Sind wir alle nur fake, tragen wir Masken?

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13 Antworten

Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Das wussten schon Aristoteles und die anderen antiken Philosophen. Ein Meister darin, geschickt und souverain mit Masken umzugehen war wohl der Sokratesschüler Aristippos von Kyrene, der immer für einen angeblichen Hedonismus herangezogen wird. Er verstand es, mit Maken zu spielen nach dem Motto: "Das Leben ist ein Spiel, das man ernst nehmen sollte ohne es ernst zu nehmen." 

Deine Darstellung lässt vermuten, dass Du dieses Spiel etwas zu verbissen ernst siehst. Deinen Äußerungen fehlt die leichte, spielerische Variante. Du gibst die Spieleverweigerin. Kannst Du machen, träufelt aber immer ein paar Tropfen Bitternis, etwas anstrengende Überachtsamkeit (lass Dich nicht verarschen!) in den notwendigen gesellschaftlichen Umgang. Unser Charakter hat zwar auch etwas mit Vererbung zu tun, aber eben nicht nur und ist daher kein Monolith. Wenn wir falsche vorgefasste Meinungen nur lange genug pflegen, färbt das auch auf den Charakter ab und auf die Masken, die wir wählen. 

Zur sozialen Kompetenz gehört auch, dass man lernt, Masken einzuschätzen, mitzuspielen oder sich evtl. zu verweigern. Nur eine Verweigerungshaltung einzunehmen vermiest anderen und letztlich als Rückkopplung auch einem selbst den Spaß am Leben.

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Kommentar von estergirl
17.07.2017, 22:37

Danke für die tolle Antwort! :)

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Jeden Tag, präsentieren wir doch eigentlich eine Version von uns selber,
die mit unserem Charakter nicht hundertprozentig übereinstimmt.

Allerdings müsste es erst einmal überhaupt so etwas wie "unseren Charakter" geben, der sich substantiell von den "Masken" unterscheidet.

"unser Charakter" existiert auch nur aufgrund von Konditionierungen aus Erziehung und Gesellschaft, sowie persönlichen Erfahrungen.

Unsere gesellschaftliche Maske ist es, etwas zu essen, das uns absolut nicht schmeckt und "danke, schmeckt ausgezeichnet" zu sagen.

Aber auch unser Ekel ist nicht authentisch, sondern beruht auf Vergleichen mit bisherigen Erfahrungen. "Das Essen dort war besser".

Mit einer anderen Vergangenheit, oder auch nur an einem anderen Tag, mit anderer Laune, würden wir das Essen womöglich anders beurteilen.

"Unser Charakter" ist somit letztlich genau so ein Konstrukt, wie die ganzen sozialen Masken, die eine Gesellschaft von uns verlangt.

Ich halte es daher auch nicht für schlimm, eine soziale Maske zu tragen - man vermeidet unnötige Reibungen und Spannungen in der Gemeinschaft.

Ich muss jemandem nicht offen zeigen, dass ich ihn nicht mag - das könnte zu Spannungen führen, die auch anderen Menschen schaden.

Der Fehler wäre jedoch, sich absolut mit der Maske zu identifizieren - so, wie wir "unseren Charakter" für ein unveränderliches Maß halten.

Natürlich ist es schön, "ehrlich" sein zu können - aber auch das ist letztlich nur das Ergebnis einer bestimmten Sozialisation mit Moralvorstellungen.

Die "Masken" sind Betrug gegenüber anderen. "Mein Charakter" ist Betrug sich selbst gegenüber.

Anstatt über Masken zu schimpfen, sollte man vielleicht zunächst anerkennen, das wir alle das Produkt äußerer Umstände sind.

Diese Umstände haben uns geformt - aber nicht zu etwas konstantem, sondern zu einem Klumpen aus Urteilen und Bewertungen, die sich zudem ständig ändern.

Authentizität ist aus meiner Sicht nicht die Ablehnung von Masken, sondern die Weisheit, damit natürlich umgehen zu können.

Soweit meine Meinung.

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Kommentar von estergirl
17.07.2017, 21:09

Deine Denkweise ist der Hammer! :0

Obwohl ich glaube dass unsere Charakter nicht völlig von den Umständen etc. geformt sind sondern dass sie auch angeboren sein können... 

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Das trifft auf viele Mensch zu, denke ich. Die meisten möchten doch gern dazugehören und haben Angst davor ausgegrenzt zu werden, weil sie vielleicht nicht die Meinung der Mehrheit teilen. Nur noch wenige Menschen sind authentisch und haben eine starke eigenständige Meinung. Dazu gehört viel Selbstbewusstsein und Mut.

LG

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Nein. Aber ich kenne das von früher. Deine Persönlichkeit muss schlechte Dinge, Vergangenes verarbeiten. Du brauchst Zugang zu deinen wahren Emotionen. Vielleicht ist da noch eine Mauer bei dir, die du abreißen oder abreißen lassen musst. Das wird besser, wenn du älter wirst.

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Kommentar von estergirl
17.07.2017, 19:48

Danke für deine Antwort :) Also...es ist besser jetzt als früher, damals konnte ich kaum sprechen da ich angst davor hatte abgelehnt zu werden. 

Mit der Zeit wird es wirklich besser,  ich hoffe das meine Maske nicht so stark ausgeprägt ist, aber ich fühle sie ab und zu immernoch,  besonders in fremder Gesellschaft. 

Eine Person kennenzulernen ist doch einfach nur hinter der Maske gucken zu dürfen, und zwar mehr und mehr.

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Ich zeige mich immer ungeschminkt. Alles andere wäre nicht ich. Anecken tu ich damit öfter, aber lieber so, als überall nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und mich muss nicht jeder mögen. Ich will nicht perfekt sein, nur damit mich jemand mag.

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Kommentar von TimeosciIlator
17.07.2017, 20:52

Ein bisschen Schminke könnte aber gerade Dir wiederum etwas gut tun^^.

Du weißt hoffentlich, was ich damit sagen will ?!

Nur die Meinung eines ebenfalls Ungeschminkten, der versucht das auszudrücken, wie er es selber empfindet, auch wenn er möglicherweise damit aneckt :)

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Tja, ob sich jeder eine Maske überziehen möchte, lassen wir mal im Raum stehen. Aber ich denke, dass es schon viele betreffen könnte. Am Ende aber ist es doch sein wahres Selbst, was man zeigen sollte. Inwieweit man das schafft, ist natürlich individuell verschieden. In jedem Fall wäre dies erstrebenswerter - auch wenn der so definierte Erfolg dann möglicherweise ausbleibt...falls man darauf Wert legt.

KEVIN AYERS - "Song For Insane Times" (= Lied für kranke Zeiten)


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Ich zeige immer wer ich bin. Ich verstelle mich nicht, denn ich hasse die Gesellschaft und ihre Perfektion im herstellen von Masken.

Wenn man das lang genug macht, dann wird man damit auch akzeptiert. Aller Anfang ist schwer.

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Ich weiß was du meinst. Ich habe meine Maske inzwischen gelöscht. Man muss eben stark genug sein, um damit klar zukommen, dass Menschen einen eben nicht mögen.

Aber ja, die Mehrheit trägt Masken.

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Kommentar von 999nemesis999
17.07.2017, 19:44

Ich finde toll wie du über andere Leute urteilst.

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persönlichkeit kommt aus dem lateinischen und bedeutet maske

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Ich bin meine Maske. Damit kann ich gut leben.

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Kommentar von estergirl
17.07.2017, 21:15

Du bist deine Maske?:) heißt es dass du keine hast oder mit dem definierst was du präsentierst? 

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Aber höchstens auf der Arbeit.

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Wir spielen jeden Tag eine andere Rolle in unserem Leben im Theater

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Ja das habe ich oft

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