Sollte man gut begründete Zensur unterstützen oder ist hier das eigentliche Problem die Schwierigkeit der Definition der Grenzen?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube der gute Apostel Paulus hat es in einem seiner Briefe geschrieben: Wenn alle nur noch von Liebe entbrannt sind, brauchen wir keine Gesetze. Epikur hat es etwas realistischer ausgedrückt: In funktionierenden Gesellschaften entsteht immer ein Gesellschaftsvertrag, in dem verabredet wird, dass mir niemand Unrecht zufügt und ich dafür eintrete, dass auch keinem anderen ein Unrecht zugefügt wird. Der Kernstaat als Schutzgemeinschaft aller gegen unsere eigenen menschlichen Schwächen. Freiheit ist ein hohes Gut, auch Meinungsfreiheit. Aber Würde ist auch ein hohes Gut. Toleranz ist ebenso ein hohes Gut. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Und dennoch gibt es immer wieder Zielkonflikte zwischen diesen Gütern, weil mit Anspruch auf eines davon versucht wird, andere zu untergraben. Es geht nicht, dass die Würde des Menschen mit Anspruch auf Meinungsfreiheit verletzt wird. Es geht nicht an, dass unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Abschaffung von Toleranz und Demokratie betrieben wird.

Zensur ist nicht Zensur. Eine Zensur als STOPP-Schild des wachsamen demokratischen Staates gegen Missbrauch von Freiheit und Toleranz ist nicht gleichzusetzen mit einer Zensur, die nur noch eine politische Ausrichtung durchsetzen und alles andere verbieten will. Da muss man also schon genauer differenzieren. Wenn der Pfarrer sein Kirchenblatt zensiert und atheistische Botschaften den Abdruck verweigert oder ein Gewerkschaftsboss einen Beitrag eines Industriellen gegen berechtigte Ansprüche von Arbeitnehmern, dann ist das eine erlaubte Zensur, denn niemand muss in einem Verein Beiträge zulassen, die den Verein schädigen. Dagegen darf der Pfarrer gegen einen öffentlichen Werbeauftritt von Atheisten protestieren, doch verbieten kann er ihn nicht, denn seine Vereinsrechte enden in der Allgemeinheit. Schwieriger wird es, wenn einflussreiche Medien sich wie brave Regierungspropagandisten verhalten. Dagegen kann der Bürger protestieren oder den Kauf verweigern, es sei denn, er hat sich unwidersprochen eine Kopfsteuer  für' s TV aufs Auge drücken lassen, und merkt zu spät, dass er einer Zwangsfinanzierung für Staatsfernsehen unterliegt. Wachsamkeit ist besser als Verharmlosung der Bequemlichkeit wegen. So ist besonders auf Gesetze zu achten, die während Fußballweltmeisterschaften und Olympiaden durchgedrückt werden. Wenn alle nach Frankreich oder Brasilien schauen kann man in Berlin oder Brüssel schnell mal ein paar unliebsame Gesetze durchdrücken.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich bin grundsätzlich gegen Zensur. Es sollte jeder sagen dürfen, was er denkt. Vielleicht macht er sich damit lächerlich, vielleicht outet er sich damit als verachtenswerte ethische Null, vielleicht hat er aber auch Recht, vielleicht ist seine Meinung belanglos - das ist mir alles egal, Hauptsache er darf es sagen. 

Mich darf auch jeder beleidigen, oder es zumindest versuchen. Soll doch jeder selbst entscheiden, ob er dem Glauben schenkt, was andere über mich sagen, oder ob er dem keinen Glauben schenkt. Meiner Ansicht nach würden wir in einer besseren Gesellschaft leben, wenn jeder grundsätzlich das sagen dürfte was er will, einschließlich Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gegenüber Lebenden und Verstorbenen. 

Es würde eine Weile dauern, bis die Menschen sich daran gewöhnt hätten, dass jetzt noch mehr Unsinn und Unwahres erzählt wird als früher, und dass man jetzt noch sorgfältiger prüfen muss und jeder in der Eigenverantwortung steht, was er glaubt oder ablehnt, aber insgesamt wäre es ein gesellschaftlicher Gewinn.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Erweiterung ist das Problem. Irgendein Sepp erklärt den Notstand und weitet das auf alles aus was nicht passt

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Naja Zensur gibt es ja hier auch. Noch nie aufgefallen, dass man Zeitungsartikel (online) zum Thema Flüchtlinge nicht mehr kommentieren kann?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von foodlover84
17.05.2016, 01:55

Genau das ist ja die Frage ob das akzeptabel ist. Dies wird zum Beispiel damit begründet das unter solchen Themen oftmals nur hetze geschrieben wird. Kann man nachvollziehen muss man aber nicht, das ist ja die Frage.

0

Was möchtest Du wissen?