Sind kommunisten generrel gegen Abtreibung?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Von der Tendenz her sehen Kommunisten Abtreibung eher unproblematisch; so hat die Sowjetunion als erster Staat überhaupt Abtreibungen legalisiert:

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4647266/Vor-80-Jahren_Erster-westlicher-Staat-erlaubt-Abtreibung-

"Allerdings: Neu war das alles nicht. „Zwar war Island Vorreiter für
westliche Demokratien, tatsächlich aber war Island die Sowjetunion
zuvorgekommen“, sagt Fiala. Bereits 1913 hatte die Russländische
Medizinische Gesellschaft dazu aufgerufen, Abtreibungen zu legalisieren.
1920 wurden ihre Rufe erhört und die UdSSR damit das erste Land der
Welt mit einem Gesetz, das den Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften
Woche erlaubt. Eine Errungenschaft, die 1936 Josef Stalins
patriarchalischer Familiengesetzgebung zum Opfer fiel und erst nach dem
Krieg 1955 wieder in Kraft trat."

Der Grund dürfte wohl vor allem darin liegen, dass Kommunisten eher a- bzw. anti-religiös sind, so dass sie von der Weltanschauung her relativ wenig Anlass sehen Abtreibung zu verbieten.

Allerdings ist der Kommunismus gleichzeitig ganz klar anti-individualistisch; und darin steckt damit auch das Potential diesen initialen Ansatz - den Kommunisten ist Abtreibung erstmal egal - zu entkräften; denn nicht nur kommt man im Kommunismus bzw. Sozialismus auf die Idee, dass der gutgebildete und leistungsfähige eine Pflicht hat, zur Gesellschaft beizutragen (weshalb man eine Mauer bauen darf, damit der nicht in den Westen abhaut, sondern schön im Land bleibt und arbeitet); sondern damit kommt man auf die Idee, dass das Individuum eben eine gewisse Pflicht hat, zum kollektiven Erfolg beizutragen.

Und da der kollektive Erfolg der Gesellschaft eben auch von Kindern abhängen kann (z.b. zu viele Kinder -> zu viel Armut und zu schlechte Bildung -> zu schlechte wirtschaftliche Entwicklung; zu wenig Kinder -> Überalterung -> Versorgung der Alten belastet Gesellschaft zu sehr), kann dann daraus eben eine Pflicht für oder gegen Abtreibung entstehen.

So hat z.b. wie oben im Zitat angedeutet Stalin ca. 1935 festgestellt, dass mehr Kinder doch für das Wohlergehen der Sowjetunion besser seien, weshalb Abtreibung eingeschränkt wurden; ähnlich und viel extremer geschah das auch in den 60gern in Rumänien:

https://de.wikipedia.org/wiki/Dekret_770

Und so haben z.b. die Herrscher in China Mitte/Ende der 70ger vermeint, dass es zu viele Kinder gäbe und folglich die Ein-Kind-Politik eingeführt, die auch mit ZWANGSABTREIBUNGEN durchgesetzt wurde.

Im Ergebnis ist im Kommunismus initial Abtreibung eher nicht geregelt, aber da Kinderzahlen das Kollektiv beeinflussen und das kollektive Wohlergehen im Kommunismus anzustreben ist, regelt der Staat dann doch Abtreibung, wenn man eben gerade vermeint, es gäbe zu viel oder zu wenig Kinder; und damit ist die Gebärmutter letztlich doch nichts anderes als Kollektiveigentum, das die Trägerin nach Staatsvorgaben für das Kollektivwohl zu verwenden hat.

Womit ich nicht verstehe, weshalb die Feinde der Frauen vor allem bei den Lebensschützern (also denen, die gegen Abtreibungen sind, weil das Lebensrecht des ungeborenen dagegen spricht) verortet werden; denn mit einem, der argumentiert "Es sollte nicht abgetrieben werden, denn individuelle Rechte sind zu achten und das ungeborene Kind hat das individuelle Recht auf Leben", kann man doch vielleicht eher über den Respekt und den Schutz der individuellen Rechte von Frauen diskutieren und vielleicht übereinkommen, als mit dem, der individuelle Rechte wie z.b. die Nutzung der Gebärmutter sowieso dem Kollektivwohl nach Gusto der aktuellen politischen Führung unterordnet.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von carn112004
16.11.2016, 09:34

Achso, ich rede hier natürlich über die real existierenden Systeme, die sich dem Kommunismus und/oder dem Sozialismus verschrieben haben, und nicht den trotz aller Leichenberge, die man weiter und weiter hinauf zu steigen versuchte, unerreichbaren "Idealkommunismus"; denn wer unerreichbares anstrebt und dabei die Realität missachtet, muss sich an dem messen lassen, was halt aufgrund der Missachtung der Realität dabei rauskommt.

Und das ist real eben die staatliche Verfügungsgewalt über die Gebärmutter aus Gründen der Staatsraison.

0

Das große Leitmotiv der politischen Linken ist nicht die Steigerung des BIP.

Prinzipiell wird in Marxs und Engels Schriften nicht auf das Thema eingegangen. Einer der Kernpunkte linker Politik ist allerdings die Verlagerung der macht auf viele bis alle Individuen. Kombiniert mit der vorherrschenden Ablehnung von Religion* führt das ziemlich schnell zu einer "pro choice"-Position.

*die Ablehnung führt dazu, dass man einem ungeborenen keine Seele o.ä. zuschreibt und göttliche Gebote nicht greifen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von carn112004
16.11.2016, 13:28

Bitte nicht "Linke" und "Kommunismus" gleichsetzen; gefragt war in der eigentliche Frage nach Einstellung Kommunisten zur Abtreibung.

Und Kommunisten sehen das mit der Verlagerung der Macht auf viele Individuen zumindest nicht einheitlich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur_des_Proletariats

0

Die meisten Kommunisten und Anarchisten sind für eine uneingeschränkte Abtreibung bis einschließlich 3. Monat - ich auch!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was genau stört dich an der Fristenlösung?
Macht es volkswirtschaftlich Sinn, Frauen die körperliche Selbstbestimmung zu nehmen? 50% der Bevölkerung zu bevormunden, wie sie mit einer Schwangerschaft umzugehen haben?
Als Mann????

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von carn112004
16.11.2016, 13:29

Unabhängig von der Wertung, ist das nicht beim Blick auf die Rentenversicherung und die steigende Lebenserwartung nicht naheliegend, warum er Abtreibung als gesamtwirtschaftlich schädlich sehen könnte?

0

links-radikal nicht gleich kommunisten

und im kommunistischen manifest steht soweit ich weiß nichts von abtreibung... da gibt es keine festen standpunkte zu

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die politische Orientierung hat erst einmal überhaupt nichts damit zu tun, ob jemand gegen Abtreibungen ist oder nicht. Die Antwort auf deine Frage lautet also: Nein. Viele Abtreibungsgegner haben eher religiöse Gründe für ihre Haltung.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo,

"My Body - My Choice" ist dir bekannt? Abtreibungsverbote sind sowas von nicht emanzipatorisch..

MfG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?