Sind Fremdgänge bzw Seitensprünge nicht doch etwas natürliches?

12 Antworten

Seitensprünge sind in der Natur zumindest nichts Ungewöhnliches. Der Biologe spricht da übrigens nicht von Seitensprüngen, sondern von extra pair copulations (EPC). Im Tierreich kommt das recht häufig vor, sogar bei vielen Vogelarten, welche lange Zeit als das Paradebeispiel für Monogamie galten. Wie sich gezeigt hat, sind Vögel häufig aber nur eine Brutsaison lang miteinander verbunden und haben im darauffolgenden Brutzyklus einen neuen Partner, dass Vögel lebenslang in einer "Ehe" leben, ist eine große Ausnahme. Häufig kann auch beobachtet werden, dass ein Weibchen sich in einem unbeobachteten Moment mit einem anderen Männchen paart - nicht immer sind also die Eier und später die Jungen, die ein Männchen im Nest aufzieht, auch biologisch betrachtet seine eigenen Jungen.

Bei vielen sozial lebenden Primaten, die ja stammesgeschichtlich dem Menschen sehr viel näher stehen und daher von besonderem Interesse sind, sind promiskuitive Verhältnisse in der Gruppe normal. Promiskuität kommt bei vielen Makaken-Arten wie dem Rhesusaffen vor und auch bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen und Bonobos. Die Motive dafür können bei den beiden Geschlechtern aber recht unterschiedlich ausfallen.
Männchen investieren nicht viel in den gemeinsamen Nachwuchs. Sie produzieren nur kleine Gameten (üblicherweise Spermien genannt), die wenig Energie enthalten und gewissermaßen zur Zygote (dem befruchteten Ei) nur die Gene beisteuern. Dafür produzieren Männchen Spermien aber zeitlebens und in hoher Zahl. Für ein Männchen kann es sich daher lohnen, wenn es seine biologische Fitness ( = seinen "Fortpflanzungserfolg") dadurch steigert, dass es sich mit möglichst vielen Weibchen paart.
Bei Weibchen ist das Investment wesentlich größer. Die Eizelle ist viel größer als ein Spermium, hat mehr Energie und schließlich trägt das Weibchen allein auch die Kosten der Schwangerschaft und der Geburt. Für beispielsweise ein Schimpansenweibchen kann es dann hilfreich sein, sich mit möglichst vielen Männchen der Gruppe zu paaren, um die Vaterschaft zu verschleiern- Dadurch lässt sich erreichen, dass keines der Männchen sicher sein kann, dass der Nachwuchs vielleicht nicht doch seiner ist - und folglich wird ein Schimpansenmann daher eher bereit sein, sich an der Aufzucht des Jungtiers zu beteiligen.

Warum sich bei uns Menschen in vielen Kulturen die Monogamie durchgesetzt hat, lässt sich evolutionär damit begründen, dass durch diese enge Bindung das Männchen sich an der Jungenaufzucht beteiligen "muss". Was wir in der Realität oft erleben, ist genau das, was man demnach erwarten darf: oft hält eine Ehe etwa so lange wie es dauert, bis der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus ist.
Mich persönlich befriedigt diese Antwort aber keineswegs, denn es gibt durchaus Ehen, die wirklich ein Leben lang halten. Es muss also noch mehr geben und selbst für mich als Naturwissenschaftler ist Liebe eindeutig mehr als nur das, was man an hormonellen Veränderungen im Körper messen kann. Ich bin letztlich ganz froh, dass Liebe im Grunde genommen für uns immer noch ein großes Geheimnis ist und immer bleiben wird.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Dass wir im Laufe unseres Lebens mehrere Sexualpartner haben, ist tatsächlich etwas natürliches. Auch, dass sich Beziehungen auseinander entwickeln und man sich irgendwann nicht mehr liebt, ist zwar schade, aber immer noch natürlich. Wir sind schließlich keine monogamen Schwäne, Pinguine oder andere Vögel, sonder Primaten - und die leben allesamt polygam. Das kriegt man auch durch noch so viele gesellschaftliche Regeln und Zivilisation nicht aus uns heraus.

Einen Seitensprung kann und sollte man aber trotzdem nicht als "natürlich" bezeichnen, weil man das dann ganz schnell auch als ethische und moralische Legitimation fürs Betrügen und Fremdgehen verwenden könnte - was aber schlichtweg absurd ist. Der Mensch kann nämlich anders als ein Tier sein Handeln hinterfragen und trifft seine Entscheidungen bewusst. Er weiß, dass er durch seine Handlungen andere Menschen verletzen kann, und das ist nunmal das Maßgebliche bei Seitensprüngen: es tut immer einem anderen Menschen weh!

Wer seinem Partner fremdgeht, der missbraucht mit vollem Vorsatz das Vertrauen der Person, die einen liebt und die einem vertraut, und das nur, um sich selbst Vergnügen zu verschaffen. Es gibt keine moralische Rechtfertigung für einen Seitensprung, weil es immer auf Kosten einer anderen Person geschieht. Und weil es für diese Person kaum einen größeren Schmerz geben kann, wenn sie es herausfindet, weil das den kompletten Selbstwert dieser Person vernichten kann, weil das die gesamte geplante Zukunft zerstört, alle Perspektiven dabei in Flammen aufgehen, weil die Wunden eines solchen Verrats niemals ganz verheilen und man danach vielleicht nie wieder imstande ist, einem Menschen zu vertrauen, weil das Erleben eines solchen Betruges zu Depressionen, ja sogar zu verbrecherischen Gewalttaten führen kann, sind heimliche Seitensprünge nichts natürliches, sondern einfach nur feige, selbstsüchtig und hinterhältig.

Es gibt im Vorfeld eines jedes Seitensprunges schließlich die Möglichkeit, die Beziehung, in der man sich nicht mehr wohlfühlt, zu verändern. Man kann frischen Wind ins Schlafzimmer bringen, indem man sich traut, Neues auszuprobieren. Dabei muss man sich aber auch trauen, miteinander über seine Bedürfnisse ganz offen zu sprechen. Sogar anzusprechen, was einem an einer netten neuen Kollegin oder dem sexy Typen aus dem Fitnessstudio gefällt und richtig anmacht, sollte dabei kein Tabuthema sein - denn solche Fantasien beflügeln. Man muss sich nur trauen, offen für Neues sein und vor allem miteinander reden!

Alternativ kann ein Seitensprung auch frischen Wind in eine Beziehung bringen, aber natürlich nur, wenn man mit dem Partner vorher abspricht, dass man sich sexuell zu einem anderen Menschen hingezogen fühlt - das ist nämlich tatsächlich nur natürlich! Man kann gemeinsam Swingerclubs besuchen, kann sich über Kontaktanzeigen mit anderen Partnern verabreden, auch mal Sex zu dritt oder zu viert haben, Partnertausche mit eng befreundeten Paaren verabreden - das aber alles offen und ehrlich und in Absprache mit dem Partner. Auch in einer offenen Beziehung kann man vertrauensvoll miteinander umgehen. Das ist vielleicht nicht für jeden was, aber es ist wenigstens ehrlich. Und spielt der Partner da nicht mit und man ist und bleibt tatsächlich unglücklich und voller unerfüllter Sehnsüchte, dann sollte man die Beziehung eben beenden, bevor man sich einem anderen Menschen zuwendet.

Weil viele Menschen für Ehrlichkeit und Vertrauen aber einfach zu faul und zu feige sind, wird dann eben heimlich fremdgegangen. Für mich sind Menschen, die Fremdgehen und ihren Partner betrügen deshalb die widerlichste Form der Ausgeburt menschlichen Abschaums.

Woher ich das weiß:Hobby – Jahrelange Begeisterung für die Natur und ihre Bewohner.

Oder einfacher: Aus einem Ist (natürlich) wird kein Soll (angemessen).
Außerdem ist "das Fremdgehen" doch außerhalb des Rahmens einer einvernehmlichen, auf Vertrauen basierenden menschlichen Beziehung, gar nicht zu verstehen. Tiere gehen daher nicht fremd in dem Sinne. Auch bei den monogamen Vögeln von 'fremdgehen' zu sprechen wäre so, wie von 'Mördern' zu sprechen, wenn sie Mal im Kampf den Gegner töteten.
Wer fremdgeht, ist alles das, was oben erwähnt wurde. Wer Fremdgehen, das dann aber noch mit einem solchen Pfiff als angemessen betrachtet, ist zudem auch noch blöd.

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Hi.

Kritische Frage. Ich denke jetzt übrigens immer altsteinzeitlich, weil die Evolution ist zu lahm, mit unserer Zivilisation Schritt zu halten. Sonst müssten wir nicht Zähne putzen.

Eigentlich würde ein erfolgreicher Mann ja für n "Frauenrudel" reichen. So, wie bei Löwen. Oder Seelöwen. Und die weniger erfolgreichen Männer müssten dann warten, bis die Alphalöwen alt und wehrlos werden. Oder sie austricksen.

Allerdings brauchen mM Kinder ein weibliches und ein männliches Vorbild. Und so breit, wie wir aufgestellt sind, müsste sich Individualbetreuung wirklich lohnen. Also nicht nur ein Häuptling für 100 Kinder, weil der ist ja beschäftigt mit Verteidigung und Fortpflanzung.

Keine Ahnung, wie das paläoanthropologisch ist (da ist aber bestimmt was veröffentlicht worden!), in modernen Zeiten ist Monogamie aber denke ich normal. Heißt nicht, dass Polygamie was Schlimmes oder Verwerfliches wäre, aber es ist halt anders. Denke mal so, wie Homosexualität oder Neigung zu SM. Gar nicht schlimm, voll tolerabel, aber ab der Norm. Und in ner "normalen" Partnerschaft braucht es das OK des Anderen, weil der Norm entspricht Monogamie, daher wird sie erwartet, so lange nix Anderes ausgemacht wurde.

Das ist ganz einfach. Von Natur aus der Mensch nicht monogam. Das ist einfach eine von der Kirche erfundene Geschichte - von wegen "bis daß der Tod Euch scheidet". Das hat noch nie funktioniert und hält kaum jemand durch.

Und nachdem es gesellschaftlich halt verpönt ist, machen es die meisten heimlich.

Normalerweise sind Menschen zusammen um Nachkommen zu zeugen. Spätestens wenn die "Brut" aus dem gröbsten raus ist, wird ein neuer Partner gesucht. So ist das in der Natur :-) Aber Menschen sind dann verheiratet, haben Häuser gebaut und irgendwelche gemeinsamen Dinge "aufgebaut". Da fällt eine Trennung und Neuorientierung nicht so leicht wie im Tierreich. Aber wir können halt trotzdem nicht verleugnen daß wir noch Instinkte haben.

ich habe schon vor langer Zeit aufgehört an diesen Quatsch von der ewigen Liebe zu glauben.

Heutzutage sind die Paare auch nicht mehr aufeinander angewiesen. Jeder verdient sein eigenes Geld und kann gut alleine klarkommen. Man braucht sich nicht mehr - so wie früher.

Die meisten Ehen dauern doch heutzutage keine 10 Jahre mehr.

Und nachdem es gesellschaftlich halt verpönt ist, machen es die meisten heimlich.

Wir leben nicht mehr in den 50gern. Eine Ehescheidung ist heute keineswegs gesellschaftlich verpönt, sie wird heute komplett akzeptiert. Natürlich ist so etwas nicht schön, es kostet Zeit, Nerven und oft jede Menge Geld, aber da hängt jedenfalls keine gesellschaftliche Ächtung mehr dran.

Wer heute heimlich Fremdgeht, tut das längst nicht mehr aus romantischer Leidenschaft, etwa, um dem trostlosen und unglücklichen Alltag zu entkommen, weil es da aufgrund der gesellschaftlichen Ächtung einer Trennung keinen anderen Weg geben würde. Nein, Fremdgeher sind heute durchweg in höchstem Maße unmoralische Menschen, für die ich niemals und unter keinen Umständen Verständnis aufbringe.

Sie handeln vielleicht nur aus purem Egoismus, weil sie sich die schnelle Nummer mit einem anderen Partner gönnen wollen, um sich selbst zu beweisen, was für tolle Heringe sie sind. Das Vergnügen steht bei solchen Leuten höher als die Liebe und das Vertrauen zum Partner - und das ist einfach nur verlogen und widerwärtig!

Sie handeln vielleicht aus der Sorge, weil sie vor dem Ehepartner, den gemeinsamen Freunden oder der Familie nicht schlecht dastehen wollen - also aus Angst vor persönlichem Prestigeverlust - und das einfach nur ist feige und rückgratlos!

Sie handeln vielleicht auch aus materialistischen Gründen, weil der gehörnte Ehepartner das Geld heranschafft und für einen hohen Lebensstandard sorgt, auf den man nicht verzichten möchte. Auch das ist keine Entschuldigung - das ist einfach nur habgierig und egoistisch!

Da es heute so einfach ist, frischen Wind in eine Beziehung zu bringen, sei es durch Rollenspiele, gemeinsame Besuche in Swingerclubs, das Arrangement einer offenen Beziehung oder sonstwas, gibt es absolut keine moralische Rechtfertigung fürs Fremdgehen. Man kann sich auch abseits des eigenen Schlafzimmers vergnügen und trotzdem mit offenen Karten spielen - oder man kann sich vorher trennen.

Wer das nicht tut und lieber heimlich fremdgeht, ist charakterloser Abschaum.

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Menschen sind von Natur aus tatsächlich nicht monogam veranlagt. Das waren sie nie. Und Lange Zeit wurden Hochzeiten auch bei uns nur selten als Liebe abgeschlossen. Selbst in einigen Disneyfilmen wird es angedeutet, Zb ist Aurora von Geburt an dazu bestimmt den Prinzen zu heiraten und umgekehrt , Und bei Mulan soll diese der Familie Ehre machen und einen Ehemann vermittelt bekommen. Auch wenn sie sich später verlieben. Auch Sissi wurde regelrecht Verkauft und sagte selbst zur Ehe" Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als 15 jähriges Mädchen wird man verkauft und tut einen Schwur den man nicht versteht und dann 30 Jahre und länger bereut und nicht mehr lösen kann" Hochzeiten wurden auch in unseren Regionen lange Zeit meist abgehalten um eben zwei Königreiche, einflussreiche Familien zu vereinen. Im Mittelalter galt eine Frau als heiratsfähig sobald sie Kinder zeugen konnte(Periode hatte) das war teilweise schon mit 11 oder 12 Jahren. In weiten Teilen der Welt werden Hochzeiten bis heute selten aus Liebe gemacht. Bei uns ist das heutzutage zwar öfter der Fall aber dennoch werden auch viele Ehen geschieden. Von Natur aus ist der Mensch nicht monogam

Monogamie: Weil die Liebe uns betrügt | ZEIT ONLINE

Elisabeth und Franz Joseph: Hochzeit und Ehe | Die Welt ...

Das rechtfertigt trotzdem kein heimliches Fremdgehen!

Man kann auch offen und ehrlich miteinander umgehen. Wenn einem der Sex mit dem Partner zu langweilig wird, gibt es unzählige Formen, ihn aufzupeppen - sei es durch Rollenspiele, exotische und abenteuerliche Orte abseits des Schlafzimmers, durch das ausleben von Fantasien auf allen möglichen Ebenen, dann bleibt es halt monogam; oder man öffnet sich in der Beziehungen und akzeptiert, dass man sich die Abwechslung auch außerhalb holt, sei es durch Kontaktanzeigen, Besuche von Swingerclubs, Partnertausch oder oder oder. Das alles kann auch trotzdem in gegenseitigem Vertrauen passieren. Und wenn da eben nichts mehr passiert und man sich einfach nur noch unwohl fühlt - dann muss man sich als letzten Ausweg eben trennen.

Wer aber heimlich fremdgeht, der ist einfach nur feige, hinterhältig und selbstsüchtig. Fremdgeher sind für mich der unterste Bodensatz menschlichen Abschaums, und es gibt keinerlei moralische Rechtfertigung dafür, wo es doch so viele Wege gibt, offen und ehrlich miteinander umzugehen.

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