sollte die Wissenschaft eurer Meinung nach Verantwortung übernehmen (+moralische)?

... komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Also zunächst einmal ist "die Wissenschaft" ja keine Person, die eine moralische Haltung übernehmen könnte. Folglich soll sich Deine Frage ganz offensichtlich auf die sog. "wissenschaftliche Community" beziehen, also alle wissenschaftlich arbeitenden Menschen. Aber auch da kommen sofort Fragen auf, wer denn nun dazu zu rechnen ist. Ein Entwicklungsingenieur in einer Firma, die hydraulische Pumpen baut, würde vermutlich befremdet schauen, wenn man ihn nach seiner moralischen Verantwortung fragt. Er würde darum bitten, ihm klar zu machen, an welcher Stelle seines Arbeitsprozesses er solche Überlegungen anlegen soll, und tatsächlich fällt es bei den meisten wissenschaftlichen Arbeiten überaus schwer, in ihrem Betätigungsfeld moralische Aspekte einzubringen. 

Wissenschaftler müssen Sorge tragen, dass ihr Produkt funktionell ist, dass es sinnvoll in größere Systemzusammenhänge integrierbar ist, dass es möglichst einfach und billig herzustellen ist und das es langlebig, zuverlässig und störunanfällig ist. Zudem darf von seinem Produkt keine Gefährdung für Menschen ausgehen. Moral hat in diesem Zusammenhang keinen Platz.

Wenn man überhaupt einen Bezug von Wissenschaft und Moral finden will, muss man schon in recht extreme Felder ausweichen. Ich denke z.B. daran, dass sich ein Entwickler von Waffensystemen mit moralischen Fragen konfrontiert sehen wird, allerdings stellen sich ihm diese bereits, bevor er einen Job in so einem Industriezweig übernehmen will. 

Aber auch das gerne vorgetragene Beispiel von dem Chemiker, der ein Mittel gegen den Befall von Pilzen, Insekten oder Fäulnisbakterien entwickeln soll, kann sein Augenmerk nur auf die möglichst effektive Wirkung und gleichzeitige Unschädlichkeit für den Menschen richten. Er ist von der Frage, ob es für den angestrebten Effekt auch sog. biologische Methoden gibt, nicht tangiert, weil das eine andere Gruppe von Wissenschaftlern bearbeitet. Auch er sieht sich folglich nicht mit moralischen Problemen konfrontiert. 

Bilanz: Ich denke, dass die ganz überwiegende Zahl der heute tätigen Wissenschaftler während ihrer Arbeit überhaupt nicht mit moralischen Problemen befasst sein werden, und folglich ist auch die Übernahme von moralischer Verantwortung durch Wissenschaftler relativ zweitrangig.

Ganz anders sieht hier die die moralische Verantwortung bei Politikern aus. Aber das war ja nicht Deine Frage. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Theoretisch sollte Wissenschaft (besser: sollten die Wissenschaftler) die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Praktisch halte ich diese Forderung dann für insinning, wenn die Wissenschaft als solche und damit auch die Wissenschaftler im Regelfall mit Ethik und Moral nichts anzufangen wissen.

An den Stellen, wo Wissenschaft ethik- und moralfrei tätig ist, wäre sie somit unmündig, und andere müßten diesbezüglich die Vormundschaft übernehmen und im Rahmen dieser Vormundschaft dann auch die Verantwortung für das Tun der Wissenschaft übernehmen.

Im Alltagsleben gibt es Haftungsregeln, die auch so weit gehen, daß ein aus Unachtsamkeit oder fahrlässig versäumten Kenntniserwerbs im Schadensfall der Verursacher haftbar ist.

Ich sehe deshalb keinen vernünftigen Grund dafür, warum Wissenschaft innerhalb infrage kommender Bereich insgesamt und/oder Wissenschafler persönlich und/oder z. B. Aufsichtsbehörden und auch deren jeweilst zuständige Bedienstete nicht für mögliche Schäden haften sollten, jedoch ebenso die Hersteller und Nutzer der durch die Wissenschaft entstehenden Anwendungsprodukte, wenn dort Kenntnisse über Gefahren vorliegen.

Beispiele wären hier die Atomkraft, die Pestizide usw.

Doch auch hier ist Theorie und Machbarkeit zweierlei. Wo fehlstrukturierte Machtverhältnisse und/oder manipulierte Denkgewohnheiten bereits manifest sind, da bleibt auch die schönste Theorie nutzlos.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was soll das den heißen?

Soll die Literatur verantwortung für Bücher übernehmen?

Meinst du die Wissenschaftsgemeinde? Also die Leute, die gar nicht beeinflussen können, was die anderen forschen

Oder die einzelnen Wissenschaftler. Dann allerdings. Aber was bedeutet das dann genau. Watson und Crick (entwickler des Helix-Models der DNA) sollen Verantwortung für die 'Verbrechen' der Gentechnik übernehmen?

Oder doch nur jeder Wissenschaftler für die direkten Auswirkungen seiner Forschung? Wird er dann auch dementsprechend belohnt?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das müsste sie, ja - genau wie jeder Mensch dafür gerade stehen sollte, was er tut.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das tut sie doch eh. Es gibt Ethikrichtlinien in den Wissenschaften, nicht alles darf einfach so ohne Einschränkung beforscht werden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Es reicht völlig, wenn die Menschen das tun würden.

warehouse14

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

man sollte sich immer fragen wie nahe die wissenschaft den lobbyisten stehen?

es gibt wissenschaftler die sehen wie einstein aus? alt und sehr begründet oft in ihrer eingen welt?

und es gibt welche die betohnen alle ihr dr. hc (auch wenn es viele sind) und kleiden sich sehr schön und können meist viel besser reden wie die oben genannte wissenschaftler?

die frage ist welche stehen näher den lobbyistenverbänder oder reden mehr nach dem munde von anderen?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Google nach Peter Kampits: Wissenschaft als moralische Herausforderung. Vortrag  gehalten anläßlich des Symposiums "Die Verantwortung des Forschers" am 29. Mai 1987 im kleinen Festsaal der Universität Wien.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?