Sind schlechte Charaktereigenschaften/-züge eines Menschen teilweise genetisch bedingt oder hat nur die Erziehung und Umfeld damit was zutun?

8 Antworten

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Jede Art von Verhalten hat sowohl eine angeborene (genetische) Komponente als auch eine Komponente der Umwelt.

Die genetische Veranlagung und die Beeinflussung von Verhalten durch die Umwelt schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind zwei Seiten von ein- und derselben Münze und ergeben erst gemeinsam ein Ganzes.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Also auch Gier, Aggressionen und freches Verhalten sind zum Teil genetisch bedingt?

Wenn man aber sein Kind, trotz des angeborenen Verhaltens (DNA als Code vermerkt) super erzieht, wird doch das Verhalten oder schlechte Eigenschaften erst gar nicht geschürt also hat es eher nichts gemeinsames, wenn man es dazu nicht bringt?

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@JayUnikat

Versuchen wir es einmal so.

Nehmen wir als Beispiel Gewaltbereitschaft. Es gibt sicher Kinder, die eher gewaltbereit sind als andere (das heißt nicht, dass sie gewalttätiger sind!) und solche, deren Allele die Gewaltbereitschaft kleiner hält. Das ist die eine Seite der Münze, eine gewisse Gewaltbereitschaft besitzt jeder einzelne von uns, auch du und ich (wir beide würden mit Sicherheit Gewalt anwenden, wenn wir in Notwehr unser eigenes Leben oder das eines uns sehr wichtigen Menschen schützen müssten), wie stark sie ist, ist aber genetisch bedingt unterschiedlich.

Ob ein Mensch aber zum Gewalttäter wird, hängt in großem Maß, ich möchte sogar sagen zum größten Teil, von seiner Umwelt ab. Also z. B. davon, ob er Gewalt durch die eigenen Eltern erfuhr, ob seine Freunde gewalttätig sind oder aber auch, ob man in einem friedlichen Land mit stabilen politischen Verhältnissen aufwächst oder im Land Krieg herrscht, ob es Hunger und Armut gibt.

Besonders leicht wird jemand demnach dann von der Gewalt verführt, wenn er einerseits genetisch praedisponiert ist und andererseits seine Umwelt ihn zur Gewaltbereitschaft "erzieht".

Das heißt, dass einerseits jeder unter den richtigen (oder besser falschen) Voraussetzungen zum Gewalttäter werden kann. Ein genetisch weniger stark "vorbelasteter" Mensch müsste dann vom Umfeld stärker beeinflusst werden. Es heißt aber andererseits auch, dass niemand zum Gewalttäter werden muss und sich durch sein genetisches Erbe darauf berufen kann, gar nicht anders zu können. Wir alle vermögen uns bewusst zu entscheiden, nicht gewalttätig zu werden und jeder lernt aus gemachten Erfahrungen unterschiedlich. Nimm an, zwei Menschen sind als Kind von ihren Eltern geschlagen worden und während der eine dadurch selbst zum Schläger wird, wird der andere aufgrund seiner schlechten Erfahrungen seine Kinder ganz besonders gewaltfrei erziehen. Es gibt beim Verhalten also kein entweder genetisch oder umweltbedingt, sondern ein sowohl als auch. Erst beides führt dazu wie ein Mensch sich letzten Endes entscheiden wird.

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@Darwinist

Super schön erklärt. Vielen Dank für ihre Informationen.

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Ich hatte ein Pflegekind, von der 10. Lebenswoche an. Es war dauerhaft bei uns, sah seine Eltern nur selten, manchmal ein Jahr lang gar nicht. Trotzdem hat er Vorlieben, Verhaltensweisen entwickelt, die genau mit den Eltern übereinstimmten. Seine Mutter war Drogenkrank und in der Pupertät zog es auch ihn stark zu Drogen hin. Er fühlte sich auch früh zum muslimischen Lebensstil hingezogen und als er seinen leiblichen Vater besser kennenlernte, übernahm er seine Werte voll und ganz. Heute ist er erwachsen und niemand würde ahnen, dass er in einem Haus wie dem unsrigen aufgewachsen und erzogen wurde, er lebt heute durch und durch wie ein Moslem, mit den Werten und auch mit dem Frauenbild. Gene sind nach diesen Erfahrungen matchentscheidend.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Als meine Tochter noch klein war, hatte sie eine Freundin. Die war immer gut drauf, hat viel gelacht und war ein absoluter Sonnenschein. Doch das war nur Fassade, denn in Wahrheit war sie ein Satansbraten. Sie hatte wirklich nur Schei...e im Kopf und je älter sie wurde, umso schlimmer wurde es. Irgendwann hat auch meine Tochter geschnallt was mit ihr los ist und als wir in eine andere Wohnung in einem anderen Stadtteil gezogen sind, hat sie den Kontakt abgebrochen.

Dieses Mädchen ist in einer sehr guten Familie aufgewachsen. Die haben wirklich alles für sie getan. Trotzdem ist sie immer weiter abgerutscht. Ich habe sie immer wieder mal in der Stadt gesehen und als sie erwachsen wurde, stand sie zum ersten Mal vor Gericht. Sie hatte eine ganze Reihe von Straftaten begangen und jetzt kam auch heraus dass sie adoptiert war. Ihre Mutter konnte sich nicht um sie kümmern, als sie noch klein war, weil sie selbst im Gefängnis saß. Sie hatte sich prostituiert um so an Geld zu kommen. Dieses Geld hat sie dann mit ihren Freunden versoffen. 15 oder 16 Jahre später hat ihre Tochter genau das Gleiche gemacht, obwohl ihre neue Familie ihr ein ganz anderes Leben vorgelebt hat. Sie hat sich geprügelt, Leute bedroht, sie beraubt, ging auf den Strich, hat Drogen genommen und war so sehr abgestürzt wie man es sich kaum vorstellen kann. Ihrer leiblichen Mutter war sie wie aus dem Gesicht geschnitten und wenn man sich ihre Taten angesehen hat, musste man erkennen dass sie ihr auch darin folgte. Auch wenn sie nie Kontakt hatte und erst sehr spät von ihrer Adoption erfahren hat. Ich denke dass ihr Verhalten genetisch bedingt war. Sie hatte vermutlich nie eine Chance ein anderes Leben zu führen und musste so werden wie sie geworden ist. Das bedeutet aber nicht dass ich glaube dass sich niemand ändern kann. Die meisten Menschen können sich ändern. Doch hin und wieder gibt es jemanden der das nicht kann, der gefangen ist in seinen Genen.

Manche nennen es Gene, ich nenne es Erbsünde.

Spannend aufjedenfall mitzulesen, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

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@Fuchssprung

Nennt sich Epigentik und die Lebensumstände der Eltern sind sogar übertragbar. Manchmal nicht und manchmal schon. Ich sage immer wieder, wenn man die schlechten Eigenschaften gar schürt oder nicht behandelt wird bzw. man es nicht gut erzieht, wird es später ein Fluch für das Kind. Wenn man die schlechte Gene oder Veranlagung in Ruhe lässt aber das Kind durch die Bildung und der Schule ihre Triebe kennt und gut reflektiert, wird sie ihr Eigenschaften in den Griff bekommen oder ganz abstellen und stark leben aber sobald das Kind nicht aufgeklärt wird und für sich selber keine Zeit nimmt, wird das Kind später ebenfalls ein unsympathisches A. Es spielen viele Faktoren mit aber ich stelle es mir so vor.

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Ich denke, dass die frühkindliche Entwicklung eine Rolle gespielt hat. Wenn sie direkt nach der Geburt adoptiert wäre, wären es die Gene. Wenn später, dann war sie schon durch die Vernachlässigung geschädigt.

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@LenaMitHund

Ich habe leider nie erfahren wann sie adoptiert wurde. Denn genau dieser Punkt hat mich auch interessiert. Ich vermute dass sie wenigstens schon ein Jahr alt war. Aber wie gesagt, ich weiß es nicht genau.

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Ich denke das es auch über Generationen vererbt sein kann.

Ich habe 5 Kinder und wir haben sie alle gleich erzogen zu selbst denkenden eigenverantwortlichen Menschen. Aus Vier der Fünf wurde auch etwas, sie haben Berufe und eigene Familien gegründet, einer meiner Söhne äußerte jedoch schon mit 16 die Ansicht : " Wer für Geld den ganzen Tag arbeitet der ist doch bekloppt. GELD kann man auch so kriegen." Er ist heute Mitte 30 und hat noch keinen Tag in seinem Leben gearbeitet.

Das haben wir nicht anerzogen bzw. vorgelebt, und meine anderen vier Kinder sind nicht ansatzweise so geworden. Also vermute ich eine Vererbung, zumal ich aus Erzählungen meiner Großeltern weiß das solche Exemplare immer wieder in der Familiengeschichte auftauchen als völlige Außenseiter.

Finde nichts verwerfliches daran. Für mich hat jeder Mensch das Mindeste an Grundbedürfnisse verdient. Wer er nicht in Luxus leben möchte und dadurch umweltfreundlicher lebt ist besser als jemand der mit 30 Millionen nicht satt wird.

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@JayUnikat

Er ist ein Parasit der von der ARBEIT ANDERER partizipiert. Was denn "umweltfreundlich" sei interessiert ihn nicht, maximal die kostenlose Befriedigung seiner Wünsche durch Andere. Mein Sohn ist er seit Langen nur noch im biologischen Sinne.

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@JayUnikat

Mitnichten. Kein Tier mußte mich je bezahlen um gegessen zu werden von mir. Das tat ich stets gerne und freiwillig. :-)))

Du möchtest offensichtlich gerne weiterstänkern ? :-)))

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Eva vom gutefrage Support

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Sicherlich teilweise genetisch bedingt. Die Erziehung soll es zurecht biegen. Ob es immer klappt, ist eine andere Sache.

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