Sind die ursprünglichen zehn Gebote (2. Mose 20:2-17, 5. Mose 5:6-21, Mark 10:19) in den Geboten Jesu gleichsam neu bestimmt (Joh. 14:21, 1. Tim. 1:5) worden?

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6 Antworten

Ich denke, dass das Gesetz für Christen nicht mehr gilt (diese Formulierung verwendet William MacDonald in seinem Bibelkommentar) und außer Kraft gesetzt ist, weil:

Das Alte Testament wurde nicht den Christen aus den Nationen, sondern dem Volk Israel von Mose gegeben und verordnet. Keines der alttestamentlichen Gesetze ist für uns heute bestimmt. Als Jesus am Kreuz starb, setzte er dem Gesetz des Alten Testaments ein Ende (Römer 10,4; Galater 3,23-25; Epheser 2,15).

Das Gesetz ist eine Einheit. Wer ein Gebot übertritt, ist aller Gebote schuldig geworden (Jakobus 2,10). Wir haben uns also am Freitag des gesamten Gesetzes inklusive der 10 Gebote schuldig gemacht, weil wir nicht den Sabbat gehalten haben.

Das Gesetz ist also ein Gesamtpaket, das man nicht unterteilen kann. Wenn Christen meinen, die 10 Gebote halten zu müssen, liegen sie damit völlig falsch (auch wenn die Kirchen das behaupten). Die 10 Gebote haben mit Christsein gar nichts zu tun, Paulus bezeichnet den Dienst am Gesetz (Paulus führt sogar die 10 Gebote auf) sogar als Dienst des Todes (2Kor 3,7) und als Dienst der Verdammnis (2Kor 3,9).

Nach Epheser 2,15 hat Jesus das Gesetz hinweggetan (Schlachter 2000), beseitigt (Elberfelder) bzw. außer Kraft gesetzt (Neue Genfer Übersetzung).

In Galater 3,19 steht: "Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt - bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers."

In Hebr 7,18.19 findet sich: "Denn aufgehoben wird zwar das vorhergehende Gebot seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen - denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht -, eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen."

Dazu kommt, dass das levitische Priestertum an das mosaische Gesetz gebunden war. Solange das Gesetz in Kraft war, könnte es nur levitische Priester geben. Doch mit dem Messias kam ein Priester, der kein Levit war, sondern aus dem Stamm Juda. Jesus kann nur deshalb ein Priester nach der neu eingeführten Ordnung Melchisedeks sein, weil das mosaische Gesetz außer Kraft gesetzt worden ist. Somit ist das mosaische Gesetz aufgehoben worden, und zwar zugunsten eines neuen Gesetztes, das die Grundlage für das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks bildet (so schreibt Fruchtenbaum).

Fruchtenbaum schreibt weiter, dass mit dem Kreuz Christi kein einziges dieser Gebote mehr Gültigkeit hat. Das Gesetz kann dazu benutzt werden, auf den Messias hinzuweisen (Gal 3,23-25). Das Gesetz des Mose wurden vollkommen aufgehoben und nun sind die Gläubigen unter einem neuen Gesetz, das Gesetz des Christus (Messias; Gal 6,2; Röm 8,2). Das mosaische Gesetz ist heute null und nichtig. Wir sind heute unter dem Gesetz des Messias.

Das sieht man beispielsweise daran, dass Gott im Gesetz des Mose ausdrücklich das Essen von Schweinefleisch verbot und dass nach dem Gesetz des Messias (den Regeln im Neuen Testament, wenn man so möchte) Schweiniefleischgenuss erlaubt ist. Die Beschneidung wäre auch ein Beispiel dafür oder der Sabbat.

Dass wir bis auf das Sabbat-Gebot alle andern 9 der 10 Gebote auch einhalten sollen als Christen, hängt nur damit zusammen, dass sie im Neuen Testament für Christen aufgestellt werden und nicht, weil Mose sie dem Volk Israel übergeben hat. Diesen Unterschied finden ich schon wichtig, um dieses Thema zu verstehen, da in der heutigen Zeit innerhalb der Christenheit viel Verwirrung um diese Frage herrscht.

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Kommentar von Rosenblad
30.03.2016, 16:10

Die bestätigt meine Überlegungen - siehe auch: Gal.4:4,5, Röm. 6:14 - darf ich sie fragen, welcher Religionsgemeinschaft Sie angehören?

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Kommentar von chrisbyrd
01.04.2016, 14:01

Vielen Dank für den "Stern", liebe Grüße und Gottes Segen!

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Jesus war definitiv kein Religionsstifter oder Kirchengründer. Er war, sofern wir überhaupt etwas wissen können über ihn, jüdischer Rabbi und Torah-Gelehrter mit grosser Autorität.

Von sich sagt er auch, er hebe die Torah nicht auf, sondern er erfülle sie (mit Sinn). Die jüdische Religionspraxis seiner Zeit war rein kasuistisch ausgerichtet, also eine Unzahl von Regeln, Vorschriften und Gesetzen war zu beachten, wollte man als "Gerechter" gelten in den Augen Gottes. Jesus hat stets den Blick von aussen nach innen gelenkt, und stets verwiesen auf den den Gesetzen zugrundeliegenden SINN, auf das Prinzip des religiös und ethisch Gebotenen. So konnte er zb das Sabbatgebot vom Wortlaut zurückführen auf den geist, den Sinn, ohne den Wortlaut in der Torah "aufzuheben", sprich zu annullieren.

Die 10 Gebote hat er ähnlich zusammengefasst im Prinzip der Gottes- und Menschenliebe. Und es dem Gläubigen, seinem Gewissen und seiner Urteilskraft anheimgestellt, im Alltag jeweils das Gute zu tun und das Böse zu lassen.

Deshalb spricht Paulus von der "Befreiung von der Knechtschaft des Gesetzes", und Luther von der "Freiheit eines Christenmenschen".

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Kommentar von Rosenblad
30.03.2016, 16:39

Gal.4:4,5, Röm. 6:14.

Die erste Gemeinde als religiöse Kollektivierungseinheit dürfte sich zu Pfingsten 30 oer 31 u.Z. - kurz nach der Kreuzigung ihres Gründers konstituiert haben. Jeschua ist zumindest als Gründer einer jüdisch-eschatologischen Bewegung anzusprechen, der anknüpfend an das Buch Jesaja das Reich Gottes verkündete und sich immer mehr in dieser Narration als Nachfolger Davids externalisierte. Nach seinem Tod musste die Eschatologie in eine Parusie und Soteriologie transformiert werden.

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Nein. Die zehn Gebote sind nicht neu bestimmt. Die zehn Gebote wurden um die Bergpredigt  erweitert.

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Die 10 Gebote wurden durch Jesus Christus bestätigt und sind in den beiden großen Geboten der Liebe enthalten.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:37+39).

Genau darum geht es auch in den 10 Geboten!

Hier gebe ich nochmals eine verkürzte Fassung der Gebote, wie sie in der Bibel stehen, in Exodus (oder 2.Mose) 20:1-17 !

Die Liebe zu Gott:

1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst dir kein Bildnis machen. (Dieses Gebot wird leider oft übersprungen, kann aber in der Bibel nachgelesen werden!)

3. Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen.

4. Du sollst den Feiertag heiligen.

Die Liebe zu deinem Nächsten:

5. Du sollst Vater und Mutter ehren.

6. Du sollst nicht töten.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

8. Du sollst nicht stehlen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Jesus hat Liebe und Barmherzigkeit gepredigt und vorgelebt, uns weitere Gebote der Liebe gegeben und auch erklärt, dass Sünde bereits in Gedanken beginnen kann, wie z.B.in  Matthäus 5:28:

„Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“

Die Gebote sind also keinesfalls aufgehoben sondern eher noch erweitert worden.


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Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Tatsächlich lassen sich die 10 Gebote in zwei Teile aufteilen, und zwar nicht etwa in 1 bis 5 und 6 bis 10, wie sie in unzähligen bildlichen Darstellungen angeordnet wurden, sondern in 1 bis 3 und 4 bis 10. Die Gebote 1 bis 3 betreffen das Verhalten des Menschen gegenüber Gott, die Gebote 4 bis 10 das Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Dieser Aufteilung entspricht im Neuen Testament bei Jesus genau das „Doppelgebot der Liebe“: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächstenlieben wie dich selbst“ (Mt. 22,37ff). Quelle: http://www.theologische-miniaturen.de/themen/die-zwei-tafeln/

Die Gebote sind also viel mehr zusammenfassend als ersetzend. Noch etwas: Im Alten Testament hielt man die Gebote, UM errettet zu werden und in den Himmel zu kommen. Nach Jesu Kreuzigung will man die Gebote halten, WEIL der Herr Jesus Christus einen errettet hat und man in den Himmel kommt.

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Kommentar von Garfield0001
29.03.2016, 23:22

... er hat sie also gezipt :-)

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Kommentar von Rosenblad
30.03.2016, 09:21

Wo liegt hier der reale Unterschied in der Antizipation - sehen wir vom semnatischen Aspekt einmal ab.

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Wieso neu bestimmt?


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Kommentar von Rosenblad
29.03.2016, 20:53

siehe: 1. Tim 1:5

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