Sind Zweifel im Christentum, Judentum und im Islam jeweils verboten oder erlaubt?

20 Antworten

Zweifel kann man nicht verbieten, denn sie stellen sich einfach ein. Etwas, das sich einfach einstellt, ist auch keine Sünde. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, wer niemals gezweifelt hat, ist kein wirklicher Gläubiger. Zu einem reifen und erwachsenen Glauben gehört es, daß man die Dinge, die man gelernt hat, in Frage stellt, prüft und nach Antworten sucht. Erst so wird aus einem naiven Kinderglauben ein erwachsener, gefestigter Glaube, der es aushalten kann, auch von anderen Menschen hinterfragt zu werden. Ich kenne niemanden, der da nicht durchgegangen ist - mit verschiedenen Ergebnissen. Gruß, q.

Ich finde, je mehr Zweifel eine bestimmte Religion zulässt, desto lebendiger ist sie noch und desto mehr Möglichkeiten hat sie, auch noch in der Zukunft lebendig zu bleiben. Jeder dogmatische Anspruch wird irgendwann zum Aus für eine Religion.

Eine Religion welche Zweifel verbietet kommt nicht von Gott, sondern von Menschen und ist damit unglaubhaft und disqualifiziert sich selbst! Gott kennt seine Geschöpfe und damit auch ihre Unvollkommenheit. Er weiß, dass wir Menschen auch immmer wieder in Versuchung geraten und damit auch in Zweifel geraten. Deshalb freut er sich zwar nicht über unser Zweifeln, versteht es aber und holt uns immer wieder zu sich zurück, denn er liebt seine Kinder. Ich denke dabei an den Gott des Christentums!

Es gibt keinen Heiligen der Kirchengeschichte, der nicht auch zeitweilig durch die Nacht der scheinbaren Verlassenheit und des Zweifels gegangen wäre. Daran ist ihr Glaube gereift und noch tiefer geworden. Nur das Gebet darf man während dieser Zeit nicht aufgeben.

Auch Thomas hat gezweifelt, obwohl er geschaut und gehört hatte. Er müsste uns deshalb sehr sympathisch sein. Wichtig ist nur, was Jesus ihm dazu sagt: "Weil du gesehen hast, hast du geglaubt, selig sind die, die nicht sehen und doch glauben."

Und entscheidend ist deine Antwort darauf - heute, morgen und immer: "Mein Herr und mein Gott."

Das Christentum kennt sehr wohl das Thema Zweifel. Im NT gibt es die Versuchung Jesu durch den Satan in der Wüste, den Ruf am Kreuz "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen". Letztendlich alles Themen, die mit dem Zweifel zu tun haben.

Aus den Biografien der Heiligen und Kirchenväter (Franziskus, Augustinus) ist ebenfalls der Zweifel bekannt.

Im Judentum (AT) gibt es einige Geschichten, die ebenfalls in diese Richtung gehen: Hiob, der von Gott versucht wird sowie der Prophet Jona, der versucht vor dem Ruf Gottes zu fliehen.

Zum Thema Islam bin ich nicht so detailliert kompetent. Die Scharia verbietet aber den Abfall vom Glauben und sieht dafür die Todesstrafe vor. Ich denke daher, dass der Zweifel dort nicht so großen Raum in der theologischen Diskussion hat.

Einspruch: Das Buch Hiob ist keine Geschichte des Zweifelns! Hiob ist sagt an keiner Stelle, vielleicht hat Gott Recht, indem er mich quält! Nein, er sagt eindeutig, immer und immer wieder dasselbe, obwohl ihn seinen frommen Freunde drängen, die Schuld für seinen Untergang auf sich zu nehmen: er sagt, ich habe keine Schuld, Gott behandelt mich ungerecht!

Das Buch Hiob ist eine Geschichte der Auflehnung gegen Gott! Interessanterweise gibt Gott in der Erzählung Hiob Recht, als er sich zum Schluss gegen die Freunde wendet, die Hiob mit den bibelüblichen frommen Sprüchen traktierten! frommen Einstellungen genervt haben!

0

Was möchtest Du wissen?