solidarrente was bedeutet das?

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2 Antworten

Solidar-Rente setzt sich aus Solidarität (= Zusammenhalt, Einigkeit, Gemeinsamkeit) und Rente zusammen.

Letztlich ist es der Versuch, eine Lösung für das Problem "Lohn-Armut führt zu Alters-Armut" zu finden.

So schreibt die SPD selbst in ihrem Rentenkonzept:

Erwerbsarmut und eine zu große Lohnspreizung sind die wichtigsten Ursachen für die in den kommenden Jahren drohende Gefahr einer wachsenden Armut im Alter. Selbst die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 € verbessert zwar deutlich die Erwerbseinkommen der Betroffenen Arbeitnehmer, reicht aber nicht aus, um auch nach 40 Jahren Beschäftigung und Beitragszahlung in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) eine Rente oberhalb des Niveaus der Grundsicherung zu erhalten – also einer Altersversorgung, die auch diejenigen erhalten, die überhaupt keine Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben. (Rentenkonzept der SPD)

Quelle: http://www.spd.de/linkableblob/75974/data/20120911_entwurf_rentenkonzept.pdf

Man schlägt also einen Mindestlohn vor, von dem man heute schon genau weiß, dass er gar nichts löst - im Gegenteil: Man gibt zu, dass dieser Mindestlohn während des Erwerbslebens rein finanziell sogar eine Belastung der Geringverdiener ist, denn jeder andere würde die gleiche Rente bekommen; selbst wenn er gar nichts eingezahlt hätte...

Um das wiederum "verkaufbar" zu machen, schlägt man unter anderem vor, Arbeitslosigkeit und andere gering bewertete Beitragszeiten um bis zu 50% aufzuwerten, damit die Rente höher ausfällt.

Weil auch das nicht ausreicht, führt man im nächsten Schritt die "Solidar-Rente" ein, um so einen Anreiz zur Einzahlung in das Rentensystem zu setzen. Die "Solidar-Rente" soll nur bekommen, wer 40 Versicherungs- bzw. 30 Beitragsjahre nachweisen kann.

Das wiederum soll nach Ansicht der SPD vor allem die "Solo-Selbständigen", die oft aus oben genannten Gründen aus der gesetzlichen Rentenversicherung geflohen sind, dazu ermutigen, doch wieder zurückzukommen und sich am "Solidar-Prinzip" (= "Die Erwerbstätigen von heute zahlen die Rente von heute") zu beteiligen.

Wenn man dabei von Steuerfinanzierung spricht, meint man, dass man neben dem Rentenfond auch in Steuerkassen greifen will, um die Renten auf diese Weise quer zu subventionieren. (Beispiel: Einkommenssteuer wird eingesammelt und teilweise als Rente für die heutigen Rentner wieder ausgezahlt.)

Faktisch ist also eine Steuerfinanzierung nichts weiter, als eine Erhöhung des Rentenbeitrags für die Arbeitnehmer durch die Hintertür.


Vorsicht: Nicht falsch verstehen! Ich halte die Grundidee für wichtig und richtig. Das Problem liegt nur in der Umsetzung: Hier zeigt sich deutlich, dass die SPD bis heute nicht bereit ist, die - auch von ihnen - privilegierten Reichen zur gesellschaftlichen Verantwortung heranzuziehen. Stattdessen versucht sie erneut, die Lasten maßgeblich unter jenen zu verteilen, denen sie seit Jahrzehnten in die Tasche greift.

Allerdings ist eine Steuerfinanzierung auch ein erster - winziger - Schritt in Richtung echter Solidarität: Auch Herr Ackermann zahlt Steuern. Also fließt ein Teil seiner Steuern in die Tasche von Rentnern. Damit wird er ERSTMALS überhaupt an der gesamtgesellschaftlichen Rahmenfinanzierung beteiligt. Und das ist für die SPD schon erstaunlich sozialdemokratisch.

Eine echte Solidar-Rente ist es allerdings noch lange nicht: Die eigentlichen Lasten liegen nicht etwa in der Demographie, wie man uns immer wieder vorgaukeln will, sondern in der bunten Vielfalt der Renten- und Pensionsfinanzierung neben der risikobehafteten Selbst-Vorsorge.


Unabhängig von der SPD-Variante der Solidar-Rente:

... was 'Solidarrente' eigentlich bedeutet?

Eine Solidar-Rente würde dem Namen nach bedeuten, dass die gesamte Gesellschaft sich solidarisch (also gemeinsam) an der Finanzierung der Rente beteiligt.

Heute ist das bei Weitem nicht der Fall, denn nur die lohnabhängig beschäftigten Arbeitnehmer sind in das Rentenfinanzierungs-System gezwungen. Alle anderen zahlen entweder gar keine Rentenbeiträge (Beamte, Berufspolitiker, etc.) oder finanzieren sich ihre Altersrücklagen durch andere Geschäfte (Versicherungen, etc.).

Bis es so weit ist, dass wir in Deutschland eine Solidar-Rente haben, die ECHTE SOLIDARITÄT beinhaltet, an der sich also alle Mitglieder (und damit Profiteure) der Gesellschaft beteiligen, ist es aber noch ein weiter Weg. Hier gibt es - neben einigen kleinen Splitterparteien - zur Zeit nur eine parlamentarische Partei, die einen etwas schnelleren Weg einschlagen will, indem sie unter anderem vorschlägt, dass ALLE in das gleiche System einzahlen sollen. ... Und das ist nicht die SPD.

clemensw 18.09.2013, 11:07

Hervorragende Antwort!

Bleibt nur die Frage: meinst Du im letzten Satz jetzt DIE LINKE oder die Piraten?

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Trranquila 18.09.2013, 18:14

Wow danke !!

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Diese Rente müsste aus einem Kapital bezahlt werden, die mit den Beiträgen der Rentenversicherten nichts zu tun hat. Sie müsste also solidarisch aus ALLEN Einkommen bedient werden, nicht wie die jetzige Rente ausschließlich aus dem Bereich der abhängig Beschäftigten.

Trranquila 18.09.2013, 18:15

Vielen Dank !

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Trranquila 18.09.2013, 18:15

Vielen Dank !

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