Sollte Vergewaltigung genauso hart bestraft werden wie für Mord?

Das Ergebnis basiert auf 88 Abstimmungen

Sexualstraftäter sollten deutlich höher bestraft werden 58%
Die Strafe sollte genau gleich sein wie für Mord 24%
Die Strafe dafür ist genau angemessen 18%

17 Antworten

Die Strafe dafür ist genau angemessen

Grundlage des Strafgesetzbuches sind die Strafzwecktheorien.

In unserem zweckgerichteten Strafrecht dient die Strafe im wesentlichen dem gesamtgesellschaftlichen Zweck der Kriminalitätsbekämpfung.

Die (zweckfreie) Vergeltung spielt dabei nur eine geringe Rolle.

Es geht also NICHT um eine philosophisch-idealistische Idee der Gerechtigkeit.

Es geht NICHT darum, wer hier welche Strafe "verdient" hat.

Wesentlich ist, welche Strafe bei welchem Delikt zur Kriminalitätsbekämpfung erforderlich ist.

Zur Vergewaltigung:

Die Handlungsunwert des Täters ist hoch.

Der Erfolgsunwert der Tat (also die Folgen der Rechtsgutverletzung) ist hoch.

Die Zahl der potentiellen Täter, die durch die Strafe abgeschreckt werden müssen, ist sehr gering.

Denn die schon die natürliche Hemmschwelle, eine Vergewaltigung zu begehen, ist extrem hoch.

(u.a. Deswegen sind übrigens auch Vergewaltiger in der Gefängnishierarchie so weit unten und in der Gesellschaft auch.)

Denn die allermeisten Kriminellen würden eine solche Tat auch dann nicht begehen, wenn es für sie Straffrei wäre.

Die durchschnittliche Strafe liegt ungefähr bei 3 Jahren.

Es ist zur Kriminalitätsbekämpfung nicht erforderlich, die Strafe zu erhöhen.

Es gibt aus auf die Gesamtbevölkerung bezogen keineswegs mehr Vergewaltigungen (einschließlich geschätztes Dunkelfeld) als in anderen Europäischen Staaten.

Die Zahl der Körperverletzungsdelikte an Frauen oder Männern liegt weit höher.

Sexualstraftäter sollten deutlich höher bestraft werden

Für Mord gibt es keine zeitige Freiheitsstrafe mehr. Wenn ein Schwurgericht einen Angeklagten des Mordes schuldig spricht, ist grds. alternativlos auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen. In allen anderen Fällen wird dem Richter ein Strafrahmen eingeräumt um angemessen auf die Rechtsverletzung reagieren zu können. Ein Wiederholungstäter soll so z.B. härter bestraft werden wie ein Ersttäter.

Der Mörder löscht endgültig aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen oder mit besonders verwerflichen Mitteln ein Menschenleben endgültig aus. Zwar wird auch durch eine Vergewaltigung die Rechtsordnung enorm erschüttert (deswegen auch die Einstufung als Verbrechen), eine Gleichsetzung mit Mord schlägt jedoch nach m.E. fehl.

Eine Vergewaltigungist aus der Sichtweise der Bevölkerung pervers, unverständlich und abartig.

Wie hoch ist denn die Zahl der Zeitungsleser, die durch die Strafe abgeschreckt werden müssen?

Bei einem harmlosen Bankraub mit 300.000 Euro Beute doch 100000000000000 Mal höher.

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@Nico1819

Warum ist denn es deiner Meinung nach zur Kriminalitätsbekämpfung erforderlich,

die gesetzlichen Strafrahmen für Vergewaltigung zu erhöhen?

Bist du denn der Meinung,

wenn man die Mindeststrafe für Vergewaltigung von 2 auf 3 Jahre anhebt,

dass dies in einer angemessenen Weise dem gesamtgesellschaftlichen Zweck der Kriminalitätsbekämpfung dienen würde.

Dann wären die Strafunterschiede erheblich:

anstatt 2 1/2 Jahre etwa 3 1/2 Jahre.

Anstatt 4 Jahre etwa 5 1/2 Jahre.

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@Ollil1979

Nach Hegel ist die Strafe als Negation der Negation des Rechts anzusehen. Der Unrechtsgehalt einer Vergewaltigung wiegt schwer. Des Wegen muss auch der Täter als solches hart bestraft werden, damit wieder Rechtsfrieden entstehen kann. Die Mindestfreiheitsstrafe von 2 Jahren, die an sich ja sogar noch bewährungsfähig wäre, spiegelt den Unrechtsgehalt der Tat aus meiner Sicht nicht wieder. Eine Anhebung der Mindestfreiheitsstrafe von 2 auf 3 Jahre halte ich daher durchaus für geboten.

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@Nico1819

Ich akzeptiere deine persönliche Meinung.

Allerdings betrachte ich das Strafrecht als gesellschaftliche Aufgabe,

wo der Aspekt der Strafgerechtigkeit zurückgedrängt werden muss.

Die Strafe soll doch im wesentlichen dem gesamtgesellschaftlichen Zweck der Kriminalitätsbekämpfung dienen.

Und die zweckfreie Vergeltung von Schuld sollte nur eine geringe Rolle spielen.

Das Idealziel der effizienten Kriminalitätsbekämpfung sollte schon weiter anvisiert werden.

Die gesetzlichen Strafrahmen sollen geeignet sein,

das der Richter seinen Beruf - also die Kriminalitätsbekämpfung - ausüben kann.

Und das Ergebnis ist doch hervoragend:

Trotz der nur etwa 50.000 Strafgefangenen, weniger als 1/1.000stel der Bevölkerung, leben wir in einem der sichersten Staaten der Erde.

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@Nico1819

Wichtig ist nach der Feuerbachschen Theorie:

Wie hoch ist die Zahl der potentiellen Täter, die durch die Strafe abgeschreckt werden müssen?

Also wie viel Prozent der Bevölkerung müssen durch die Strafe abgeschreckt werden?

Das das Bundesverfassungsgericht dies weitgehend leugnet,

tut nichts zur Sache.

Das in den Staaten, wo die Vergeltung von Schuld eine geringe Rolle spielt,

das Strafgesetzbuch die Prävalenz der Bevölkerung widerspiegelt,

Straftaten zu begehen,

ist bekannt, auch wenn darüber heutzutage nicht mehr in Universitäten gesprochen werden darf.

Die Bevölkerung soll in der Zeitung hohe strafen bzgl. der tat lesen,

wenn ein hoher Anteil der Zeitungsleser durch die Strafe abgeschreckt werden muss, z.B. Bankraub.

Aus der Sichtweise der Bevölkerung verständlichere Delikte, jedenfalls mit verständlichen Tatmotiven, leicht durchfürbar, müssen in Bezug auf die Tat hoch bestraft werden.

Und die natürliche Hemmschwelle,

einem viel reicheren Menschen, oder unternehmen Geld wegzunehmen,

ist gering.

Und bei MORD ist die Abschreckung extrem wichtig,

da MORD nicht pervers ist und es 10.000e verschiedene Tatmotive insb. Selbstjustiz gibt.

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"Der Mörder löscht endgültig aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen"

Man redet nicht von "Gründen", sondern von Tatmotiven.

Und die sind die Tatmotive in vielen Fällen nach vollziehbar und oft rational.

Deswegen ist die hohe Strafandrohung ja erforderlich.

Die hohe Strafe für Mord, muss wie die gesetzlichen Strafrahmen alle etwa 200 Delikte des StGB mit der Kriminalitätsbekämpfung gerechtfertigt werden.

Die zweckfreie Vergeltung von Schuld darf nur eine geringe Rolle spielen.

 

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Die Strafe dafür ist genau angemessen

Das Vergleichbarkeitskriterium für Juristische Laien, insb. im Stammtischgerede:

Wenn man über Strafen redet, dann darf man nur dann zwei (oder mehr) Delikte miteinander vergleichen,

wenn einem das Bauchgefühl sagt: Die Zahl der potentiellen Täter ist wenigstens ungefähr gleich.

Vereinfachtes Beispiel:

Die (typische) Vergewaltigung wird mit 3 Jahren bestraft.

Der juristische Laie sagt: "Aber die Vergewaltigung ist doch viel schlimmer als ein harmloser Bankraub ohne Schusswechsel."

Dies stimmt auch aus juristischer Sicht: Der Handlungsunwert des Täters und der Erfolgsunwert der Tat ist höher als beim typischen Bankraub.

Wenn man jetzt will, dass die Vergewaltigung 3 Mal so hoch wie der bankraub bestraft wird,

dann muss man überlegen, ob man die Strafe für den Bankraub auf 1 Jahr herabsetzen kann, die dann beim Ersttäter zur Bewährung ausgesetzt werde kann.

Jedoch selbst ohne Strafgesetzliche Vorschriften müsste der Richter an die Millionen Zeitungsleser denken und sieht die Schjlagzeile:

"Der harmlose Bankräuber bekam 1 Jahr auf Bewährung.

Denn er ist eigentlich ein ganz gewöhnölicher anständiger mensch wie jeder andere auch, der der bank gar nicht aus Böswilligkeit schaden wollte.

Er handelte aus dem völlig verstämndlichen Tatmotiv heraus, die nächsten 7 Jahre in der Karibik am Strand zu verbringen: Sonne, Meer, Palmen."

Dann würde das ja "jeder" machen.

Jedenfalls ist die Zahl der potentiellen Täter, die durch die Strafe abgeschreckt werden muss, vieeeeeel höher als bei der Vergewaltigung.

Die Strafe dafür ist genau angemessen

Bei Vergewaltigung wird der Wille einer Person gebrochen ich glaube man sagt auch das Selbstvertrauen.

Bei Mord erkennt die andere Person nicht nur das Recht auf einen eigenen Willen ab, sondern auch das Recht zu existieren. Das ist deutlich intensiveres Unrecht und kann im Vergleich zum ersten Fall der Vergewaltigung nicht mehr repariert werden.

Kommt darauf an. Wenn es ein qualloser tot ist, dann sollte es meiner Meinung nach nicht so stark bestraft werden, wie ein langer, qualvoller Mord. Meiner Meinung nach kann man eine Vergewaltigung mit einem quallosen tot gleichsetzen, aber nicht mit einen qualvollen tot.

Ein Leben ist ein Leben.

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@melman86c

Also wäre es dir egal, ob du einfach sofort stirbst, oder ob du Wochen lang gefoltert wirst, bist du dann irgendwann stirbst?

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@drsvenlp

Nein, aber ich finde nicht das jemand der mein Kind mit einem Kopfschuss tötet weniger Strafe verdient als jemand der es vorher noch gefoltert hat.

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@melman86c

Wenn du den satz umdrehst wird es offensichtlicher. Es soll nicht sein, dass ein schneller mord weniger bestraft wird, sondern, dass ein qualvoller mord mehr bestraft werden soll.

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Es geht doch um die Frage, welche Strafe zur Kriminalitätsbekämpfung erforderlich ist.

Es geht dabei nicht um eine moralische Bewertung.

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