Sind Emotionen in Deutschland weniger ausgeprägt als in den armen Ländern?

11 Antworten

Hm ja ich würde sagen Emotionen wird in Deutschland weit weniger Raum gegeben und Emotionen eher als störend, irrational und teilweise als Schwäche gesehen werden.

So habe ich den Eindruck, dass in Deutschland die Geduld mit (Arbeits/Leistungs)Ausfall/Schwäche durch Krankheit, Trauer o.ä. sehr gering ist.

Es wird für eine kurze Zeit (eine Woche, ein Monat max.) und dann nur wenn es selten geschieht akzeptiert, aber danach soll man es bitte überwunden haben und wieder leistungsbereit/normal sein. Wenn es mehr ist, sinkt die Geduld und akzeptanz sehr schnell und es wird quasi als negative Eigenschaft bzw. als Ursache eine persönliche Eigenschaft gesehen (z.B. Faul, Überempfindlich, Weinerlich, Schwach)

Dies ist sowohl der Erwartungsdruck vom Umfeld, als auch der Druck den sich viele selber machen.

Es ist, glaube ich, zumindest Teilweise eine historische kulturelle Prägung sowohl aus dem Kaiserreich mit den preußischen Tugenden als auch dem Nationalsozialismus wo Emotionen als etwas Schwaches, weibliches/weibisches gesehen wurden, aber vermutlich reicht die Prägung noch viel weiter zurück.

Leistung ist der entscheidende Faktor für Ansehen in Deutschland und die persönliche Entwicklung bzw. der Erfolg im Leben wird häufig an der jeweiligen Leistungsbereitschaft fest gemacht.

Bekannt sind auch Sprüche/Motti wie "Du musst nur wollen", "Man kann alles erreichen, wenn man nur will" etc. und dieses Wollen meint die Leistungsbereitschaft.

Diese Einstellung/Sicht hat inzwischen einige Risse in Deutschland bekommen und wird zunehmend hinterfragt, ist aber in vielem noch immer prägend.

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung
  • Nein, definitiv nicht. Ich bin fest überzeugt, dass quasi alle Kulturen Emotionen ähnlich stark empfinden.
  • Der Unterschied besteht eher darin, wie offen man Emotionen zeigt und auslebt.
  • In Deutschland werden Emotionen wesentlich weniger offen gezeigt und ausgelebt als in anderen Ländern.
  • Bedenke zudem, dass andere Kulturen manchmal auch nur Emotionen vorspielen oder sie übertrieben ausleben. Das ist manchmal Schauspielerei oder Schummeln.

Das nennt man kulturelle Prägung. Es ist auffallend, dass es in den nördlichen Ländern weniger emotional zugeht, eine größere Distanziertheit von der eigenen Person festzustellen ist. Das hat wohl damit zu tun, dass das kältere Klima mit den deutlicheren Jahreszeiten die Menschen zu mehr Distanziertheit und Planung der Lebensumstände "erzogen" hat.

Mir persönlich ist das aufgefallen im Umgang mit Bekannten, die türkischer Herkunft aus Anatolien sind. Innerhalb der Familie ist ein ziemlich starker Wechsel zwischen "sie küssen und sie schlagen sich" festzustellen, ein Hang, alles persönlicher zu nehmen. Wenn unsereins anmahnte, "Jetzt versetz Dich doch mal in seine Lage.", erschienen große Fragezeichen in den Augen.

Seit gut 10 Jahren ist unser altes Lebensmittelgeschäft nun an Iraner verpachtet. Als vor einem halben Jahr mein Schwager gestorben ist, mit dem sie kaum Kontakt hatten, weigerte sich meine Frau, das im Geschäft mitzuteilen, weil sie nicht "das Theater" auch noch wollte. Also habe ich mich auf den Weg gemacht und in dezenten Worten zu erklären versucht, dass der Schwager verstorben ist. Da ging ein Geschrei los, sie tanzte wie ein Derwisch durch die Regale, schlug gegen die Produkte und schrie und jammerte, als ob sie geschlachtet werden sollte. Zum Schluss sah ich mich in der Rolle, als Betroffener die Mieterin zu beruhigen und zu trösten. In solchen Momenten wird einem körperlich klar, wie anders eine und fremde Kultur sein kann.

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