Sollte man der Bahn das Streiken verbieten dürfen?

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11 Antworten

Zum Glück hatten wir in der Vergangenheit Gewerkschaften.

Doch aktuell ändert sich der Arbeitsmarkt. Ich persönlich und viele andere arbeiten inzwischen selbständig, bzw. freiberuflich. D.h. durchschnittlich 50-60 Stunden die Woche. Jede Minute ist kostbar, um sie mit der Familie verbringen zu können.

Wenn nun ein Streik läuft, der gerade jenen am meisten schadet, welche nun wirklich kaum Unterstützung seitens des Staates/der Gesellschaft zu erwarten haben, empfinde ich es als pervers, wenn für eine 30%ige Lohnerhöhung gestreikt wird, während jene, die sich auf eigene Beine versuchen zu stellen, dafür 30% Einkommenseinbußen hinnehmen müssen, wenn sie auf die Bahn angewiesen sind. Und das, wo jetzt schon ein einfacher "Durchschnittsverdiener" mit max. 40 Stunden die Woche schon meistens mehr verdient!

Ich hätte auch gerne als Freiberufler Überstundenzulagen, Wochenendzuschläge, Weihnachtsgeld, ein festes Gehalt, Urlaubsgeld und einen sicheren Arbeitsplatz! Hier wäre mal ein Streik und eine "Gewerkschaft" angesagt. Aber dieser Streik würde die Öffentlichkeit nicht interessieren. Weil sie der Wirtschaft nicht schadet.

Also machen wir Freiberufler das, was wir immer machen: wir verhandeln persönlich unsere Angebote aus. Und wir werden an unseren tatsächlichen Leistungen bemessen. (Vorausgesetzt der Kunde zahlt (pünktlich)).

Ich finde diesen Streik unnötig und schädlich. Ich habe durch den Streik bereits einen Auftrag verloren, weil ich nicht zum Termin erscheinen konnte (eine Stunde früher am Bahnhof, nur ein Zug die Stunde, jeweils die Anschlüsse verpasst, ca. 2 Stunden zu spät).

Wo liegt die Relation?

Die GdL schneidet sich letzlich ins eigene Fleisch. Bleiben wir doch mal bei der Realität: Wenn die Lokführer 31 Prozent mehr Lohn bekommen würden, dann steigen die Lohnkosten für die DB AG immens an. Die DB AG würde dann diese Kosten auf die Kunden (Reise- und Güterverkehr) umlegen. Was wäre die Folge? Vor allem im Güterverkehr würden die Kunden zu den privaten EVUs wechseln, z.B. Connex, RBH etc. Der Bahn würden sehr viele Aufträge verloren gehen was letztlich zum Abbau von Lokführern (u.a.) führt. Somit haben sich die Lokführer dann quasi selbst reduziert. P.S. Ich selbst bin in der TRANSNET.

Ich finde einfach, das die Bahn ein öffentliches Interesse vertritt, und deshalb sollte man mit streiken etwas vorsichtiger sein. Hat für mich immer einen erpresserischen Touch. Wenn die Metaller oder die Druckindustrie aufgrund eines Gewerkschaftsbeschlusses oder einer Urabstimmung für irgendwas streiken, ist das prinzipiell zwar nichts anderes, nur die Geschädigten unterscheiden sich. Ist doch mit der Müllabfuhr, den Ärzten Pflegepersonal, usw. ähnlich. Ich glaube nicht, das alle Lokführer von einem Streik überzeugt sind. Das diese im Gegensatz zu ausländischen Kollegen weniger verdienen kann ich ja nachvollziehen, das die DB - Vorstände sich Megagehälter genehmigen ärgert mich auch ! Und die Relationen sind hier leider aus dem Lot geraten ( ist aber nicht nur bei der Bahn so. ) Aber eine über 30 % ige Lohnerhöhung ist völlig irrelevant. Mann sollte hier einfach mal die Kirche im Dorf lassen.

Auch schon mal darüber nachgedacht, wie die Gehälter der GVL-Vorsitzenden steigen, wenn die GVL durch einen eigenen Tarif-Vertrag tatsächlich zu einer "echten" Gewerkschaft werden? :)

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ja, denn ich finde es eine Zumutung für die vielen Menschen, die aus beruflichen Gründen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Die Folgen sind Ausfälle in Firmen, höhere Umweltbelastung , da alle auf das Auto zurückgreifen und und und

Ist es für dich denn auch eine Zumutung wenn in deiner Branche für mehr Geld gestreikt werden soll und irgend jemand anderes will das nicht?

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@Lola60

Ich zum Beispiel kann gar nicht streiken und - nein - ich bin kein Staatsbediensteter.

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Streik in diesem Falle leider JA.

Für die zivilisierte BRD ist es eine Schande, dass es soweit kommen musste. Viele tragen zu diesem Versagen bei, auch die Bahnfahrer.

In der Schweiz ist der Minimallohn (3000 € + Ortszuschläge)für Lokführer-Anfänger höher als der von der Gewerkschaft geforderte Maximallohn . Die bestverdienenden erhalten inklusive Ortszuschläge für 41 Stunden Arbeit pro Woche zwischen 4820 und 1940 € (das 13-mal pro Jahr) Wir schätzen unsere Lokführer und gönnen Ihnen diese Löhne.

Unter der Geizmentalität in Deutschland leiden nicht nur die Lokführer, sondern die gesamte Gesellschaft, schade, das Land hätte noch viel mehr Potential.

Aktuell leidet das (ganze) Land unter der Giermentalität einer Nicht-Gewerkschaft, die auf diesem Wege zu einer Gewerkschaft werden will. Die Lohnerhöhung ist doch nur vorgeschoben. Das ist eine Vergewaltigung des Streikrechts auf Kosten der Gesellschaft.

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Arbeitnehmer haben das Recht, zu streiken. Wenn man einen bestimmten Bereich von Streiks ausnehmen will, muß man ihn staatlich betreiben und mit Beamten besetzen. Wenn man aber privatisieren will, muß man auch Streiks in Kauf nehmen.

Wir haben in Deutschland das Streikrecht für gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter.

Zwar gibt es Einschränkungen, etwa eine vorhergehende Friedenpflicht und die notwendige Urabstimmung, aber wenn das alles beachtet wurde - wird es leider keineswegs immer - dann ist rechtlich gegen den Streik nichts zu machen.

Für die Betroffenen ist das manchmal sehr lästig.

Bei dem Streik der Lokführer ist für mich allerdings offen, ob die GDL überhaupt eine Gewerkschaft ist:

Nach der Rechtsprechung deutscher Gerichte ist eine Gewerkschaft eine auf freiwilliger Basis errichtete privatrechtliche Vereinigung von Arbeitnehmern, ... die eine Tariffähigkeit, dh. die rechtliche Fähigkeit besitzt, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder tarifvertraglich mit normativer Wirkung zu regeln.

Da die GDL meines Wissens ja bisher noch keinen eigenen Tarifvertrag abgeschlossen, sondern sich anderen angepasst hatte - ist sie überhaupt tariffähig???

Ich habe da Zweifel.

Sehr richtig!

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@Heeeschen

Das sehe ich auch so. Ich kann jedoch nicht nachvollziehen, dass ein angestellter Lokführer 1600 netto im Monat erhält, ein beamteter 2400 netto bei absolut gleichem Dienst (vgl. WR, Dortmunder Ausgabe; dort noch weitere Hinweise) ! Zudem ist vom Bundesverfassungsgericht noch zu kären, ob Beamte als "Streikbrecher" in einem Privatunternehmen eingesetzt werden dürfen, wie es die DB gworden ist. Weiterhin geht es nicht nur um die Lokführer, sondern auch um das Service-Personal und die Zugbegleiter. Ich halte den Streik für berechtigt und verständlich. Das Streikrecht ist in Deutschland - m. E. zu Recht - eines der am stärksten geschützten Grundrechte, vgl. Art.9 GG. Gerechte Bezahlung ist notwendig!

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Ich finde das generelle Streikrecht so wie es hier ist vollkommen Ok. In jeder anderen Branche wird auch gestreikt, also warum nicht auch bei den Lokomotivführern.

Man muß sich immer vor Augen führen, das ohne Gewerkschaften mit Sicherheit immer noch Zustände herrschen würden wie im 19. Jahrhundert, also 60 Stunden-Woche und mehr, kein Urlaub, kein krankfeiern und , und ,und.....

Willkommen in der neuen Realität des 21. Jahrhunderts der Freiberufler, Homeofficearbeiter und Selbständigen. 60-Stunden-Woche, keine Zuschläge, kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld usw. Und willkommen im Wiederbelebungsversuch der DDR, wo bald jeder 2. Akademiker das Gleiche wie ein Fahrkartenkontrolleur verdient.

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Das Thema hatten wir nun schon recht oft aber dennoch meine Antwort:

Ich bin nach wie vor GEGEN den Streik. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass eine 2. Gewerkschaft einfach darauf verzichtet, den bereits erzielten Tarifabschluß zu adaptieren, sondern Zusätzliche Lohnaufschläge fordert.

Aber wo wir schon so schön beim Thema sind: Dass die Piloten der LTU jetzt auch noch mit auf den fahrenden Streikzug aufspringen - schlägt doch dem Fass die Krone aus....

Man muß sehen das die Gewerkschaft der Lokomotivführer keinen Tarifvertrag abgeschlossen hat. Also warum sollten sie sich daran halten? Wenn z.B. bei der Metallindustrie eine Lohnerhöhung vereinbart wurde gilt es auch nur für diese Branche und nicht für das Frisörhandwerk usw.

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@Lola60

Schon, Du hast recht: Aber versetze Dich in die Rolle des AG: Du und ich - beide Lokführer - wir bewerben uns bei der Bahn um die gleiche Stelle: ich bin bei Transnet, Du bei einer anderen Gewerkschaft organisiert. Ich verdiene bei gleicher Quali 500,00 Euro weniger -wer wird wohl genommen werden? Und wo soll dass hinführen, wenn der AG beim Einstellungsgespräch auf sowas achten muss?

Meine Meinung: EIN AG - auch nur EIN Tarifvertrag. In sofern sprechen wir auch nicht von einem Branchentarifvertrag :-)

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Man kann es nicht verbieten. Frnn fir Tarifautonomie ist gesetzlich garantiert.

Beantwortet das Deine Frage:

http://www.tagesspiegel.de/medien/karikaturen/cme803,156275.html?SORT=PRIO

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