Sollte man das Zinseszinssystem verbieten, so wie es im alt. röm. Reich gemacht wurde?

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4 Antworten

Zinsen sind nicht einfach nur Zinsen!

Ich beschreib das mal ausführlich -

Für die Gesellschaft ist es positiv, wenn Unternehmen gegründet werden, weil dort irgendetwas erzeugt/gebaut/repariert wird, das für die Gesellschaft einen Wert hat.

Wenn jemand ein Unternehmen gründet, dann tut er das nicht, weil er sich davon erwartet weniger zu verdienen als zuvor. Er will erfolgreich sein und will daß das auch irgendwie honoriert wird.

Das kann aber jeder machen, ohne gleich selber ein Unternehmen zu gründen. Unternehmen benötigen nämlich regelmäßig Kapital, wenn das vorhandene für neue Investitionen nicht ausreicht. Wenn das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird, dann kann man diese Aktien Kaufen und wird damit zum Teilhaber, bekommt also etwas von den Gewinnen ab und das Unternehmen bekommt günstiges Kapital.

Man könnte jetzt der Meinung sein, Privatunternehmen seien völlig überflüssig, schließlich kann der Staat das alles auch machen und die Gewinne dann gerecht verteilen. Dem steht aber die bisherige Erfahrung entgegen: Staats-unternehmen tendieren zur Bürokratie. Und dann sind sie starken, politischen Einflüssen ausgesetzt, weil die bestimmenden Politiker mehr Interesse an ihrer Wiederwahl als an dem Wohlergehen eines speziellen Unternehmens haben. Die Folge: Staatsunternehmen werden mit der Zeit immer unrentabler und schließlich beschäftigen sie sich nur noch damit sich selbst zu verwalten.

Die Banken sind praktisch ein Mittler zwischen denjenigen, die Geld brauchen und jenen, die etwas übrig haben. Wer keine Aktiengesellschaft oder GmbH gründen will und trotzdem zusätzliches Kapital benötigt, der wendet sich an diesen Mittler, die Bank und die leiht ihm das Geld, verlangt dafür aber einen Bonus, die Zinsen. Gleichzeitig leiht die Bank sich aber selber Geld und muß dafür Zinsen zahlen.

Für Privatleute ist Unterschied zwischen der direkten Investition in Aktien und Bankzinsen, daß die Aktiengewinne von der momentanen Situation des Unternehmens abhängen. Es kann also passieren, wenn man das Geld im Folgejahr benötigt, weil man z.B. ein Auto kaufen will, daß die Aktien dann weniger Wert sind, als zur Zeit, als man sie gekauft hat. Im folgenden Jahr können sie wieder deutlich höher sein, was aber nichts nützt, wenn man das Geld genau jetzt benötigt. Dafür sind Bankzinsen besser geeignet, weil die relativ stabil sind. Man weiß zwar nicht ganz genau wieviel Geld man in 3 Jahren auf dem Konto hat, aber daß es nicht weniger ist weiß man schon. Die Bank kann das deshalb garantieren, weil sie mit Unternehmen langfristige Kriditverträge macht.

Man könnte Zinsen völlig abschaffen?

Dann bringt niemand Geld zur Bank, weil das nicht lohnt. Dann schließen die Banken und das bedeutet, daß die Unternehmen, die von ihnen Geld haben wollen dieses nicht bekommen.

Gruß

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nax11 18.06.2017, 01:31

Nachtrag, Zinseszins:

Zinseszinsen sind einfach nur Zinsen. Wenn man Kapital auf einem Konto beläßt, dann bekommt man natürlich auch im Folgejahr Zinsen und zwar auf den Gesamtbetrag. Das gleiche gilt für geliehenes Geld, für das man Zinsen zahlen muß.

Wenn man das explizit verböte, dann würde jeder Sparer sein Geld am Jahresende komplett abheben und gleich wieder neu einzahlen. Und Banken würden Geld nur auf genau ein Jahr verleihen und wer es länger braucht muß eben einen neuen Kredit aufnehmen. Das wäre nur Augenwischerei und ein höherer Verwaltungsaufwand.

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AnonymousXXXXX 24.09.2017, 19:35

"Man weiß zwar nicht ganz genau wieviel Geld man in 3 Jahren auf dem Konto hat, aber daß es nicht weniger ist weiß man schon"

Falsch! Davor sollte man sich die Wirtschaft im großen und ganzen ansehen. Durch eine Inflation gibt es durchaus die Möglichkeit, dass das Geld insgesamt trotz Zinsen an Wert verliert. Auf die Zinsen kann man sich langfristig auch nicht verlassen, die werden von der EZB festgelegt.

2018-2019 sollen die Zinsen steigen.

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nax11 24.09.2017, 19:59
@AnonymousXXXXX

Durch eine Inflation...

Stimmt - die gibt es immer!

Früher waren die Guthabenzinsen höher, aber auch die Inflationsrate und die Sollzinsen natürlich auch!

Ich habe oben aber nicht auf die Frage geantwortet, ob ich Sparguthaben gut finde, sondern auf die nach dem Verbot des Zinssystems.

Wer ein Sparguthaben anlegt, der kann und muß sich natürlich nach den Guthabenzinsen in Relation zur Inflationsrate erkundigen. Wer das unterläßt hat selber Schuld wenn er Geld verliert.

Grundsätzlich sollte ein Sparguthaben aber immer nur für Geld genutzt werden, das man ggf. schnell und in fixer Höhe benötigt. Bessere Anlagemöglichkeiten sind z.B. Aktien, aber die können eben nicht zu jedem Zeitpunkt in Bares verwandelt werden - wenn man keinen Verlust machen will.

Gerade Aktien sind übrigens ein gutes Beispiel, was ein Zinsverbot überhaupt bewirken soll? Wenn Banken keine Zinsen zahlen, dann bekommen sie keine Einlagen und die Kunden wandern z.B. zu Aktien ab. Dort kann man zwar auch die Rendite verbieten, aber wen interessiert das schon - die Wertsteigerung macht den Gewinn und das ist keine Frage von Verzinsung, sondern ein Handelswert, der sich an der Einschätzung des Unternehmenswertes bemißt. Das gleiche gilt für Immobilien, Rohstoffe, etc.

Fazit: Zinsen sind nicht verbietbar!

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Die Frage ist nicht sehr präzise gestellt. Wenn man es erlaubt, dass für das Verleihen / Ausleihen von Geld Zinsen genommen / gegeben werden, gibt es keine Möglichkeit, Zinsen zu erlauben und den "Zinseszins" (d.h. Zinsen auf Zinsen) zu verbieten. Das ergäbe nur Sinn, wenn man alle vorfälligen Tilgungen verbieten würde, und das wäre sehr unpraktisch.

Die viel interessantere Frage ist, ob ein Wirtschaftssystem denkbar wäre, das ganz allgemein die Vereinbarung von Zinsen verbietet, sondern statt der Hingabe von Geld als Kredit nur die Beteiligung zulässt, wie es einige Religionen (insbesondere der Islam) vorsehen.

Dann müsste sich der Unternehmensgründer Partner suchen, die ihr Geld als Beteiligungskapital einlegen, ihren Anteil an den erzielten Gewinnen erhalten, die erlittenen Verluste mittragen müssten und sich schließlich nach dem dann vorhandenen Unternehmenswert wieder auszahlen lassen könnten.

Für den Käufer einer Immobilie würde dasselbe gelten. Ich frage mich, warum Banken nicht in der Lage sind, solche Partnerschaften zu übernehmen (mit welchem Geld, mit dem der Anleger, aber die gäbe es ja in einer zinslosen Wirtschaft gar nicht) oder, noch sauberer, (gegen eine Gebühr) zu vermitteln.

Das könnte alles funktionieren, nur die Finanzierung des Staates gerät damit an ihre Grenzen, vor allem deswegen, weil man das Gesamtvermögen eines Staates (im Gegensatz zum Wert eines Unternehmens und einer Immobilie) nicht fair ermitteln kann. Man müsste also (verzinsliche) Staatsanleihen zulassen und darauf vertrauen, dass der Staat sicherstellt, dass die mit den Staatsanleihen finanzierten Wirtschaftsgüter (Straßen, Schulen, Verkehrssysteme usw. usf.) einen Nutzen bringen, der die Zahlung von Zinsen rechtfertigt. Da kann man bei der Elbphilharmonie schon seine Zweifel haben, aber für die hätte man sicher auch Beteiligungspartner gewinnen können (reiche Pfeffersäcke hat Hamburg genug).

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Auf jeden Fall gehört der Zins verboten.

Denn  jedes durch Zinsen kreiertes Geld muss neu gedruckt werden.

Das ist der Hauptgrund der Inflation.

Geld darf sich nicht selber vermehren. Das ist Wahnsinn.

Bsp. Ich leihe dir 1h meiner Arbeitskraft , und du sollst mir dafür morgen 2 h deiner Arbeitskraft geben.

Schaffst du das nicht, musst du mir für jeden Tag eine weitere Stunde deiner Zeit  geben...  

Irgendwann schuldest du mir Jahre deines Lebens. Wer weiß ob du so lange lebst.

Versteht irgend jemand wie dumm unser Geldsystem ist?

Es darf nur eine gewisse Menge an Geld existieren und die sollte im Verhältnis zur vorhandenen Arbeitskraft stehen. 

 - (Geld, Recht, Finanzen)
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nax11 18.06.2017, 01:25

...Hauptgrund der Inflation

Du verwechselst da was, denn Inflation ist gewollt !

Mit deiner Arbeitskraftverleihung ist das so eine Sache. Ist das nicht ein guter Freund, der mich fragt, ob ich ihn helfen kann, sondern ein Fremder, dann frage ich "Warum soll ich dir denn helfen?"

"Damit ich mein Haus renovieren kann!"

"Und was habe ich davon, wenn du dein Haus renovieren kannst?"

Das funktioniert nicht. Wenn ich darauf warte, daß er mir im Folgejahr bei einem Problem hilft, dann kann es mir passieren, daß er zwischendurch einen tödlichen Unfall hatte und dann kriege ich eben nichts zurück.

Deshalb gibt es Anreize und mit Geld ist eine Bezahlung einfacher, als wenn man für irgendeine Leistung einige Säcke Getreide bekommt, die man dann auch noch lagern muß.

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MrMoccachino 07.07.2017, 16:16

"Durch Zinsen kreiertes Geld"

Welches Geld wird den durch Zinsen kreiert? Keins!

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Wenn ich Geld habe und dieses anlege und dafür Zinsen bekomme und diese Zinsen nicht abgreife sondern angelegt lasse ist doch klar dass ich dann Zinsen auf meinen Anagebetrag und die Zinsne bekomme.

Dein Problem damit ist welches?

Bei privaten Schulden besteht Zinseszinsverbot.

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Kajawizu 17.06.2017, 19:59

Wer erwirtschaftet die Zinsen? Dem kleinen Anleger sei es vllt. noch gegönnt, aber nicht bei Staaten, wo ein komplettes Finanzsystem durch Geld, und damit Macht auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausüben kann.

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kevin1905 17.06.2017, 20:11
@Kajawizu

Wer erwirtschaftet die Zinsen?

Die Zinsen des einen sind die Schulden des anderen, grob vereinfacht gesagt.

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Kajawizu 17.06.2017, 20:13
@kevin1905

sofern die fähigkeit besteht schulden zu tilgen, das andere wären dann spaßgeschäfte, so dass man vorsätzlich weiss, dass diese in absehbarer zeit nicht bezahlbar sind, weil man deren ansprüche nicht erfüllen kann.

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kevin1905 17.06.2017, 20:14
@Kajawizu

Wenn alle Schulden getilgt würden, so gäbe es auch kein Geldguthaben mehr...

Ob ein Mensch für sich seine Schulden tilgen kann hängt von deren Höhe und seiner Liquidität ab.

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