Sind solche sozialen Probleme zu begründen?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich könnte mir vorstellen, dass du durch dein selbsternanntes "klassisches" und ruhiges Auftreten sehr arrogant und spießig wirkst und daher nur bei dementsprechenden Leuten gut ankommst, das hast du ja schon selbst gesagt. Ich bin auch ein sehr ruhiger und nicht wirklich geselliger Mensch und auch ich werde schnell als arrogant abgestempelt. Und zugegeben, selbst auf mich wirkst du beim durchlesen etwas abgehoben.

Es fiel mir auch richtig schwer das zu formulieren - rhethorisch bin ich nicht besonders stark... tut mir leid, wenn das so rüberkam, da war ich mir selbst ganz unsicher. Ich wusste nicht, wie ich das formulieren soll.

Aber das kann schon stimmen, ja, vielleicht wirkt das einfach abgehoben. In meinem alten Umfeld war das aber auch so, dass viele auch sehr intolerant waren und jeder, der anders war als die Masse, als arrogant oder komisch galt.

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@rotesand

Ja, genau das meinte ich. Die meisten machen sich einfache nicht die Mühe jemanden richtig kennenzulernen, sondern verurteilen sie zu schnell, um sich nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen. Aber wie du schon gesagt hast, es sollte dich nicht kümmern & du siehst ja selbst, dass es genug Menschen gibt, die dich mögen und mit denen du gut klarkommst.

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Tja, was soll man da sagen? Wenn du Erzieherinnen nicht zu den höher gebildeten Leuten gezählt hast, und sie dich nicht mochten wird das wohl eher an deiner Einstellung und Erwartungshaltung gegenüber den Leuten gelegen haben und daran wie du dich ihnen gegenüber verhalten hast.

Eins muss ich dir zu Gute halten. Vor 15-16 Jahren war die Erzieherinnen Generation auch noch eine andere. Das Bild der Erzieherin in der Öffentlichkeit war Basteltante und Kaffeetante. Seitdem hat sich viel geändert.

Heute setzt alles auf Inklusion und technischen Fortschritt. Dementsprechend sind auch die Gruppen besetzt. In meinem Bereich sind 32 Kinder. In diesem Jahr sind das Kinder von: Ärtzen, Politikern, Reportern, Moderatoren, Autoteile Auslieferern, Bürgermeister, Bäcker, Frisöre, Pflegepersonal, Lehrer, Heimleiter, Teilzeitarbeiter, Harz 4 Empfänger, IT Experten, Rechtsradikalen und Migranten. Ein breites Spektrum. Und mit den Eltern redet man nicht nur über das Kind. Um eine gute Zusammenarbeit zu garantieren muss man sich über Gott und die Welt unterhalten können. Ich kann mich mit der Schicki Mikki Mutter über Schmuck, Nageltrends und neuste Handys genau so gut unterhalten wie mit Politiker und Bürgermeister über Landespolitik und Weltpolitik. Selbst mit den rechtsradikalen Eltern muss man umgehen können. Ich kenne mich mit den unterschiedlichsten Religionen aus und kann die Leute, welche Migrationshintergrund haben besser verstehen und in sie hineinversetzen. Einige von meinen Kolleginnen lernen Fremdsprachen um das besser auffangen zu können. Ich mache derzeit einen Arabisch Kurs, damit ich bei Aufnahmegesprächen meiner Chefin helfen kann.

Man muss nicht nur mit den Kindern arbeiten und mit den Eltern, man muss auch technisch sehr versiert sein. Die nette Bastelmappe von damals gibt es nicht mehr. Heute werden Profile von Kindern angelegt. Das ganze via Laptop, PC oder im Hausnetzwerk. Wenn etwas an den Geräten kaputt geht schrauben wir sie auf und sehen nach, tauschen notfalls Festplatten und Kühler aus. Wir setzen uns mit diverser Software auseinander. Grafik und Videoschnittprogrammen damit auch Projekte wie Marte Meo gelingen. Ich muss für jedes Kind ein einzelnes Kurrikulum anfertigen, eine Dokumentation anlegen, Beobachtungen in Wort, Bild und Film anlegen. Muss Erziehungsanalysen machen und Fallgespräche erarbeiten die mit dem Jugendamt durchgeführt werden. Das passiert zB wenn ein Kind grün und blau in die Kita kommt. Mit Eltern müssen Krisengespräche durchgeführt werden und Azubis sind eine Sache für sich, da werden auch Lehrpläne gemacht und durchgeführt. Und zeitgleich sind wir noch im Bundesprogramm für Sprache, das heißt, da fallen Zusatzaufgaben an.

Früher kam man mit Realschulabschluss auf die Fachschule. Heute braucht man Abitur. Früher dauerte die Ausbildung 2 Jahre mit anschließendem Vorbereitungsjahr. Ich war 6 Jahre in der Ausbildung, damit ich das leisten kann was ich heute leisten muss. Denn Basteln und Kaffee trinken, damit kommt man heute nicht mehr weit. Während früher die Erzieherinnen wegen Rückenproblemen oder Knieproblemen aufhören mussten ist es heute eher so, das sie mit Burnout ausfallen, weil sie den Anforderungen nicht mehr gerecht werden können.

Mit der Augenhöhe ist das so eine Sache. Ich kann auf das Kind herabschauen, oder aber ich begebe mich auf Augenhöhe mit dem Kind. Und so ist das auch mit Erwachsenen. Ich kann auf meiner Augenhöhe sein, oder ich begebe mich auf die Augenhöhe von einfachen Leuten, oder ich hole mir einen Hocker und schaue in die Augen von Leuten die über meiner Augenhöhe sind. Was ich jedoch nicht mache ist, mir eine Leiter zu holen um bei jemanden in die Augen zu schauen. Wenn ich mir schon die Mühe mache und mir einen Hocker hole, erwarte ich auch im Gegenzug, das sich die Leute auch mir ein klein wenig entgegen neigen. Das macht für mich ein gutes Miteinander aus. Aber es gibt Leute, die können das einfach nicht, oder wollen es einfach nicht. Wozu gehörst du?

Man mag die Leute, die sich nicht so hervor tun und wenn sie etwas sagen, dass es dann sinnvoll ist und nicht nur ein Geschwafel.

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