Sollte man für negativ-konnotierte Wörter lieber Ersatzwörter (z.B. N-Wort) verwenden?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Man kann das Wort je nach Kontext verwenden 48%
Man sollte gar nicht einen Ersatz verwenden. 41%
Man sollte immer nur vom N-Wort sprechen 11%

Nein er ist aus dem Kongo

Ey, warum verrätst du das. Das soll hier niemand wissen.

14 Antworten

Man sollte gar nicht einen Ersatz verwenden.

Das ist wie Sch.....eibenkleister. Alle wissen, was dahinter steckt, und durch das Verbot und den Ersatz wird gleich noch eine Schippe Rassismus/-vorwurf dazugekippt.

Und es ist auch wie bei dem, dessen Name nicht genannt werden darf. Hermine sagte dazu: "Angst vor einem Namen macht nur noch größere Angst vor der Sache selbst." Hier verhält es sich meines Erachtens ähnlich - das ursprüngliche Wort zu tabuisieren macht es schlimmer, weil es gleich die ganz große Bühne aufbaut, wenn es doch jemand sagt oder es jemandem ganz unbedarft herausrutscht. Und wenn es dann herausrutscht, wird es gleich von den Scheinwerfern beleuchtet und sowohl die Person, die es gesagt hat, als auch der Kontext verschwinden im Dunkel und der Chor tönt fortissimo "RASSISMUUUUUUS!!!"

Manche können sich das vielleicht nicht vorstellen, aber es gibt viele Menschen mit mehr als zwei Jahrzehnten Lebenszeit, die dieses Wort, das nicht mehr genannt werden darf, durch vollkommen rassismusfreie Kontexte ohne negative Konnotation in ihren Wortschatz aufgenommen haben - und das ändert sich nicht allein dadurch, dass es nun in jeglichem Kontext als Unwort gilt. Ich bin in meinem Leben nur in zwei ganz konkreten Kontexten mit dem ersetzten Wort in Verbindung geraten: bei den Schokoküssen und bei Pippi Langstrumpf. Ich habe Schokokussbrötchen, die damals noch anders hießen, geliebt. Oder Mikrowellenschokoküsse. Oder das Highlight auf Straßenfesten: die Schokokussmaschinen! Negative Konnotation? Mitnichten! Und als ich als Kind Pippi Langstrumpf gelesen habe, war das für mich einfach eine Bezeichnung, auch ohne negative Konnotation. Meine beste Freundin war dunkelhäutig, ich habe sie nie damit in Verbindung gebracht. Dass es ein Schimpfwort ist, stellte sich erst Jahre später heraus. Als ich Pippi Langstrumpf dann knapp 30 Jahre später der Generation nach mir vorgelesen habe - noch aus meinem Buch -, habe ich es nicht ersetzt. Aber ich habe erklärt, was es mit diesem Wort auf sich hat.

Ich habe so nie Menschen angesprochen und habe auch nie mitbekommen, dass jemand so angesprochen wurde. Ich wäre auch ohne die "Aufklärung" nie auf die Idee gekommen, einen realen Menschen so zu bezeichnen, weil mir dafür andere Begriffe mitgegeben wurden und ich dieses Wort, das nicht genannt werden darf, nie ein Schimpfwort für mich war, bis es eines wurde.

Nun stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Es gibt so viele andere Schimpfwörter, die auch nicht tabuisiert werden. Wenn Kinder dann mit Schimpfwörtern nach Hause kommen, von denen sie oftmals gar nicht wissen, was sie bedeuten, kann man mit ihnen darüber reden. Warum nicht auch bei diesem Wort? Durch die Tabuisierung bekommt es erst so viel Gewicht. Deshalb halte ich die Ersetzung für falsch, denn sie setzt an der falschen Stelle an. Ich glaube sogar, dass Rassismus sich sogar mitunter über diesen Diskurs vermittelt, dass dieses Tabu Rassismusgedanken also mitunter erst schürt, entstehen lässt. Und ich glaube auch, dass dieser Diskurs Zwietracht erst sät, wenn gleich Rassismus unterstellt wird, nur weil jemand ein bestimmtes Wort sagt, das dann aus dem Kontext gerissen wird und den Rassismus-Stempel rechtfertigen soll.

Miteinander reden statt totzuschweigen und zu unterstellen.

Man kann das Wort je nach Kontext verwenden

Wenn ich es in einem Kontext mit schwarzem Humor verwende, oder US-amerikanische HipHop-Texte zitiere, dann benutze ich das. Sonst gehört es umgangen.

Es zu umgehen bedeutet ja, dass es da ist - und zwar genau mit der Konnotation, deretwegen es umgangen werden muss. Genau da muss man ansetzen. Die Konnotation löscht man nicht, indem man einen Platzhalter hinsetzt. Und die Gedanken ändert man dadurch auch nicht. Dazu müsste man mal über seine Gedanken nachdenken...

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Man kann das Wort je nach Kontext verwenden

Man sollte so negativ belegten und historisch geladenen Worten keine neue Platform bieten und ich sehe auch kein Problem darin wenn Produktnamen und Bilder die nach heutigem Verständnis problematisch sind zu ändern siehe "Schokokuss" oder ggf geisse Logos.

Die Worte sind im Historischen Kontext aber wichtig. Bedeutet wenn es darum geht zu lehren oder geschichtliche Texte zu zitieren sollte man auch treu der Geschichte sein und die nicht nachträgich glattbügeln.

Wie hätte sich Frau Baerbock verhalten sollen? Es aussprechen, was sie tat, oder N-Wort sagen?

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@verreisterNutzer

MMn hätte man hier verzichten können.

Die Zielgruppe hier sind erwachsene die allesamt wissen welches Wort gemeint ist. Wir haben also keinen Informationsverlust wenn hier ein Platzhalte wie N-Wort verwendet wird.

Und es ging ja nicht um ein notwendiges wörtliches Zitat einer entsprechenden Quelle für irgendeine Wissenschaftliche arbeit sondern um eine Vorfallserzählung.

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@dieLuka

Deine Kategorisierung und dein Urteil über legitime und nicht-legitime Kontexte teile ich nicht.

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@LottaKirsch

Schön für dich? Warum erzählst du mir das? Du darfst deine eigene Meinung ja gerne in einer eigenen Antwort vertreten. Ich werde meine aber nicht ändern nur weil du sie nicht teilst.

Das prizip ist ja nicht neu. Es gibt genau das was mMn auch bei so problematischer Sprache angebracht wäre bereits als Gesetzestext zu propaganda Material verfassungsfeindlicher Organisationen.

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__86.html

Und das scheint ja ganz gut zu funktioniern.

Mir ist jetzt auch nicht klar was dich stört.

Stört dich da ich sage das man ein beleidigendes Wort nicht einfach so verwenden sollte wenn es nicht notwendig ist oder stört dich das ich sage das man nicht einfach so tun sollte als hätte es diese Sprache nie gegeben?

Oder stört dich bloß das ich gesagt habe das erwachsene Menschen genug verständnis haben sollten um den Vorfall den Fr. Baerbock beschrieben hat auch mit einem ersatzwort zu verstehen?

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Man kann das Wort je nach Kontext verwenden

"Früher wurden die S-Wort immer mit dem N-Wort bezeichnet, was bei uns vor 50 Jahren jeder tat ohne es beleidigend zu empfinden"

>>> Soll in diesem Stil die Unterhaltung künftig erfolgen? (S-Wort = Schwarze/r/n)

Schwarze/r/n

zum Glück hast du ans Gendern gedacht, sonst wäre direkt die nächste Diskussion entfacht xD

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@SonOfMyMum

Das war weniger das Gendern, als die Tatsache, dass die Grundform (männlich) Schwarzer ist, aber im Satz die Mehrzahl Akkusativ (Schwarzen) steht. Klaro, dass in diesem Fall auch noch die Grundform weiblich dabei steht, aber ohne die Mehrzahlnennung hätte ich das gar nicht gemacht.

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Um das Wort "N.ger", das man anscheinend nun weder sagen noch schreiben darf, wird meines Erachtens viel zu viel Gewese gemacht.

Und erst recht in diesem Zusammenhang. Frau Baerbock hat das Wort als Zitat benutzt. Da war keine nachträgliche "Entschuldigung" nötig, denn eine Schuld lag nicht vor.

Auch dieser quasi vorauseilende Gehorsam aus Angst vor einem neuerlichen Shitstorm zeigt, wie verquast die Diskussion inzwischen geworden ist.

Tiefer hängen! Bitte tiefer hängen.

PS: Für den neuerdings anscheinend auch verpönten Begriff "Schwarzfahrer" habe ich vor ein paar Tagen ein Ersatzwort erfunden:

  • Gratisbeförderungserschleicher*in

Manche Dinge, so scheint es mir, lassen sich nur noch mit Ironie ertragen...

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