Sind Vorurteile wirklich falsch?

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Sind Vorurteile wirklich falsch?

Nicht immer. Aber oft. Denn sie passen eben nicht immer und auf jeden. Und häufig sind sie völlig haltlos, bzw nicht mehr Zeitgemäß.

Nur jetzt ein Beispiel: Wenn ich 9 Autos immer von Türken/... gekauft habe und davon 9 mal verarscht wurde, will ich beim 10. mal es nicht wieder probieren. Es wäre aber dennoch möglich, dass der 10. ein guter Mensch ist und mir das allerbeste Auto verkaufen will. Aber da kommt Mathe und Wahrscheinlichkeitsrechnung ins Spiel.

Die Frage wäre da: Woran liegt es, dass man verarscht wurde? Liegt es an der Nationalität des Verkäufers? An der eigenen Naivität? An dem Beruf?

Das Vorurteil, dass man bei Autokäufen über den Tisch gezogen wird, wäre verständlich. Das es ausschließlich bei Türken passiert, wäre nur dann ein sinnvolles Vorurteil wenn man 100 Autos gekauft hat, immer 10 bei einer anderen Nationalität, je bei einem anderen Verkäufer. Wenn es dann ausschließlich bei Türken passiert, ist das Vorurteil relativ gerechtfertigt.

Alle Vorurteile, die wir haben, sind aus Erfahrungen oder Erziehung entstanden. Wenn ich jedem Menschen auf der Welt eine Chance gebe, werde ich gnadenlos ausgenutzt. Ich kenne die Person ja nicht, die vor mir steht. Ist es dann nicht sinnvoll, sich auf Vorurteile zu berufen??

Hm, gewisser Weise. Es kommt darauf an woher diese Vorurteile stammen. Wenn man sagt "alle Afghanen sind Vergewaltiger", weil es das Einzige ist, was man je über Afghanen hörte, ist es dumm. Wenn man sagt "Muslime sind asozial", weil die Eltern und Großeltern das schon immer gesagt haben, sollte man sich erstmal selbst eine Meinung bilden. Wenn man sagt "stark geschminkte Frauen sind oberflächlich", weil das bisher auf alle zutraf, denen man immer wieder vorurteilsfrei eine Chance gab es anders zu zeigen, dann ist das Vorurteil verständlich. Nicht gut, auf keinen Fall für ALLE richtig, aber möglicherweise für eine Mehrheit. Wichtig ist eben sich das auch bewusst zu machen, das ein Vorurteil NIE auf ALLE zutreffen kann.

Und ist es nicht wahr, dass es einfach gewisse Muster, in Abhängigkeit zur Herkunft, Religion oder dem Geschlecht gibt??

Kommt drauf an was. Zb "religiöse Menschen sind intoleranter" - das stimmt häufig, dafür gibt es zahlreiche Belege. Wenn man dagegen sagt "religiöse Menschen sind dumm", ist nur das Vorurteil dumm, denn dafür gibt es keinerlei Belege.

Wenn ich positive Erfahrungen mache, wo ich es nicht erwartet hätte, werde ich meine Vorurteile auch entsprechend anpassen.

Leider tun das nicht alle. Bzw viele geben anderen gar nicht erst die Chance. Man hat seine Meinung gebildet und presst den Anderen da irgendwie rein.

Ich finde es falsch, jemanden wegen dem zu verurteilen, aber misstrauisch werde ich dann auf jeden Fall. Und das 10. Auto würde ich gewiss auch nicht kaufen. Es ist da irgendwie immer bisschen schwierig, den Mittelweg zu finden, zwischen "zu rassistisch" und "einfach naiv".

Eine gewisse Vorsicht aufgrund von negativen Erfahrungen ist sinnvoll. Wenn man aber das Misstrauen ohne Erfahrungen, aufgrund von Meinungen existiert, ist es daneben.

Sprüche vonwegen: "Man soll alle gleich behandeln!" klingen in der Theorie schön. Ich brauche aber etwas, was auch in der Praxis funktioniert.

Menschen (und Tiere) denken in Schubladen. Das ist normal. So erleichtern wir uns das Leben enorm, denn wir sparen uns so Unmengen an Zeit, Energie und Gehirnkapazitäten. Diese Vorurteile haben also ihren Sinn und Zweck.

Jedoch müssen wir, wie zuvor erwähnt, unterscheiden ob diese auf eigenen, möglichst objektiven Erfahrungen beruhen oder ob wir etwas nur blind übernommen haben. Was auch sehr naiv wäre.

Vorurteile sind okay, solange wir sie auch als solche ("vorher geurteilt") einordnen, ihnen nicht zu viel Gewicht beimessen, verstehen das eine Masse nie das Individuum repräsentiert und das es nur eine persönliche Meinung oder Erfahrung ist, kein Fakt.

Vielen Dank für die Mühe bei der Antwort, hat mir wirklich weitergeholfen. Ich finde du hast eigentlich mit allem was du sagst Recht

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@Der1Echte

Freut mich :) Ich fand die Frage sehr interessant, auch wenn sie erstmal provokant wirkt.

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Hallo,

Ich denke, dass man nie komplett vorurteilsfrei leben kann, da man es ja, sobald man ein Vorurteil wahrnimmt, irgendwie bewertet und es deshalb zumindest unterbewusst vorhanden ist. Dennoch finde ich sollte man allem und jedem eine Chance geben und Dinge abwägen. Dein Beispiel kann ich nachvollziehen, jedoch sind das ja meist eher diese "Schrottplatzhändler" bei denen Vorsicht geboten ist, egal ob Türke oder Deutscher. Einem Türken, der in einem seriösen Autohaus arbeitet würde ich sehr wohl ein Auto abkaufen. Heißt, das hat jetzt nichts mit der Nationalität des Verkäufers zu tun, sondern eher mit den jeweiligen Rahmenbedingungen.

Lg

ok du hast Recht glaub ich

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Aber da kommt Mathe und Wahrscheinlichkeitsrechnung ins Spiel.

Nein, darauf lässt sich keine Wahrscheinlichkeit definieren, weil der kausale Zusammenhang nicht nachgewiesen wurde. Wenn du beim Münzwurf 9 mal hintereinander Zahl hast, kannst du nicht davon ausgehen, dass immer Zahl kommt.

Das, was du vor hast, ist eine Erklärung am Ergebnis. Besser ist es immer (aber leider nicht immer möglich), die kausalen Zusammenhänge zu erkennen.
Wenn beispielsweise ein Wahrsager sagt, dass die Sterne gut stehen, dass du heute die Liebe deines Lebens findest und du findest sie tatsächlich, dann könnte man sagen "Mensch, der Wahrsager ist aber schlau". Man könnte ihn aber auch fragen, welche Verbindung ein zig tausend Lichtjahre entfernter Stern zu mir hat.

Das mit der Münze klappt nur, weil da die Wahrscheinlichkeit bei 50% liegt.

Aber wenn es 9 von 9 mal waren, gehe ich davon aus, dass sie weit höher liegt als 50% liegt, wenn nicht wäre das ein eher großer Zufall.

Und wie gesagt, Möglich ist immer Alles, aber ich setze mein Geld darauf, wo ich die beste Wahrscheinlichkeit sehe. Und das ist in dem Fall nicht dort.

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@Der1Echte

Es ist dasselbe. Beim einen Szenario hast du 9 Autokäufe mit den möglichen Ereignissen Glück / Pech, beim anderen hast du 9 Münzwürfe mit den möglichen Ereignissen Kopf / Zahl hast.

Der einzige Unterschied ist, dass der Münzwurf ein abgeschlossenes System ist.
Beim Autokauf spielen mehr Faktoren eine Rolle als ob der Verkäufer ein Türke ist. Zum Beispiel könnte es daran liegen, dass du nicht so gut Empathie zu Türken aufbauen kannst oder ungeschickt darin bist, sich gute Autos auszusuchen oder daran, dass die Verkäufer irgendwie in Verbindung standen. Es gibt nicht nur die Eigenschaft "Türke" / "nicht Türke" und ein eindeutig daraus resultierender Zusammenhang "Betrug" / "kein Betrug".

Hattest du denn schon bei Deutschen 9 mal Glück? Das wäre ja das Mindeste, was man voraussetzen würde, nämlich eine Gegenprobe, auch wenn selbst die kein stichhaltiger Beweis für deine Vermutung wäre.

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@Suboptimierer

also erstmal vorweg: Ich habe das Beispiel nicht wegen meinerseits schlechten Erfahrungen genommen, sondern einfach so. Ehrlich gesagt hab ich selbst noch nie ein Auto gekauft.

Das ist einfach simpel beschrieben, damit es jeder versteht. Diese Vorurteile können auch komplexer sein.

Aber wenn jetzt wie gesagt das Szenario ist, dass ein Mensch jeweils 10 solche, 10 solche Autos in seinem Leben gekauft hat und dabei bei den einen immer nur gute Erfahrungen gemacht hat, bei den anderen immer nur schlechte, würde jeder, auch du, beim nächsten Mal dort kaufen, wo es besser lief. Zusammenhänge hin oder her. Wenn das Auto schlecht ist, ist die Empathie irrelevant und wenn ich ungeschickt bin, aber woanders bessere Erfolge hatte, ist das für mich ein Zusammenhang. Und darauf baue ich. In der Theorie kann man so schöne Sachen leicht sagen, aber wenn du jetzt vor der Entscheidung stehst, machen oder nicht, kaufst du das wo du zuvor bessere Ergebnisse hattest. Und als Mensch kannst du sowieso niemals alle Zusammenhänge kennen, deswegen macht man das was man eben sehen kann.

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@Der1Echte

In diesem Kommentar liegt die Antwort verborgen.

Vorurteile sind nicht immer schlecht, aber bei diesem Beispiel schon, weil man immer nur einen Teil der Wahrheit kennt und in deinem Beispiel ist selbst dieser Teil sehr, sehr marginal.

Klar, wenn ich in meinem Leben x mal von Menschen zusammengeschlagen wurde, die dasselbe Merkmal aufweisen, dann würde ich beim x+1 Mal intuitiv vorsichtiger agieren.

Es zieht aber keiner den Umkehrschluss. Das ist das Verwunderliche. Ich wurde noch nicht in meinem Leben von Leuten mit diesem Merkmal zusammengeschlagen worden. Niemand würde behaupten, dass die alle lieb sind.

Das ist der letzte Kritikpunkt. Solche Vorurteile sind meistens nicht neutral oder positiv. Sie sind negativ.
Außerdem wird es dann gefährlich, wenn jemand eine Vorbildfunktion hat und andere dasselbe glauben lässt, die diese Erfahrungen noch gar nicht gemacht haben.

Am Ende hat jeder schon mal von irgendwem gehört, dass irgendwer von 50 Türken betrogen wurde. Du weißt sicher, was ich damit meine, dass ich darin eine Gefahr sehe.
Der Supergau wäre, dass man geschlossen der Meinung wäre, dagegen etwas unternehmen zu müssen.

Es wäre nicht einmal sonderlich tragisch, wenn man nur für sich diesen Schluss ziehen würde und einfach nicht mehr bei Türken einkäufte.

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Vorurteile sind ein Relikt aus unserer Entwicklungsgeschichte als es wichtig war, schnell zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, wenn man nicht eine böse Überraschung erleben wollte. Heutzutage sind sie eher hinderlich, denn oftmals erweisen sie sich als falsch. Trotzdem schlagen wir uns mit diesem Erbe herum und es ist ein großer Schritt, sich dessen bewusst zu werden. Niemand kann Vorurteile gänzlich ausschließen, aber man kann es versuchen und so gut es geht gegensteuern. Ein Verzicht auf Vorurteile bedeutet nicht, jedem Fremden bedingungslos zu vertrauen, es bedeutet nur, ihm eine Chance zu geben, seinen wahren Charakter zu zeigen und ihn nicht wegen seiner Herkunft oder seiner gesellschaftlichen Stellung zu verurteilen. Deswegen bleibt es immer noch jedem selbst überlassen, wie weit er geht und riskiert, enttäuscht zu werden.

eine Chance geben = Auto kaufen. Wenn das Auto schlecht ist, merkst du es oft erst danach. Wenn Auto scheiße, dann Geld Tschüss.

Beim nächsten Mal dann wieder??

Heute hat sich die Geschichte mit Freund- Feind nicht geändert, nur kämpft man nicht mehr um Leben und Tod, sondern um Geld.

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Dein Beispiel ist n bisschen schlecht, aber ja. Man kann davon ausgehen, dass wenn einr bestimmte heilige Schrift beispielsweise Homosexuelle verteufelt, dass die Glaubensgemeinschaft, die dieser Schrift folgt, auch der Ansicht ist, dass Homosexualität etwas schlechtes ist. Immer mit einer gewissen Abweichung - aber dennoch.

Ich würde also als sichtlich erkennbarer Homosexueller nicht unbedingt abends durchs Ausländer-Viertel schlendern und glauben, dass man mich dort einfach nur freundlich grüßt. Ich würde da eher damit rechnen, bis zur Unkenntlichkeit verdroschen zu werden - wie es auch tatsächlich häufig genug passiert.

Das was du machst, ist nur sinnvoll und richtig so.

Aber du beziehst dich gerade ausschließlich auf "falsche" Vorurteile. Das mit dem Auto macht sich aber an deinen Finanzen spürbar und ist in dem von mir genannten Fall (wir gehen bei dem Fall davon aus dass es so Stimmt) Realität. Und wenn du es auswertest, würde es einfach so rauskommen, dass du lieber woanders kaufst, weil du dein Geld nicht wegwerfen willst.

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