Sollte der Staat den Bürgern vorschreiben, welche Weltanschauung sie haben sollen?

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Die Frage wurde im Rahmen der Aktion „Wahl-Special“ von einem ausgewählten Politiker an die gutefrage-Community gerichtet. Ab Montag, den 13. September 2021, bis Freitag, den 17. September, stellen Spitzenpolitiker und angehende Parlamentarier Fragen an ihre potentiellen Wähler auf gutefrage.

Weitere Informationen zur Aktion findest Du hier: https://www.gutefrage.net/aktionen/wahlspecial/

75 Antworten

Guten Abend.

Wir haben hier - zum Glück - eine freiheitliche Demokratie. Und ich schrieb schon in einem anderen Thread (da ging es um die Legalisierung von Cannabis), dass die freiheitliche Demokratie der Ausgangspunkt meines politischen Verständnisses ist.

Und Weltanschauungen sind eine persönliche Sache. Der eine ist religiös, der andere nicht, der eine bevorzugt diese, der andere jene Sichtweise. Diese Vielfalt zeichnet uns aus. Und solange eine Weltanschauung gegen kein Gesetz verstößt, sehe ich nicht, wozu man diese vorschreiben sollte.

Ich möchte hinzufügen, dass ich durch Menschen aus dem Ausland viel gelernt habe. Ein Spanier hat mir viel über Schach beigebracht, hinzu kommen Menschen aus Osteuropa (Lettland, Ungarn, Bulgarien, andere Staaten...), bei denen ich viel über dieses Spiel gelernt habe.

Ein ungarischer Schachfreund arbeitet in Brüssel, bei der EU.

Ich bin überzeugter Europäer, ich war in den meisten Ländern Europas - und habe dort überall interessante Menschen kennengelernt. Ich habe auch ein wenig im United Kingdom studiert, als dieses noch zur EU gehörte (den Brexit bedauere ich sehr - wie auch einige meiner britischen Kollegen).

Die Freiheit des Denkens ist eine wichtige Sache.

Und die Freundschaft und Kooperation innerhalb Europas ist wichtig. Und das Wissen und das Gedenken an die schlimmen Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Mit meinen Eltern war ich als Junge in Verdun. Ich habe die endlosen Gräberfelder mit den weißen Kreuzen gesehen und die Gebeine in dem seltsamen und unheimlichen Gebäude voller Knochen.

Da ist es doch schön, dass wir heute ohne kontrollierte Grenzen nach Frankreich fahren können, ich werde auf Französisch angesprochen, wenn ich im Elsass unterwegs bin. Ich freue mich, dass ich in einer friedlichen Zeit aufwachsen durfte.

Nur, wer die Vergangenheit gut kennt, kann sich an manchen Dingen der Gegenwart freuen.

Nun, die AfD teilt doch all diese Ansichten.

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Sehr geehrte Frau MdB Weidel,

danke, dass Sie sich hier den Fragen stellen. Gern schildere ich Ihnen meine Situation bzw. meine Gedanken zu Ihrer Frage.

Ich (31 Jahre, verheiratet seit 2021 und noch kinderlos; aufgewachsen als nicht immer gern gesehenes "Ausländerkind" in einer typischen, in den 50ern/60ern erbauten Neue-Heimat-Mehrfamilienhaussiedlung; Mittlere Reife 2007, gelernter Industriekaufmann, mittlerweile in einem verwandten Beruf tätig - heute im Corona-HomeOffice) war selbst einige Jahre Gemeinderat - zugegeben für die CDU. Meine Ausrichtung bezeichne ich als linksgerichteten Konservativen leicht links der Mitte; politische Vorbilder sind Norbert Blüm und Heiner Geißler. Generell war mein Ansinnen immer, dass Entscheidungen nicht fraktionslastig, sondern im Sinne der Allgemeinheit (der Wähler) zu treffen sind, was jedoch nicht jedem gefiel.

Zu Ihrer Frage: Nein, das soll der Staat nicht. Das wäre vollkommen undemokratisch und menschlich auch in höchstem Maße despektierlich. Ich stelle dennoch fest, dass von linksgrüner Seite immer wieder Vorstöße und Ideologien kommen, die in diese Richtung zumindest interpretiert werden können. Im Grunde sind all das Beweise dafür, dass Linksgrüne sehr gern von Toleranz etc.pp. schwadronieren, genau das aber im Alltag zu vergessen scheinen.

Das wäre genauso, wenn ich meiner Frau oder irgendjemandem vorschreiben würde, welche Musik zu hören ist, welche Bücher zu lesen sind oder welche Partei zu wählen ist. Das ist letztlich Fremdsteuerung. Ich wurde in meiner Erziehung jahrelang durch meinen sehr vereinnahmenden und einflussnehmenden Großvater fremdgesteuert und erfuhr am eigenen Leib, wohin so was führt. Nur so viel, ohne das zu vertiefen: Es führt in die falsche Richtung.

Mit freundlichen Grüßen!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Schade - ich finde, du gehst Frau Weidel bzw. ihrer komplett desinteressierten Frage voll auf den Leim.

Sie und ihre Partei stehen zudem für eine Partei, die sich für deine Belange (wie du sie in Beiträgen schilderst) nicht einsetzen wird, ganz zu schweigen von der Vielzahl rassistisch denkender AfD-Anhänger und -Funktionäre, für die du ewig das "nicht immer gern gesehene 'Ausländerkind'" bleiben wirst.

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@Silicium58

Ich habe die Frage nur sachlich und nüchtern aus meiner persönlichen Sichtweise und Erfahrung heraus beantwortet und das Ganze auch ehrlich getan.

Ich stehe gewiss nicht hinter der AfD, habe jedoch bisher zu jedem "Wahlspecial" bisher ehrlich auf eine Frage geantwortet und wollte auch hiermit ein Zeichen für Gleichbehandlung setzen, so wie ich als Gemeinderat auch für einen SPD-Antrag gestimmt hätte, wäre er sinnig und schlüssig gewesen bzw. hätte die Gemeindemitglieder weiter gebracht.

Wäre diese Frage von einer anderen Partei oder Gruppierung oder von einer neutralen, fraktionslosen Person ohne Wahl-Hintergrund gekommen, ich hätte exakt das Gleiche geschrieben.

Schönes Wochenende!

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@rotesand

Fraglich, was sich so mancher Kommentarschreiber davon verspricht. Und danke mal wieder für deine ehrliche und objektive Antwort.

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@Silicium58

"rassistisch" - wieso immer diese Totschlagadjektive? Wieso keine richtigen Argumente?

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Hallo,

in gewissen Bereich auf jeden Fall. Gewisse Werte, Traditionen oder Menschlichkeit sind auf jeden Fall wichtig für eine funktionierende Gesellschaft.

Manche Menschen haben eine naturwissenschaftlich geprägte Weltanschauung. Sie gehen davon aus, dass es für alles eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Andere Menschen haben eine Weltanschauung, die vor allem durch ihre  Religion geprägt ist. Wieder andere Weltanschauungen sind dadurch geprägt, wie sich Menschen die  Gesellschaft wünschen, welche Vorstellungen sie davon haben, wie die  Politik eines  Staates aussehen sollte.

Quelle: https://www.hanisauland.de/node/2579

Eine Gesellschaft kann nur optimal funktionieren, wenn alle - oder zumindest die meisten - an einem Strang ziehen. Deshalb sollte man solche Weltanschauungen auch entsprechend vermitteln.

LG

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich lebe in Österreich 🇦🇹🇦🇹🇦🇹

Nein, natürlich sollte der Staat das nicht vorschreiben.

All diese politische Korektheit ist eine der größten Gefahren für die Meinungsfreiheit überhaupt. Dieser Gender-Wahnsinn, die Sprachpolizei, all die neuen Tabus, sll die Shitstorms, wenn es jemand mal wagt, von der Mainstream-Meinung abzuweichen.

Meinungsfreiheit muss es nicht nur ertragen, sondern eigentlich sogar gutheißen, wenn es viele verschiedene Meinungen gibt. Man sollte niemanden ausschließen, meiden oder sozial ächten, nur weil er eine andere Meinung vertritt.

Nein. Das ist ein Bestandteil der Demokratie, dass es verschiedene Meinungen und Ansichten zu diversen Themen gibt. Durch dieses Vorschreiben wäre außerdem die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt bzw. teilweise sogar abgeschafft. Dieses Szenario gilt es unbedingt zu vermeiden. Dazu sind Wahlen ideal: Während der Legislaturperiode beobachtet man die Parteien und wie sich ihre Mitglieder äußern, und das fließt mit in die Wahlentscheidung ein. Verbreiten sie Hass und Hetze gegen andere Meinungen, argumentieren sie, interagieren sie überhaupt oder schotten sie sich ab? Das ist insbesondere in der Debatte um den Umgang mit der Querdenker-Bewegung ein wichtiger Bestandteil, der zwingend besprochen werden muss.

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