Sind Teamsitzungen für Freiberufler Pflicht?

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4 Antworten

Als Selbständiger oder Freiberufler (bitte auf genaue Begrifflichkeit achten!) hast Du mit Deinem Kunden (nicht: Arbeitgeber!) einen Werkvertrag oder Dienstvertrag, in dem festgelegt ist, was Deine vertraglichen Pflichten sind. Diesen Pflichten musst Du nachkommen, wenn Du nicht eine Kündigung Deines Werk- oder Dienstvertrages oder eine Kürzung Deiner Vergütung riskieren willst. Es ist Deine Verantwortung als Freiberufler oder Selbständiger, nur solche Verträge anzunehmen, die Du tatsächlich erfüllen kannst, und es ist auch Deine Verantwortung, zusätzliche Forderungen Deines Kunden, die über den Vertrag hinausgehen, nötigenfalls zurückzuweisen mit Hinweis auf den Vertragsinhalt. Das birgt naturgemäß das Risiko, dass Du von diesem Kunden vielleicht keinen weiteren Auftrag bekommst. Das ist das normale Geschäftsrisiko eines Freiberuflers oder Selbständigen. Wenn ein Auftraggeber Dich behandelt wie einen eigenen Angestellten, dann bewegt er sich rechtlich auf sehr dünnem Eis. Wenn Du nämlich nachweislich wie ein Angestellter behandelt wirst (man schreibt Dir vor, wann Du zu kommen und zu gehen hast, man bindet Dich vollständig in die Team- und Entscheidungsstrukturen im Unternehmen ein, usw.), dann kannst Du nach deutschem Arbeitsrecht darauf klagen, einen Anstellungsvertrag zu bekommen. Es sei denn, Du hast von der Bundesagentur für Arbeit eine Zulassung zur Arbeitnehmerüberlassung und verleihst Dich selbst als Leiharbeitnehmer. Dann - nur dann! - ist es zulässig, Dich im Kundenunternehmen wie einen Angestellten zu behandeln. Soweit die Rechtslage. Ob Du das durchsetzen kannst, wenn Du in der schwächeren Position bist, ist (wie immer im Leben) eine andere Frage.

Selbständige haben ein Gewerbe angemeldet.

Freiberufler sind Leute mit bestimmten, definierten Berufen, Ärzte, Anwälte, Architekten.... Diese sind nicht gewerbesteuerpflichtig. Sie haben ihre eigenen Kammern und Netzwerke,z.B. die Ärztekammer, sie sind teilweise versicherungspflichtig...

Hast du ein Gewerbe angemeldet, so kann dir Niemand Vorschriften machen. Es ist dein eigenes Geschäftsrisiko und wenn es schief geht, bist nur du verantwortlich dafür. Deine Arbeitgeber sind Auftragsgeber, sie geben dir Aufträge. Wieso läßt du dich so behandeln? Setze dich durch, deine Arbeit ist bestens oder zu billig, sonst hättest du weniger Aufträge.

Hier sollte man die genauen Begriffe verwenden. Ein Freiberufler hat keine Arbeitgeber, sondern Kunden. Sofern ein Vertrag mit den Kunden geschlossen wurde und dieser beinhaltet gemeinsame Projektsitzungen dann muss man dem nachkommen.

Übrigens, nicht jeder Selbständige ist ein Freiberufler. Auch hier sollte man sich schon genauer ausdrücken

NEIN, ein Selbstständiger ist NIEMALS weisungsgebunden, und das ist auch kein Grund für eine Vertragskündigung (falls dafür ein Grund benötigt wird)...

Derartige Typen braucht kein Auftraggeber. Entweder er erledigt den Auftrag wie die Firma das wünscht , oder der Vertrag wird wegen Verweigerung beendet .

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@Kuestenflieger
Entweder er erledigt den Auftrag wie die Firma das wünscht , oder der Vertrag wird wegen Verweigerung beendet .

Das ist nur leider blanker Unsinn...

Denn dabei handelt es sich um einen WERKvertrag. Der Auftragnehmer schuldet also nur die Fertigstellung des vereinbarten Werks, aber keinen bestimmten Weg, wie er da hinkommt, es sei denn, solche Teamsitzungen sind als Teil des Werks explizit vereinbart. Daher kann ein solcher Vertrag auch deswegen nicht gekündigt werden, sofern das vereinbarte Werk erstellt und vollendet wird, denn es gibt keine Verweigerung eines vereinbarten Vertragsbestandteils. Genau das ist eben der Unterschied zu einem DIENSTvertrag, also einem Arbeitnehmerverhältnis...

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@Kuestenflieger

Interessante, wenn auch recht weltfremde Ansichten, übrigens der beste Weg hinterher nach einer Feststellungsklage einen neuen Festangestellten zu haben, denn wer schon so doof ist, der haut auch garantiert in Briefen und Mails mit Begriffen wie Weisungsbefugnis und Co um sich, die als nützliche Nachweise dienen können. Denn nicht was im Vertrag steht ist ausschlaggebend für die Scheinselbstständigkeit, sondern das "Wie" es gelebt wird. ;)

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