Soll ich eine Psychische Erkrankung im Vorstellungsgespräch erwähnen?

8 Antworten

Szenario 1) : du sagst nichts von deiner Erkrankung und bekommst im besten Fall den Ausbildungsplatz. Später kommt es raus; durch einen dummen Zufall oder weil du wieder in Behandlung mußt. Dann gibt es zwei mögliche Folgen: a) du hast so gute Arbeit geleistet, daß dein Arbeitgeber dich nicht verlieren will oder b) dein Arbeitgeber kündigt dich, weil du zu lange wegen Krankheit ausfällst oder er meint, du hättest deine Depressionen von Anfang an erwähnen müssen.
Dann mußt du nur noch eine plausible Erklärung für deine Lücke im Lebenslauf finden. Z.B. Familienangehörigen bei schwerer Krankheit gepflegt/unterstützt; kann dir nie einer das Gegenteil beweisen, es sei denn du lebst auf dem Dorf, wo es alle wissen.

Szenario 2) : du erzählst wahrheitsgemäß von deiner Erkrankung a) du kriegst die Stelle trotzdem, weil du ein seltenes Exemplar von Arbeitgeber erwischt hast - alles ist gut. b) du bekommst die Stelle nicht

Fazit: erzählst du es, ist das Risiko groß, daß du die Stelle nicht kriegst.
Erzählst du es nicht, ist die Chance groß, daß du die Stelle kriegst. Kommt es später raus und du verlierst die Stelle wieder stehst du auch nicht schlechter da als in Fall 1 hattest aber immerhin die Chance. Kommt es nicht raus, hast du einen Ausbildungsplatz und drei Jahre später eine abgeschlossene Lehre.

Nach der Lücke in Deinem Lebenslauf wird mit Sicherheit gefragt werden und es ist richtig, dass Du Dir dafür eine Antwort überlegen musst. Krankengeschichten fallen jedoch unter ärztlicher Schweigepflicht und auch Du bist nicht dazu verpflichtet, darüber Auskunft zu geben. Du könntest sagen, dass Du aus persönlichen/privaten Gründen eine Zeit lang ausgefallen bist, dass sich die privaten Probleme jedoch inzwischen geklärt haben und Du nun mit neuem Enthusiasmus Deinen beruflichen Werdegang fortsetzt.

Ich bin ja sonst schon für Ehrlichkeit. In diesem Falle würde ich aber davon absehen.

Wenn Du das erzählst, kannst Du zwar Glück haben und der Ausbildungsbetrieb gibt Dir einen Ausbildungsvertrag (ja, solche AG gibt es auch), Du kannst aber genau so gut an einen AG geraten, der dann Bedenken hat, dass die Erkrankung wieder kommt und Du das Ausbildungsziel evtl. gar nicht erreichst. Der wird dann wahrscheinlich von einem Ausbildungsvertrag absehen.

Was möchtest Du wissen?