Sind Kosten für eine im Ausland durchgeführte künstliche. Befruchtung in Deutschland steuerlich absetzbar?

3 Antworten

Es ist wirklich erschreckend, wie viele Leute sich hier anmaßen, Fragen zu beantworten, ohne auch nur einen Schimmer zu haben. Manchmal ist es aber auch hilfreich, Fragen eindeutig zu stellen. Deine ist leider etwas zweideutig.

Also: Ich nehme an, Deine Frage ist nicht, ob Du die Kosten im Ausland steuerlich geltend machen kannst, sondern ob Du im Ausland angefallene Kosten in Deutschland bei Deiner Steuererklärung geltend machen kannst.

Letzteres ist mit "Ja" zu beantworten. Zumindest wenn Du Dich in der EU behandeln lässt, darf das Finanzamt die Kosten nicht anders behandeln, als wenn Du in Deutschland zum Arzt gegangen wärst. Ansetzen kannst Du die Kosten als sog. außergewöhnliche Belastung bei den Sonderausgaben. Allerdings wird eine zumutbare Belastung abgezogen, die von Deinen Einkünften abhängt und die relativ hoch sein kann. Aber Kosten für eine künstliche Befruchtung sind erfahrungsgemäß auch sehr hoch, so dass eine gewisse steuerliche Entlastung zu erwarten ist.

versuch macht klug: begründung: zur produktion eines künftigen steuerzahlers mußte ich folgende zahlungen leisten:

u.u. schon, du solltest es auf jeden fall als außergewöhnliche belastung eintragen.

die kosten werden allerdings um deine zumutbare belastung gekürzt.

siehe auch hier, eine antwort zu dem selben problem von einem fachmann: google


Sehr geehrter Ratsuchender,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich wie folgt nach Ihren Angaben beantworten möchte.

Trotz Ihrer flammenden und appellartigen Ausführungen ist erst einmal festzuhalten, dass Kosten im Zusammenhang mit einer etwaigen Kinderwunschbehandlung zu den so genannten Kosten der Lebensführung gem. § 12 EStG zu rechnen sind.

Dies schon deswegen da diese Kosten mit keiner der sieben Einkunftsarten des deutschen Einkommensteuersystems in Einklang zu bringen sind, somit weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten, die ertragsteuermindernde Wirkung entfalten, sind.

Diese Kosten könnten allenfalls so genannte privilegierte Kosten der Lebensführung darstellen, die im Rahmen des Sonderausgabenabzuges bzw. als außergewöhnliche Belastung ertragsteuermindernde Wirkung entfalten könnten.

Ohne jede einzelne dieser Sonderausgaben näher zu beleuchten, ist festzuhalten, dass diese Kosten unter keinen der Tatbestände des § 10 ff. Buchstaben EStG fallen, somit weder beschränkt abzugsfähige noch unbeschränkt abzugsfähige Sonderausgaben darstellen. Auch im Bereich der außergewöhnlichen Belastungen wird man sich schwer tun, diese Kosten zu platzieren. Allenfalls im Zusammenhang mit Kosten, die im Rahmen einer Krankheit oder ähnlichem anfallen und nicht durch Kassenleistungen ersetzt werden, könnte man ggf. an eine ertragsteuermindernde Wirkung denken.

Sollten Sie Ihr Finanzamt von dieser Argumentation überzeugen, so dass dem Grunde nach außergewöhnliche Belastungen vorliegen, gilt es noch die so genannte zumutbare Belastung zu beachten, die der Gesetzgeber dem Steuerpflichtigen aufgegeben hat. Diese orientiert sich an einem gewissen %-Satz des Gesamtbetrags der Einkünfte, der sich wiederum an den Familienverhältnissen orientiert.

Als diesbezügliches Begründungsmittel kann Ihnen ein Urteil des FG Düsseldorf vom 11.08.2003, 7 K 3527/ 02 E weiterhelfen, das hiermit in Zitatform angefügt wird. Man darf sicher mit Spannung erwarten, was wohl der BFH zu diesem Urteil wohl sagen wird, da in der Urteilsbegründung wohl einiges an steuerrechtlichem „Sprengstoff zu finden sein wird.

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