist, geht sie einfach weg! :-)

wie wäre es denn wenn sie zunächst mal lernen richtig deutsch zu sprechen, mit Messer und Gabel zu essen und wie man sich die Schuhe zubindet?

Habe selber mal zwei Praktika in zwei Kindergärten mit Kindern unterschiedlicher Herkunft gemacht - da waren in den Gruppen ca 20 Kinder und je nach Einzugsgebiet ist man teilweise schon zufrieden wenn es am Tag keine Verletzten gegeben hat. Für Englisch-Unterricht wird in der Regel keine Zeit bleiben.

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