Sollte man heutzutage auf ein "Eigenheim" sparen,bzw. es bei der Bank abzahlen in zig Jahren,

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7 Antworten

Ja, Miete oder Kauf ist eine oft gestellte Grundsatzfrage, die man aus vielen Blickwinkeln betrachten kann. Wenn ich deine bisherigen Antworten berücksichtige, kann man das Thema (RH, DHH, EFH) im Wesentlichen unter 2 Aspekten sehen:

(A) Wirtschaftlichkeit (B) Wohlbefinden / Lebensqualität

(A) ist quantifizierbar, (B) eher nicht und meist Ansichtssache.

Weil ich ein sehr dynamisches, flexibles Berufsleben habe, kenne ich beide Varianten (Kauf-Verkauf-Kauf (inkl. Vermietungsphase)-Verkauf-Miete-Kauf einer Immobilie) und bevorzuge insbesondere jetzt das Wohnen in den eigenen Wänden. Wesentliche Gründe sind für mich (die Reihenfolge stellt keine Prioritätenliste dar: (a) du bekommst das, was du willst und fühlst dich einfach wohl darin. (b) Entscheidungen zu Investitionen für Aus- und Umbau, Verschönerungen drinnen und draußen (auch wenn es wie bei mir aus Freude am Heimwerken viel Eigenleistung ist) fallen viel leichter, weil es eine Investition ins Eigentum ist und das Wohlfühlargument weiter stärkt. (c) Im Alter zahlst du keine Miete. Dies sind also im Wesentlichen gefühlten Argumente und persönliche Vorlieben, also Aspekt (B).

Zu deinen genannten Risiken bezüglich einer Investition „Haus“ wie (1) Wirtschaftskrise, (2) berufl. Flexibilität, (3) Zinsen (eine Zinsbindung läuft in der Regel nach 10 Jahren aus, kommen dann plötzlich höhere Zinsen auf mich zu?), solltest du noch (d) Scheidung hinzufügen, rein statistisch sieht es ja hier nicht gerade rosig aus. (1) und (2) kannst du nicht bzw. kaum beeinflussen, (3) und (4) schon eher bzw. kannst dich darauf einrichten und Vorsorge treffen, dass es hier beim Hauskauf nicht zum Debakel kommt.

Zu (A). Als Alternative zum Kauf kann man natürlich sein verfügbares Eigenkapital (woher auch immer) anders anlegen. Lohnt sich aber nur, wenn folgendes zutrifft:

Rendite der Anlagen - Mietkosten > Wert des Hauses zum Zeitpunkt x - Zinsen

Ich hatte mal eine schöne Excel Tabelle hierzu gemacht, um die Szenarien durchzuspielen. Meist belügt man sich mit dem Wort „wenn….“ dabei selbst und dein Spruch mit Hund und Hase kann auch hier zutreffen. Und wer kann schon vorhersehen, wann nach der Eurokrise die nächste Wirtschaftskrise kommt und welche Folgen Sie für Euch haben wird. Da ist eine langfristige Wertsteigerung einer Immobilie schon eher abschätzbar, obwohl es kurz- und mittelfristig auch hier oft Schwankungen durch Angebot und Nachfrage gibt. Dabei sollte man die langfristigen Instandhaltungsarbeiten eines Hauses nicht unterschätzen, insbesondere dann, wenn man wegen „zweier linker Hände“ alles als Fremdleistung vergeben muss. Wird nicht laufend in die Instandhaltung eines Hauses investiert (und nicht erst nach Abzahlen der Kredite, wie jemand hier anmerkte), reduziert sich natürlich langfristig die Wertsteigerung.

Vollfinanzierung (10% wird aber jede Bank verlangen): das ist nur interessant, wenn deine Tilgung mit z.B. 5% so hoch ist und damit die hohe Zinsbelastung sich zügig reduziert, so dass die Immobilie beispielsweise in ca. 15 Jahren bezahlt ist. Bei Anschaffungskosten von 300,000 € und dem jetzigen Zinssatz wären das ca. 2.400 € monatliche Belastung plus sonstige monatl. Nebenkosten, wozu man schon ein ordentliches Gehalt braucht!

Ob ein anderes Argument wie „später mal etwas zum vererben haben“ wichtig ist, muss natürlich jeder für sich entscheiden.

Schließlich gibt es viele, wie auch ich, die sagen, dass der Wohnwert und die Lebensqualität durch ein Eigenheim nicht mit Geld aufzuwiegen sind. Und dann erübrigen sich sämtliche anderen Diskussionen und Vergleiche.

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 20:25

Vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast, um eine sehr differenzierte und komplexe Überlegung anzustellen.

Alles gut verständlich für mich formuliert, und ich komme zu folgendem Schluss:

Deinem Rechenbeispiel folgend (kommt im Einzelnen natürlich immer auf die Voraussetzungen an ) würde ich mir kein Eigentum zulegen, wenn sich daraus 2.400 euro mtl. Belastung ergibt.

Aber so eine Summe :300.000 Euro + jetziger Zinssatz u. einer Tilgungsrate von 5 % in 15 Jahren abzubezahlen, das ist natürlich 1.) eine sehr hohe Summe der mtl.Belastung und 2.) eine sehr kurze Zeit der Abzahlung.

Ich dachte bisher, dass man die Immobilie - ungefähr - dann abbezahlt haben sollte, wenn man in Rente geht (wenn man an die 60 kommt).

Danke nochmal für die verschiedenen Perspektiven, die du aufzeigst, sicher auch für manch andere User sehr hilfreich.

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So lange man beruflich noch nicht im festen Sattel sitzt, kann ein Eigenheim auch tatsächlich wie ein Klotz am Bein wirken.

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 18:34

Ja, genau das denke ich. Denn wenn ein Paar zusamen ist, und die haben eine eigene Immobilie, und der eine kriegt beruflich ein Suuuperangebot in einer entfernten Stadt, und er möchte das nicht ablehnen, dann... ja, dann wird's kritisch.

Und wer sitzt heute schon fest im Sattel - bei Firmen wie Siemens war man früher wohl sicher, aber große Firmen sind heute absolut keine Garantie mehr für finanzielle u. berufl. Sicherheit.Über den Beitrag von Kontinent14 will ich mir heute abend noch mal in Ruhe Gedanken machen.

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Eine Meinung ist doch in den seltensten Fällen richtig oder falsch - sondern schlicht Ansichtssache. Ich persönlich bin ein Fan von eigenen Immobilien, zumal es da niemanden gibt, der einem was vorschreibt.

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 00:26

Aber ich finde es interessant, die Meinung anderer Leute zu hören. Ok, du bist für ein Eigenheim, danke.

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Ich habe meine erstes Haus mit 26 Jahren gebaut und ohne Eigenkapital, aber dafür mit Muskelhypothek. Nach vier Jahren hatte ich ca. 1975 rund 100.000,- M auf der Hand. Steuerfrei! bei einem Einkommen von 1.600,- DM/Monat. 1983 waren über 250.000,- tsd. DM, irgendwann bin ich dann wohl süchtig geworden. Es hat unheimlich Spaß gemacht ..

Jetzt will ich wieder und suche schon wieder nach einem Grundstück. 2007 sind wir eingezogen und 80 - 120.000,- € könnten schon wieder drin sein. Der Hausbau hatte allerdings vier Jahre gedauert und gearbeitet haben wir wärnd der Zeit sonst nirgends.. Es war eine schöne Zeit!!

nach Deutschland und Italien bauten wir zuletzt in Österreich und jetzt möchte ich nach Berlin oder ans Meer.

Rente kriege ich demnächst und nicht genug zum Leben, aber ein bezahltes Haus, kaum Energiekosten und wenns nicht reicht, kann ich es auf Leibrente verkaufen und wohnen bleiben oder verkaufen und was Kleineres mieten. Das ist doch sicherer als die Rente.. ..und für die Miete für das Haus könnte ich in der DDR (Deutsche Domenikanische Repubklik ) in Panama, Paraguay oder Uruguay mit Koch Hausmeister und Chauffeur leben..

Das ist alles nicht jedermanns Geschmack, aber eines sagt es: Bauen macht frei..

und wenn Du noch etwas wartest und in Ruhe suchst, dann gibt es auch Schnäppchen mit großen Grundstücken, wo Du das Haus nach ein paar Jahren verkaufen kannst und noch ein Bauplatz übrig bleibt.

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Kommentar von ahoi1
06.10.2011, 11:22

Das ist bewundernswert, was du bisher alles gemacht/gearbeitet hast.

Es gibt aber auch Menschen, die sind schon stolz darauf, wenn sie erfolgreich mit einer Bohrmaschine umgehen können, und Laminat nur nach Anleitung eines Freundes selbst verlegen können, und von diesen Freunden, die so viel können, dann allenfalls 1 im Bekanntenkreis haben.

Was mir immer wieder zu denken gibt, wie du auch geschildert hast: im Alter mietfrei zu wohnen - und zwischendurch in all den Jahren sollten dann keine (kleine o. größere) Katastrophen passieren.

Meine Eltern haben auch 2 Immobilien verpachtet (keine Wohnungen), und wenn nach 10 Jahren der Pachtvertrag 'rum ist, wird's unbehaglich, weil dann wieder ein solventer Nachmieter gefunden werden muss, da diese Immobilien jetzt einen großen Teil ihres Einkommens bzw.ihrer Rente ausmachen. Mehr möchte ich dazu an dieser Stelle nicht preisgeben, aber dann wird's jedesmal sehr schwierig.

Deswegen - vielleicht bin ich da so ein bißchen negativ vorbelastet.

Da du den Neid ansprichst: guter Einwand, der macht uns (nur unsDeutschen?) sehr zu schaffen. Ich persönlich würde mich dem, bei einer finanziell so sensiblen Thematik über einen Hausbau, absolut entziehen können - es wird immer jemanden geben, der "weiter - größer - mehr" kann, da wird man seines Lebens nicht mehr froh, wenn man dem hinterherjagd.

Aber gut und wichtig, dass du auch dieses "Problem" aufgezeigt hast!

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hmmm - ist nicht leicht zu sagen - überlege mal, wie lange man an so einem Objekt zahlt (sind ca 30 Jahre).

Und wenns dann bezahlt ist, kannst du das gleich wieder Instant setzen.

Da hast du nicht gerade wenig Kosten, die du bei Miete nicht hast, weil sie der Vermieter zahlen darf.

Klar der kassiert Miete, aber beim Kaufen musst du ja für alle Reparaturen selber aufkommen und das kann schön ins Geld gehen!

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 00:21

Habe beulich gehört, wie jemand sagte, nach 30 Jahren müssen neue Fenster oder ein neuer Dachstuhl 'ran. Wenn ich Mieter bin, sage ich das bei größeren Reparaturen dem Vermieter.

Die meisten, die ich kenne, haben viel von den Eltern dazubekommen, die gerade wiederum von ihren Eltern gewerbt haben.

Danke für deine Antwort, bist anscheinend auch in so einem Zwiespalt...

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ein haus stellt immer einen gewissen wert dar, den du bei einer mietwohnung nicht hast. so kannst du später einmal etwas vererben, was sonst alles dein vermieter bekommt. natürlich gibt es immer wieder mal reparaturen, aber die hast du beim auto ja auch. ;D

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 00:53

Wenn ich nicht ständig das Gefühl hätte, dass die Wirtschaftslage seit längerer Zeit sehr wackelig ist und immer unbeständiger wird, Milliarden für "Rettungsschirme" ausgegeben werden, Politiker und Professoren für politische Wissenschaften sich darüber und über den Euro nicht einig sind und man beruflich rein von der Örtlichkeit flexibel sein muss, wird mir so ein bißchen angst und bange.

Wenn ich Eltern hätte (oder eine Erbtante), die sagen, komm, wir zahlen dir schon mal dein Erbe aus (alles schon gehört in meinem Umfeld), und dann könntet ihr es schon hinkriegen, dann würde ich auch gerne etwas Eigenes besitzen.

(Wenn der Hund nicht geschi..en hätte, hätte er 'nen Hasen gefangen...)

Danke für deine Antwort!

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was ist eine Null-Finanzierung?

Es hat sich noch immer gelohnt ein eigenes Häuschen zu haben, aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn du noch 40 Jahre lebst und jedes Jahr 6000 € an Miete zahlst, die sich natürlich im Laufe der Jahre auch erhöht, hast du am Ende vielleicht 250.000 € gezahlt ... Für mein Häuschen zahle ich vielleicht 700 € = rund 8000 € , habe dann zwar 320.000 gezahlt, wohne dann aber den Rest meines Lebens mitfrei oder kann mein Häuschen verkaufen und mir noch einen schönen Lenz machen.

Und es geht nichts über die Freiheit in einem eigenen Haus zu wohnen. Jedenfalls meine Meinung.

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Kommentar von ahoi1
04.10.2011, 00:23

Danke für dein interessantes Rechenbeispiel.Mit Null-Finanzierung meine ich, dass man am Anfang überhaupt kein Eigenkapital für den Kauf/Finanzierung beisteuern kann.

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