Wie können Skadi und Njörd in der nordischen Mythologie zeitlich eingeordnet werden?

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Vom Wanenkrieg mit einem Stellen von Geiseln (verbürgt Einhalten des Vertrages) erzählt Snorri Sturlusson. Er hat dies wohl aus Resten eines Mythos vom Wanenkrieg konstruiert und möglicherweise nicht alles richtig verstanden.

Als ältere Überlieferung gibt es nur dunkle Andeutungen in Völuspá/Vǫluspá 21 – 26, wo aber die einzige namentlich genannte Person eine Frau ist, Gullveig, der weder mit Speeren noch Feuer das Leben genommen werden konnte, und die anscheinend dann auch Heid (altnordisch: Heiðr) heißt, die Weissagungsgabe hat und Zauberei/Magie ausübt.

Die Ehe zwischen Skadi (altnordisch: Skaði) und Njörd (altnordisch: Njǫrðr; auch als moderne Schreibweise Njördr) kann von Snorri Sturlusson zeitlich nur nach dem Wanenkrieg gedacht sein. Denn Skaði kommt nach Asgard (altnordisch: Ásgarðr), wo Njǫrðr erst sein kann, nachdem Njǫrðr nach Snorris Vorstellung Wanenheim (altnordisch: Vanaheimr) verlasssen und als Geisel nach Ásgarðr gekommen ist.

Die Ehe mit nur nach Anblick der Füße ausgewähltem Ehepartner (Skaði erhofft sich Balder [altnordisch: Baldr) und nimmt an, er habe die schönsten Füße, aber der nach diesem Kriterium gewählte Gott stellt sich als Njǫrðr heraus; Skáldskaparmál 3) scheitert nach kurzer Zeit.

Freyr und Freyja sind Kinder des Gottes Njǫrðr. Als ihre Mutter wird aber meistens nicht Skaði angegeben.

Snorri Sturlusson erwähnt in Ynglinga saga 4 Njǫrðr und seinen Sohn Freyr als Geiseln. Sie werden von Odin (altnordisch: Óðinn) als Opferpriester eingesetzt und auch Freyja ist dann Opferpriesterin in Ásgarðr. In Vanaheimr habe Njǫrðr seine eigene Schwester geheiratet (nach ihrem Recht erlaubt, in Ásgarðr dagegen verboten) und ihre Kinder seien Freyr und Freyja gewesen. In Vafþrúðnismál 38 – 39 kommt Njǫrðr als Geisel vor, auch in Lokasenna 34 – 35 in den Reden. Lokasenna 36 wirft Loki Njǫrðr vor, mit der eigenen Schwester seinen Sohn (Freyr) gezeugt zu haben.

Grímnismál 1 – 2 wird in Reden Freyr als gemeinsamer Sohn von Njǫrðr und Skaði bezeichnet.

Gylfaginning 23 - 24 erzählt von der gescheiterten Ehe. Njǫrðr wohnt in Nóatún («Schiffsplatz»), Skaði in Thrymheim (altnordisch: Þrymheimr; «Donnerheim»). Ihre Vorlieben und Abneigungen zu einer Lebensumgebung sind ganz gegensätzlich. Eine Vereinbarung über einen wechselnden Aufenthalt halten sie nicht lange durch. Es kommt zur Trennung. Skaði verläßt Njǫrðr und zieht sich in die Berge zurück. Von Njǫrðr heißt es, er habe danach/später in Nóatún zwei Kinder gezeugt, Freyr und Freyja (ein Name der Mutter wird nicht angegeben).

Dies enthält etwas Deutungsspielraum. Skaði kann aber nur dann als Mutter angenommen werden, wenn die Trennung noch nicht ganz endgültig war. Sonst handelt es sich um eine unbekannte Mutter. Mit einer Erzählung von Freyr als Geisel nach dem Wanenkrieg paßt die Geschichte auf jeden Fall nicht zusammen.

Zur Schwester gibt es Überlegungen, der Name Njǫrðr sei aus einem urgermanischen Nerþuz abgeleitet, dessen latinisierte Form die von Tacitus, Germania 40, 2 erwähnte germanische Göttin Nerthus ist. Es sind verschiedene Hypothesen über eine Verbindung aufgestellt worden, andererseits auch die Exstenz einer Verbindung in Frage gestellt worden.

Literatur:

Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarbeitete Auflage. Stuttgart : Kröner, 2006 (Kröners Taschenausgabe ; Band 368), S. 112 – 114 (Freyja), S. 114 – 117 (Freyr), S. 302 – 304 (Njǫrðr), S. 375 – 376 (Skaði)

S. 375 (im Zusammenhang mit der gescheiterten Ehe): „Njǫrðrs Kinder Freyr und Freyja dürften dennoch von ihr stammen.“

Edgar C. Polomé. Freyja. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 9: Fidel – Friedlosigkeit. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2005, S. 584 – 587

S. 586: „F. ist die Tochter Njörðrs und dessen ungenannter Schwester. Inzest war bei den Wanen ganz üblich (dies erhellt ebenfalls aus Lokis Tadel in Lokasenna 32, F. hätte mit ihrem Bruder Freyr intimen Umgang gehabt), In der strikten Asenethik war dies nicht gestattet. Deshalb wurden F. und Freyr weiterhin dargestellt als geschwister, geboren aus der Ehe zw. Njörðr und Skaði.“

F. = Freyja

Edgar C. Polomé. Freyr. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 9: Fidel – Friedlosigkeit. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2005, S. 587 - 594
S. 588: „F. gehört zur Göttergruppe der Vanir (→ Wanen). Wie seine Schwester → Freyja ist er aus dem Verkehr des Njörðr mit dessen (nirgends mit Namen erwähnten) Schwester entsprungen. Dies erklärt, warum seine Stiefmutter → Skaði ihn in den Skírnismál 1 als mögr Jüngling, Knabe' statt als sunr ,Sohn' bezeichnet.

F. = Freyr

Anders Hultgård, Njörðr. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 21: Naualia - Østfold. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2002, S. 234 - 240

S. 237 (zu Snorri Sturlusson, Prosa-Edda, Gylfaginning 23): „N. möchte sich in der Nähe des Meeres aufhalten, während Skaði lieber oben auf dem Berg von Þrymheimr wohnen will. Der Streit löst sich durch die Vereinbarung, daß N. neun Nächte in und drei Nächte in Nóatún bleiben soll, aber werde N. noch Skaði kommen über eine erste Versuchsphase hinaus. N. kann nicht das Geheul der Wölfe in den Bergen aushalten, und Skaði kann bei dem Gekreisch der Seevögel nicht einschlafen. Snorri veranschaulicht dies durch zwei Strophen eines ansonsten unbekannten Eddaliedes, das auch einigen Strophen bei → Saxo Grammaticus (Gesta Danorum I, 8, 18 – 19) zugrundeliegt; sie werden Haddingus und regnhilda in den Mund gelegt […]. Skaði fährt in die Berge zurück und lebt dort, während N. am Meer bleibt.

Zum Schluß seiner mytholog. Beschreibung von N. erwähnt Snorri, daß der Gott später zwei Kinder bekam, Freyr und Freyja.“

N. = Njörðr

François-Xavier Dillmann, Skaði. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 28: Seddin - Skiringssal. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2005, S. 546 - 549

S. 547: „Trotz einer plausiblen Interpretation des Prologs und der ersten Strophe des Eddaliedes Fǫr Skírnis (→ Skírnismál; […]) scheint S. nicht allg. als Mutter des → Freyr gegolten zu haben. Snorri hält letzteren wie auch → Freyja für die Früchte einer inzestuösen Liebe von Njǫrðr und seiner Schwester vor der Vereinigung der → Wanen und → Asen (→ Ynglinga saga, c. 4, […]). Zu Beginn von c. 24 der Gylfaginning […] scheint der isl. Gelehrte andererseits zu meinen, der Gott Njǫrðr habe Freyr und Freyja nach seinem Bruch mit S. gezeugt.

Nach einer alten Qu. hat S. zahlreiche Söhne aus einer Liebschaft mit Odin (Háleygjatal, Str. 4; […]), v. a. einem berühmten Abkömmling (Háleygjatal, Str. 3; […]). Gestützt auf dieses Zeugnis […] berichtet Snorri in c. 8 der Ynglinga saga, S. habe Odin geheiratet und mit ihm zahlreiche Söhne gezeugt, darunter Sæmingr, auf den Hákon jarl Sigurðarson, der berühmte Herrscher Norwegens aus der 2. Hälfte des 10. Jh.s, seine Abstammung zurückgeführt hätte. Aber diese Einzelheit steht im (zumindest scheinbaren Widerspruch […] zu der im Prolog der → Heimskringla […] erwähnten direkten Vater-Sohn-Beziehung von Yngvi-Freyr (→ Ing-Yngvi) und Sæmingr.“

S. = Skaði

allg. = allgemein

c. = caput (Kapitel)

Jh. = Jahrhundert

Peter Jackson, Wanen. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 33: Waagen und Gewichte - Wielandlied. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2006, S. 233:  

„Noch ein Kennzeichen der Gruppe ist die frühere, seit der Aufnahme in den Götterkreis aber mit dem Bann belegte Sitte der Geschwisterehe (Ynglinga s. 4; Ls. 32, 36) […]. In Ynglinga s. 4 und Ls. 36 wird zwar angedeutet, daß Freyr und Freyja aus einer derartigen Verbindung zw. Njörðr und seiner Schwester stammten. Laut einer anderen Textstelle (Gylfaginning 13 [24] 13) zeugte aber Njörðr diese Kinder in einer späteren, legitimen Ehe mit der Riesin →Skaði. Obwohl diese beiden Angaben widersprüchlich sind, können sie als Beispiele für die myth. Wahrnehmung der W. und nur für sie implizit gültige Regeln einer exogamen Ehe angeführt werden. Als Folge solcher Regeln durften die W. keine Ehen mit den Asen eingehen […].“

Ynglinga s. = Ynglinga saga

Ls. = Lokasenna

myth. = mythische

W. = Wanen

Während dem Wanenkrieg vielleicht? Ich dachte aber eigentlich der dass es davor war :/

Naja, aber auch dann wäre Njörd ja noch nicht zu den Asen gezählt worden. :/

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